Nicht Vater und Sohn, sondern Mutter und Sohn – wie im realen Leben. Götz George spielt in dem Film „Die Fastnachtsbeichte“ an der Seite Berta Drews die Rolle Clemens Baumle.
Filmklassiker am Nachmittag.Wenn im Beichtstuhl das Flüstern der Sünden kaum verklungen ist und schon ein Dolch im Rücken steckt, dann ist klar: Die Fastnacht ist hier nicht nur närrisches Treiben, sondern Vorbote des Unheils. Mit „Die Fastnachtsbeichte“ kehrt ein ebenso schillernder wie umstrittener Filmklassiker auf die Leinwand zurück
Seniorenbeirat, kurz gefasst
Filmklassiker – Die Fastnachtbeichte
Eintritt: 5,00 Euro
Wann: Mittwoch, 4. März 2026, 15:30 Uhr
Wo: Murnau Filmtheater, Murnaustraße 6, 65189 Wiesbaden
Am Mittwoch, 4. März, um 15:30 Uhr wird der Film in der Murnaustraße 6 gezeigt, flankiert von einer filmwissenschaftlichen Einführung, die das Werk historisch und ästhetisch einordnet. Der Eintritt beträgt sechs Euro.
Mord im Dom, Maskenspiel auf der Straße
Der von William Dieterle inszenierte Kriminalfilm spielt vor der schillernden Kulisse der Mainzer Fastnacht des Jahres 1913. Noch bevor ein junger Dragoner seine Beichte vollenden kann, bricht er – von einem Dolch durchbohrt – im Dom zusammen. Das Opfer: Ferdinand Bäumler, seit Jahren für tot gehalten.
Der Verdacht fällt auf Clemens, Sohn einer Haushaltshilfe im Hause des alternden Fastnachtsprinzen Adelberd Panezza. Doch wie es sich für eine Erzählung nach Carl Zuckmayer gehört, liegen die Dinge tiefer, dunkler, verwickelter. Die Geheimnisse der Familie Panezza – und ihres süditalienischen Zweigs Toralto – treten Stück für Stück zutage.
Zuckmayers 1959 erschienene Novelle entfaltet viele Zusammenhänge erst im Rückblick, aus der Perspektive eines Erzählers. Dieterles Verfilmung hingegen schreitet chronologisch voran – was nicht alle Kritiker überzeugte.
Zwischen Kolportage und Totentanz
„Obwohl in der Diktion kraftvoll und würzig – verschnörkelt konstruiert und kaum mehr als Kriminal-Kolportage“, urteilte seinerzeit der Der Spiegel. Das Branchenblatt Film Echo befand den Film gar als „etwas verwirrend“.
Andere Stimmen zeigten sich großzügiger: Die Zeit sah Dieterle in der Nähe von „Orfeu Negro“ – der Tod schwebe über ausgelassener Lebensfreude, mittelalterliche Gruftatmosphäre durchziehe die Bilder, Anklänge an „Jedermann“ oder gar an Hieronymus Bosch seien spürbar.
Tatsächlich liegt über dem Film ein eigentümlicher Schleier: zwischen Karneval und Katharsis, Maskenspiel und Moritat. Gedreht wurde während der Fastnacht 1960 in Mainz, im Rheingau und auf Schloss Reichartshausen – mit realen Umzügen und originaler Sitzung. Dort singt Ernst Neger sein „Ja, so was, des gibt’s nur in Meenz“.
Früher Götz George – und seine Mutter
Eine besondere Pointe der Filmgeschichte: Götz George spielt den zu Unrecht Verdächtigten Clemens – seine Filmmutter wird von Berta Drews verkörpert, die auch im wirklichen Leben seine Mutter war.
So bündelt „Die Fastnachtsbeichte“ nicht nur literarische Prominenz und filmhistorische Rückkehrer – Dieterle hatte in Hollywood Karriere gemacht –, sondern auch ein Stück bundesrepublikanischer Kinogeschichte im Übergang: zwischen Nachkriegsdrama und neuem Autorenfilm.
Foto oben ©2020 Wiesbaden lebt
Weitere Nachrichten aus dem Stadtteil Südost lesen Sie hier.
Die Internetseite der Murnau Stiftung finden Sie unter www.murnau-stiftung.de.



Pinselwerkstatt in der Fasanerie
Städtebauförderung bringt 78 Millionen Euro nach Wiesbaden
Wie sauber ist Wiesbaden? Bürger sehen weniger Müll als gedacht
Sperrung der Grillparzerstraße
Festival – Junge Solisten im Rampenlicht 
