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Wie sauber ist Wiesbaden?

Wie sauber ist Wiesbaden? Bürger sehen weniger Müll als gedacht

Eine neue Umfrage zur Stadtsauberkeit überrascht selbst die Verantwortlichen: Die meisten Wiesbadener halten ihre Stadt für sauber. Doch Zigarettenkippen, Müll und überfüllte Papierkörbe bleiben ein Problem – vor allem wegen des Verhaltens vieler Menschen im öffentlichen Raum.

Volker Watschounek 2 Monaten vor 0

Wiesbaden ist überraschend sauber. Doch Kippen, Müll und überfüllte Papierkörbe bleiben ein Problem – vor allem wegen des Verhaltens.

Wer durch die Innenstadt von Wiesbaden läuft, hört oft Klagen über Müll, überquellende Papierkörbe oder achtlos weggeworfene Kippen. Doch eine neue Umfrage zur Stadtsauberkeit zeichnet ein differenzierteres Bild. Die Mehrheit der Bürger bewertet die Sauberkeit in Wiesbaden positiv – und zwar deutlich positiver, als viele Debatten vermuten lassen.

Am Donnerstag stellten Stadtrat Andreas Kowol und Vertreter der Entsorgungsbetriebe der Landeshauptstadt Wiesbaden (ELW) die Ergebnisse der repräsentativen Untersuchung vor. Für die Studie befragte ein Institut nach 2021 zum zweiten Mal 600 zufällig ausgewählte Wiesbadener telefonisch. Der standardisierte Fragebogen ermöglicht auch einen Vergleich mit 15 Städten und zwölf Landkreisen, die unabhängig von Wiesbaden befragt wurden

Das Resultat: 77 von 100 möglichen Punkten für die Sauberkeit von WEiesbaden. Werte um 80 gelten bereits als sehr gut. Viele Teilbereiche liegen nah an dieser Marke. Einige darüber, und die Mehrheit der Einzelergebnisse über dem Median. „Wir haben bei der Befragung festgestellt, dass Wiesbaden aus Sicht der Bürger kein grundsätzliches Sauberkeitsproblem hat“, sagte Frank Fischer, Leiter der Stabsstelle Unternehmenskommunikation der ELW. „Was wir allerdings haben, ist ein Verhaltensproblem.“

Grafik – Im Detail differenzieren die Bewertungen der Befragten wenig zwischen spezifischen Einzelaspekten
der Stadtsauberkeit. Die Papierkörbe werden etwas kritischer bewertet, der Unterschied bspw. zur
Sauberkeit auf Gehwegen oder Straßen ist jedoch marginal. ©2026 ELW
Grafik – Im Detail differenzieren die Bewertungen der Befragten wenig zwischen spezifischen Einzelaspekten
der Stadtsauberkeit. Die Papierkörbe werden etwas kritischer bewertet, der Unterschied bspw. zur
Sauberkeit auf Gehwegen oder Straßen ist jedoch marginal.
©2026 ELW

Innenstadt besser als ihr Ruf

Besonders bemerkenswert: Gerade dort, wo Beschwerden häufig sind, schneiden die Werte gut ab. Innenstadt, Kurhausumfeld und typische Ausflugsziele liegen in der Bewertung mehrere Punkte über der Punktzahl von 2021 und erreichen damit höhere Bewertungen als noch bei der ersten Befragung. Dabei investieren die Entsorgungsbetriebe erheblichen Aufwand in die Reinigung. „Die Fußgängerzone wird 13-mal pro Woche gereinigt, also werktags zweimal täglich und sonntags einmal“, erklärte Fischer. Doch die Wirkung hält oft nur kurz.

„Wenn wir mit der Reinigung fertig sind, können wir davon ausgehen, dass kurze Zeit später wieder etwas auf dem Boden landet“, sagte er. „Viele Menschen verhalten sich im öffentlichen Raum eben anders als in ihrer eigenen Wohnung.“ Achtlos. Verantwortungslos.

