Um im Aartal wandern zu gehen, oder Fahrrad zu fahren: Mit der Aartalbahn bekommt Wiesbaden die Freizeit eine bessere Anbindung in das Aartal.

Aktive Bürgerbeteiligung von Anfang an: Das war und ist der Anspruch der Stadt bei dem Mobilitätsprojekt Reaktivierung der Aartalbahn, und diesem Anspruch werden Wiesbadens Verkehrsdezernat und ESWE Verkehr gerecht. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung haben die Verantwortlichen am 9. Juni die ersten Inhalte und Zeitpläne vorgestellt. Dabei stellte Verkehrsdezernent Andreas Kowol in einem Impulsvortrag die besonderen Eigenschaften der denkmalgeschützten Aartalstrecke heraus: eine Streckenlänge von Wiesbaden bis Diez über rund 54 Kilometer. Davon liegen 15 Kilometer im Wiesbadener Bereich, etwa 25 Kilometer im Rheingau-Taunus-Kreis und die restlichen rund 14 Kilometer im rheinland-pfälzischen Rhein-Lahn-Kreis. Die Strecke der Aartalbahn verläuft eingleisig, ist nicht elektrifiziert und gilt als sogenannte Nebenbahn. Sie hat viele enge Kurven und lässt nur kurze Personenzugwagen zu. Der Güterverkehr wurde 1999 auf dem letzten Teilstück eingestellt.

„Die Reaktivierung der Aartalbahn ist sowohl für die Kreisstadt Bad Schwalbach als auch für die größte Stadt im Rheingau-Taunus-Kreis, Taunusstein wichtig.“Günter F. Döring, Dezernent für Angelegenheiten der Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft

Die Reaktivierung der Strecke wurde bereits mehrfach geprüft. Basierend auf einem Beschluss des Wiesbadener Ausschusses für Planung, Bau und Verkehr vom 3. November 2020 hat der Ausschuss den Magistrat darum gebeten, Gespräche mit allen beteiligten Partnern zu führen. Dabei sollten die Möglichkeiten einer Wiederinbetriebnahme der Strecke geprüft werden. Dies allerdings unter besseren Voraussetzungen als zuvor. Schließlich haben sich die Grundlagen für die Reaktivierung von stillgelegten Bahnstrecken in Deutschland entscheidend verbessert. Außerdem haben sich auch die siedlungsstrukturellen Rahmenbedingungen verändert: Entlang der Bahnlinie sind neue Baugebiete entstanden, und das Angebot an Anschlussverbindungen am Wiesbadener Hauptbahnhof wird stetig ausgebaut. Die reaktivierte Aartalbahn kann eine wichtige Lösung darstellen, um den Verkehr zwischen Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis umweltgerechter zu gestalten. Im Schnitt fahren täglich 60000 Fahrzeuge über den Taunuskamm in Richtung Wiesbaden – Tendenz steigend.

„Wir brauchen die Bahn auch für die anderen Kommunen im Aartal. Gemeinsam wollen wir für die vielen Pendler aus dem Kreis eine bessere Anbindung an Wiesbaden schaffen.“Günter F. Döring, Dezernent für Angelegenheiten der Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft (RTV)

Als zwei wichtige Hauptziele einer erneuten Nutzung der Aartalstrecke nannte Jörg Gerhard, Geschäftsführer ESWE Verkehr, die Entlastung Wiesbadens von hohem Durchgangsverkehr sowie eine Schienenanbindung der Kreisstadt Bad Schwalbach. Derzeit wird eine Machbarkeitsstudie für die Streckennutzung ausgeschrieben. Dafür ist der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) zuständig. Die Studie wird Entscheidungsgrundlage für das Projekt werden. Geplant ist, die Analyse im zweiten Quartal 2022 abzuschließen.

Es ist nicht davon auszugehen, das die vorhandene Gleise noch genutzt werden können. Für den geplanten langfristigen Betrieb würden die Stadt und ESWE Verkehr die über 100 Jahre alten Schienen erneuern.“ – Andreas Kowol, Verkehrsdezernent

In der Online-Informationsveranstaltung wurden viele Fragen von Zuschauern gestellt und von den Referenten beantwortet; so auch die Frage nach der Antriebsart der Bahnen. Hierzu erklärte Hörg Gerhard, dass die Strecke nicht durchgehend elektrifizier werden müsse. Für die Triebwagen werde sich der Betreiber innovative Antriebsarten wie zum Beispiel Wasserstoff ansehen. Damit sammele der Mobilitätsdienstleister bereits mit seinen Bussen und der Wasserstofftankstelle erste Erfahrungen.

„Bei der Aartalbahn handelt es sich ja um eine Bestandsstrecke. Daher rechnen wir auch nicht mit größeren Widerständen in der Bevölkerung. Um eventuell aufkommenden Unmut im Vorfeld zu begegnen, werden wir, alle Planungsprozesse künftig so transparent darstellen.“ – Andreas Kowol, Verkehrsdezernent

Günter F. Döring wies darauf hin, dass die Reaktivierung die heute gültigen gesetzlichen Voraussetzungen für einen Eisenbahnbetrieb erfüllen muss. Das gilt beispielsweise für Lärmschutz, Geschwindigkeiten oder Bahnübergänge. Der Rheingau Taunus-Kreis (RTK) strebt in den Verkehrsspitzenzeiten einen 15-Minuten-Takt an. Wertvolle Grundlagen für die weiteren Planungen sind die Untersuchungsergebnisse, die im Projekt City-Bahn gewonnen wurden; auf sie kann aufgebaut werden. Ein Güterzugverkehr zwischen Bad Schwalbach und der Stadtgrenze Wiesbaden wird seitens des RTK ausgeschlossen.

Fazit

Zum Ende der Veranstaltung waren sich die Referenten einig, dass eine Wiedereröffnung der Bahnstrecke ein Erfolgsgeschichte werden kann. Die Ausgangslage ist mehr als nur günstig. Sowohl bei bei möglichen Fördermitteln von Land und Bund als auch auf der Nachfrageseite durch Fahrgäste, stehen die Zeichen auf „Go“.

Stimmungsbild: Aartalbahn

Wir hatten bereits vor einem halben Jahr die Frage gestellt. Seit dem haben 166 Personen mit abgestimmt. Ihre Meinung ist weiter gefragt. Wie denken Sie über die mögliche Reaktivierung der Aartalbahn?

This poll is no longer accepting votes

Kann es gelingen, mit der Aartalbahn im Rahmen eines integrierten Zug-/Bus-Konzeptes zwischen Bad Schwalbach, Taunusstein und Wiesbaden eine attraktive Verbindungen zu schaffen?

Bild oben ©2021 Bahnhof Dotzheim ©20021 Franz Schmidt

Weitere Nachrichten aus dem Ortsbezirk Südost lesen Sie hier.

Die offizielle Internetseite zur Aartalbahn finden Sie unter www.aartalbahn.de.

 

Advertisement

Sie möchten keinen Beitrag mehr verpassen und stets aktuell informiert sein? Dann bestellen Sie doch gleich unseren Newsletter oder folgen uns auf Twitter, Instagram und werden Sie Fan von Wiesbaden lebt!