Der Frühlingsmarkt lässt die Innenstadt aufblühen: Kunst, Genuss und regionale Winzer verwandeln die Langgasse in einen lebendigen Treffpunkt.
Weihnachtsmarkt, Adventsmarkt, Pop-Up-Store. Bis die endgültige Nachnutzung des ehemaligen Sportgeschäfts eindeutig geklärt ist, gleicht sie einem Experimentierfeld. In der Adventszeit hatte dort ein Adventsmarkt seine Lager aufgeschlagen, danach … und seit diesem Freitag ist der Frühlingsmarkt eingezogen – und mit ihm ein Gefühl, das Wiesbaden dringend sucht: Aufbruch.
Während draußen in den Morgenstunden noch manche Winterjacken rascheln, wachsen drinnen Hasen aus Filz, Eier aus Wachs, Stühle aus Holz und Ideen aus Menschen, die einfach Lust haben, etwas Neues zu probieren. Die Stadt nennt es Zwischennutzung. Die Besucher nennen es: schön, dass hier endlich wieder etwas passiert.
Künstler, Macher, Mutmacher
32 Ausstellende füllen das Erdgeschoss mit Dingen, die überraschen. Man stolpert über Figuren aus gewickeltem Draht, die aussehen, als wollten sie gleich loslaufen. Man bleibt vor den Lampen stehen, die nicht einfach leuchten, sondern Stimmungen erzeugen. Man freut sich über Kerzen in Eierform, die aussehen wie ein Ostergruß an die Geduld des Winters.
Junge Labels wie Shades Factory zeigen Kerzen, die so hochwertig wirken, als wären sie direkt aus einem Concept Store importiert. Tinka bringt 3-D-gedruckte Mini-Tiere mit, die man erst berührt und dann versteht: Das ist nicht nur Deko, das ist ein Gesprächsanlass.
Und dann steht man vor den kleinen Tongefäßen — so schlicht, dass sie erst durch die Hand, die sie geformt hat, Sinn ergeben. Eine Ringschale, die den Alltag sortiert. Eine Minivase, die ein ganzes Zimmer verändert.

Stühle zum Mitnehmen, Ideen zum Bleiben
Besonders ins Gespräch bringt sich Michael Ziem. Er baut Stühle, die man zusammensteckt wie Bauklötze, in einen Turnbeutel packt und einfach mitnimmt. Menschen mit Rückenproblemen freuen sich über den kleinen Hocker mit Lehne. Andere freuen sich über die Überraschung, dass langlebiges Design nicht schwer sein muss.
Am Ende steht man da, sieht jemanden mit einem Stuhl im Beutel und denkt: Wiesbaden könnte öfter so unkompliziert sein.
Und weil Wiesbaden Wein liebt …
Zehn Winzer aus dem Rheingau schließen sich an, darunter das Weingut Jung und das Weingut Kessler. Sie gießen ein, erzählen, lachen und zeigen, wie regionaler Genuss ein Pop-up zum Treffpunkt macht. Die Vinothek rückt diesmal direkt an die neue Fensterfront. Tageslicht fällt auf die Gläser am Weinstand der Winzer von Erbach, und die Besucher finden sich wie zufällig nebeneinander wieder.
Wer mag, probiert weiter. Wer lieber sitzt, findet Platz — drinnen oder draußen. Wiesbaden hat verstanden: Aufenthaltsqualität entsteht nicht durch Konzepte allein, sondern durch Stühle, die man wirklich benutzen will.
Workshops für Hände, die etwas tun wollen
Der Markt lebt nicht nur von Dingen, sondern auch von Momenten. Ob sich Kinder schminken lassen, Erwachsene Aquarelle zeichnen oder Keramik formen… Bastelangebote mischen sich mit Afterwork-Terminen, Weinproben mit Musik. Die SportArena verwandelt sich in ein Labor, in dem Menschen ausprobieren können, was ihnen Freude macht.
Und weil die Stadt zuhören will, läuft parallel eine Mini-Umfrage. Wer möchte, sagt, was gefällt – und was noch besser werden könnte. Dass ein Pop-up-Format nicht nur Produkte, sondern auch Ideen sammelt, sieht man an den Zetteln, die sich rasch füllen.

Stadtpolitik mischt sich ein – und meint es ernst
Bürgermeisterin Christiane Hinninger schaut sich um und sagt, was viele denken: „Der Frühlingsmarkt zeigt, wie viel Kraft solche Zwischennutzungen haben.“ Wiesbadens Baudezernent Andreas Kowol spricht von Chancen für Start-ups, die hier testen können, was draußen noch nicht funktioniert. Sein Satz bleibt hängen: „Solche Orte schaffen Perspektiven.“
Es klingt nicht nach Pflichttext, sondern nach echtem Willen, die Innenstadt neu zu denken.
Alle Foto ©2025 Wiesbaden lebt!
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Mehr von der Frühlingsmarkt im ehemaligen SportScheck.



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