Müll, Kippen und Hundekot

Die größten Ärgernisse der Befragten lassen sich klar benennen: Zigarettenkippen, Hundekot, Graffiti und Müll rund um Containerstandplätze. Vor allem Zigarettenreste tauchen immer wieder auf. „Das sind die Verschmutzungen, bei denen Menschen offenbar die geringste Hemmschwelle haben, sie einfach fallen zu lassen“, erklärt Andreas Kowol.

Hundekot sorgt dagegen für besonders starke Emotionen, obwohl die Zahlen relativ niedrig sind. In Wiesbaden leben rund 10.000 Hunde. Pro Jahr produzieren sie rechnerisch etwa acht Millionen Hinterlassenschaften. „Im vergangenen Jahr wurden 6,5 Millionen Hundekotbeutel genutzt“, erläuterte Fischer. „Das zeigt auch, dass viele Hundehalter verantwortungsvoll handeln.“ Und schwarze Schafe gibt es überall.

Saubere Stadt – trotz Beschwerden

Umweltdezernent Andreas Kowol zeigte sich nach eigenen Worten durchaus überrascht von den Ergebnissen der Untersuchung. Im politischen Alltag erlebe er häufig ein anderes Bild. „Ich bekomme regelmäßig Rückmeldungen von Bürgern, die sich über Müll oder Verschmutzungen beschweren“, sagte er. Gerade in Gesprächen auf der Straße oder bei Bürgerversammlungen werde die Sauberkeit der Stadt immer wieder kritisch angesprochen.

Die Studie zeichnet ein deutlich positiveres Gesamtbild: Rund 80 Prozent der Befragten bewerten die Sauberkeit Wiesbadens als gut oder sehr gut. Damit liegt die Landeshauptstadt nicht nur auf einem stabil hohen Niveau, sondern bewegt sich auch im Vergleich mit anderen Städten im oberen Bereich der Bewertungsskala.

Kowol sieht darin eine Bestätigung für die Arbeit der Entsorgungsbetriebe der Landeshauptstadt Wiesbaden. „Gerade in den stark frequentierten Bereichen der Innenstadt sehen die Bürgerinnen und Bürger die Stadt als sauber an“, sagte er. Besonders Plätze rund um Kurhaus und Staatstheater, die Fußgängerzone sowie beliebte Ausflugsorte hätten sich im Vergleich zur ersten Befragung im Jahr 2021 sogar leicht verbessert.

Gleichzeitig relativiert der Dezernent die häufig sehr zugespitzte Wahrnehmung einzelner Verschmutzungen. Beschwerden entstünden häufig aus Momentaufnahmen: Ein überfüllter Papierkorb oder ein Müllsack am Straßenrand präge schnell den Eindruck einer ganzen Straße oder eines Platzes.

„Natürlich gibt es auch Kritikpunkte“, räumte Kowol ein. „Aber insgesamt zeigt die Befragung, dass Wiesbaden eine saubere Stadt ist.“ Die verbleibenden rund 20 Prozent der Befragten, die weniger zufrieden sind, versteht er deshalb nicht als schlechtes Zeugnis, sondern als Hinweis auf Verbesserungsmöglichkeiten.

„Es gibt immer Luft nach oben“, sagte Kowol. „Aber die Ergebnisse zeigen auch: Die Arbeit der ELW wirkt – und sie wird von der großen Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger wahrgenommen.“

Auch bzgl. vergleichsweise häufiger wahrgenommenen Störquellen werden die kommunalen
Benchmarkwerte erreicht oder übertroffen.
Grafik – Auch bzgl. vergleichsweise häufiger wahrgenommenen Störquellen werden die kommunalen
Benchmarkwerte erreicht oder übertroffen. ©2026 ELW

Müll bleibt dennoch ein Thema

Ganz ohne Probleme kommt Wiesbaden dennoch nicht aus. Die Zahlen zeigen, wie groß die Aufgabe der Stadtreinigung ist. Rund 5.500 Tonnen Abfall sammelten die Entsorgungsbetriebe der Landeshauptstadt Wiesbaden allein 2023 aus Straßenreinigung, Grünflächenpflege, Sinkkästen und illegalen Müllablagerungen ein. Damit stammt etwa acht Prozent des gesamten Restmülls der Stadt aus dem öffentlichen Raum – also aus Bereichen, in denen Abfälle nicht in Tonnen landen, sondern auf Straßen, Plätzen oder in Parks.

