Systemrelevant: Das ist das Wort der Stunde. Der Wochen. Wahrscheinlich sogar des Jahres. Dahinter werden die  Fundamente unseres Alltags deutlich.

Gastbeitrag von Ines Mondon

Systemrelevant? Auch vor COVID-19 wurden Patienten auf den Bauch gedreht, weil ihre Lunge so schwer geschädigt war, dass es dieser Maßnahme bedurfte, um die Beatmung zu optimieren. Auch vor COVID-19 stellten wir uns jeden Tag großen Herausforderungen, mussten personelle Engpässe kompensieren, versorgten wir Patienten mit infektiösen Erkrankungen und mussten jeden Tag Erfahrungen sammeln und lernen, um stets auf dem neuesten Stand zu sein.

„Wir haben auch vor COVID-19 jeden Tag unser Bestes getan, für Menschen, die sich einer großen Operation unterziehen mussten oder einen Unfall oder eine schwere, lebensbedrohliche Erkrankung hatten.“ – Ines Modon

Jeden Tag und jede Nacht sind Pflegekräfte und Ärzte da, um sich um die Menschen zu kümmern, die sich in einem vital bedrohlichen Zustand befinden, oder intensivmedizinisch überwacht werden müssen. Am Sonntagmorgen wenn sich die meisten noch einmal in ihrem Bett umdrehen, an Heilig Abend, wenn die Familien zusammensitzen, an Ostern, Pfingsten und allen 365 Tagen im Jahr herrscht reger Betrieb auf einer Intensivstation, das war vor Corona so und wird auch immer so sein.

„Dieses gesteigerte Interesse und die hohe Wertschätzung, die wir derzeit erfahren, das alles tut gut, aber es stimmt auch ein bisschen traurig, dass es erst einer Pandemie bedarf, dass wahrgenommen wird, was wir leisten.“  – Ines Modon

Andererseits freuten und freuen wir uns natürlich sehr über die Anteilnahme aus der Bevölkerung, von Organisationen und Unterstützern. Ein „systemrelevanter Held“ zu sein, bringt aber auch Privilegien mit sich. Neben dem „Heldenmenü“ einer Fastfoodkette, Rabatte bei der Inanspruchnahme von Dienstleistungen oder beim Einkaufen, der Möglichkeit, um das Krankenhaus herum auch auf eingeschränkten Parkflächen sein Auto abstellen zu dürfen und vielen anderen Dingen gibt es auch eine große soziale Komponente, die man nicht vergessen darf. Für uns ist kein „Homeoffice“ möglich, aber dafür sehen wir auch jeden Tag unsere Kollegen, haben dadurch soziale Kontakte, welche weiten Teilen der Bevölkerung wochenlang verwehrt waren. Notbetreuung für Kinder und das gewohnte Arbeitsumfeld waren selbstverständlich für uns. Wir alle haben uns unseren Beruf selbst ausgesucht und es ist eine spannende und interessante Arbeit, die wir machen, eine Aufgabe, bei der stets der Mensch im Mittelpunkt steht, der unserer Behandlung und Pflege bedarf.

„Der Mensch steht bei us im Mittelpunkt.

Einen Heldenstatus brauchen wir nicht, wir wünschen uns nur, dass der Respekt und die Wertschätzung auch über die Coronakrise hinaus anhalten und nicht vergessen wird, wenn der Applaus von den Balkonen verstummt ist.

Intensivstation ©2020 Ines Modon

Foto: Intensivstation ©2020 Ines Modon

Es gab im April die Meldung, dass Mitarbeiter des Gesundheitswesens einen Bonus in Form einer zusätzlichen Zuwendung zum Gehalt bekommen, das hat verständlicherweise große Freude ausgelöst. Allerdings wurde schnell klar, dass diese Freude nicht angebracht war, weil das nur für Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen gilt. Eine Begründung von Seiten der Politik war, dass diese Menschen zum einen viel schlechter bezahlt werden und zum anderen aktuell so viel mehr leisten müssen, weil sie den Wegfall von Angehörigenkontakten kompensieren müssen. Es sei den Mitarbeitern der Pflegeeinrichtungen von Herzen gegönnt, sie haben unseren größten Respekt. Vielleicht kennen die Entscheider sich einfach nicht so gut mit der Arbeit im Krankenhaus aus? Letztendlich wird sich zeigen, wie viel von Anerkennung und Applaus übrig bleibt, aber dass wir auch weiterhin mit größtem Engagement unsere Arbeit tun, steht für uns fest. (Foto ©2020 Ines Mondon)

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Die offizielle Internetseite des Sankt Josefs Hospital finden sie unter www.joho.de

 

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