Ein Teil davon entsteht durch achtlos weggeworfene Verpackungen, Becher oder Zigarettenkippen. Ein anderer Teil durch wilde Müllablagerungen, die Mitarbeitende regelmäßig entfernen müssen. Matratzen, Möbel oder Elektrogeräte tauchen dabei häufig an Orten auf, die kaum einsehbar sind – etwa auf Wanderparkplätzen, in Grünanlagen oder am Rand von Wohngebieten.

Ein besonderer Brennpunkt bleibt jedoch der Bereich rund um die öffentlichen Papierkörbe. In der Innenstadt stehen Tausende Behälter mit unterschiedlichen Volumen, doch ihr Fassungsvermögen wird oft falsch eingeschätzt. Viele wirken überfüllt, obwohl sie es gar nicht sind. Das liegt häufig an großen Verpackungen, die den Einwurf blockieren.

„Manchmal steckt oben ein Pizzakarton in der Öffnung“, erklärte Frank Fischer von den Entsorgungsbetrieben. „Darunter ist der Papierkorb fast leer, aber er wirkt komplett überfüllt.“ Für Passanten entsteht so schnell der Eindruck, die Stadtreinigung komme ihrer Aufgabe nicht nach – obwohl das Problem oft durch wenige sperrige Verpackungen verursacht wird.

Deshalb diskutiert die Stadt derzeit auch, Papierkörbe mit größerem Volumen oder anderen Einwurföffnungen einzusetzen. Gleichzeitig betonen die Verantwortlichen, dass Technik allein das Problem nicht lösen kann. Entscheidend bleibe letztlich das Verhalten der Menschen im öffentlichen Raum.

Stadt und Bürger gemeinsam gefragt

In vielen Wohngebieten der Stadt liegt die Verantwortung für die Sauberkeit nicht allein bei den Entsorgungsbetrieben, sondern auch bei den Anwohnern. Nach der Wiesbadener Straßenreinigungssatzung sind in zahlreichen Straßen Gehwege und teilweise auch Fahrbahnen von den Grundstückseigentümern zu reinigen. Genau in diesen Bereichen zeigen die Ergebnisse der Umfrage leichte Unterschiede: Während Innenstadt und zentrale Plätze gut bewertet werden, fällt die Wahrnehmung der Sauberkeit in einigen Wohnquartieren etwas kritischer aus.

Für Umweltdezernent Andreas Kowol ist das kein Zufall. Wo unterschiedliche Zuständigkeiten greifen, hängt das Erscheinungsbild der Straße stärker vom Engagement der Menschen vor Ort ab. „Eine saubere Stadt entsteht nicht allein durch Reinigung“, sagte er. „Sie entsteht vor allem durch das Verhalten der Menschen.“

Die Stadt könne zwar Maschinen einsetzen, Papierkörbe aufstellen und Reinigungsteams schicken. Doch ob ein Platz sauber bleibe, entscheide sich oft im Alltag: ob Müll im Papierkorb lande, ob Hundebesitzer Hinterlassenschaften beseitigten oder ob Sperrmüll korrekt angemeldet werde. „Viele Dinge entstehen schlicht dadurch, dass Menschen ihren Abfall nicht dort entsorgen, wo er hingehört“, so Kowol.

Trotz dieser Herausforderungen fällt die Gesamtbilanz positiv aus. Im Vergleich mit den Städten und Landkreisen, die an der Befragung teilgenommen haben, liegt Wiesbaden bei der wahrgenommenen Stadtsauberkeit im Mittelfeld. Für Kowol ist das Ergebnis auch ein Hinweis darauf, dass sich Investitionen in Reinigung und Infrastruktur auszahlen. Die Stadt stellt Personal, Fahrzeuge und Technik bereit, um Straßen, Plätze und Grünanlagen sauber zu halten. „Eine saubere Stadt kostet Geld“, sagte der Dezernent. „Aber sie ist ein wichtiger Teil der Lebensqualität.“

Symbolfoto ©2026 KI-generiert

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Alle Ergebnisse der Befragung finden Sie hier.

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