„Enteignung“, „Mietobergrenzen“, „WG-Zimmer ohne Tür“ sind Schlagworte aus Deutschland und Wiesbaden. Sie verdeutlichen die Wohnungsnot.

Frankfurt und Wiesbaden ist nicht zu vergleichen mit Hongkong, wo ein 10 Quadratmeter großer Wohnsarg mehr als 1000 Euro Miete kostet. Dennoch, in Wiesbaden ist es für viele immer schwerer, überhaupt eine Wohnung – eine bezahlbare Wohnung zu finden. Das Problem haben sich Wiesbadens OB-Kandidaten auf die Fahne geschrieben. Wiesbaden lebt! hat nachgefragt: Wie und wo könnten in der Stadt mehr „bezahlbare“ Wohnungen entstehen? Fünf der sieben OB-Kandidaten haben uns geantwortet. Sie haben die die Wohnungsnot erkannt ud wollen…

Christiane Hinninger, Wohnungsnot – wie und wo könnten in der Stadt mehr „bezahlbare“ Wohnungen entstehen?

Wir brauchen ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Dazu zählen verstärkter Neubau preisgünstiger, dauerhaft sozial gebundener Wohnungen, der Erwerb von Belegrechten und die Begrenzung von Mietsteigerung bei städtischen Wohnungen. Außerdem eine Grundstückspolitik mit Konzeptvergabe und Erbpacht, die Spekulation ausschließt, und eine langfristige Bodenvorratspolitik. Und wir brauchen deutlich mehr öffentliche Investitionen des Bundes in den Wohnungsbau. 

Christian Bachmann, wie und wo könnten in der Stadt mehr „bezahlbare“ Wohnungen entstehen?

Zuallererst brauchen wir für die gesamte Stadt die Mietpreisbremse. Dann muss über die städtischen Wohnbaugesellschaften nachverdichtet werden, um den ersten Druck abzufangen. Geplante Großflächenprojekte wie das Ostfeld werden keinen Wiesbadener in bezahlbaren Wohnraum bringen, sondern Bauträger und Investoren subventionieren. Schauen Sie doch mal den Hainweg in Nordenstadt an. Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, aber welcher Polizist oder welche Krankenschwester kann sich denn ein Reihenmittelhaus für 600.000,– € in der Standardausstattung leisten?

Hierdurch wird eine Nachfrage außerhalb der Stadt provoziert, die unsere Mieten und Preise steigen lässt. Die Marge machen andere, die Zeche zahlen die Wiesbadener.

Sebastian Rutten, Wohnungsnot – wie und wo könnten in der Stadt mehr „bezahlbare“ Wohnungen entstehen?

Mehr Wohnungen reduzieren den Preisdruck. Möglichkeiten, so zu bauen, dass günstig vermietet werden kann, sind zu nutzen. Hier passiert zum Glück derzeit an vielen Ecken endlich Positives, das darf man anerkennen. Konzeptvergaben sollten Vorrang vor dem höchsten Verkaufserlös haben. Erbpacht und die Förderung gemeinschaftlichen Bauens unterstütze ich. Statt Quoten und Kaltmietbremsen bin ich für eine Wohnkostenbremse, die auch Nebenkosten berücksichtigt. Für Wiesbaden konnte ich schon bewirken, dass die Grundsteuerreform aufkommensneutral wird. Das Ostfeld sehe ich als Chance für ein neues, modernes Stadtquartier. Aber auch die Nutzung von Konversionsflächen, Nachverdichtung und der Dachgeschossausbau müssen mitgedacht werden.

Gert-Uwe Mende, wie und wo könnten in der Stadt mehr „bezahlbare“ Wohnungen entstehen?

Die Schaffung von zusätzlichem bezahlbarem Wohnraum –  auch für die Mittelschicht –  ist für mich die zentrale Frage des sozialen Zusammenhalts. Die vereinbarten Quoten für den Neubau von Sozialwohnungen müssen durchgesetzt, besser noch erhöht werden. Der wichtigste Schlüssel für bezahlbares Wohnen ist, dass Grund und Boden von Stadt, Land und Bund nicht zu Maximalpreisen vermarktet werden, sondern Konzepte für bezahlbares Wohnen Vorrang haben.

Der Bedarf an Flächen für bezahlbares Wohnen ist so hoch, dass Wiesbaden viele Möglichkeiten nutzen muss. Das heißt: Wir brauchen Nachverdichtung und Entwicklungsflächen außerhalb der heutigen Bebauungsgrenze wie das Ostfeld. Das Ostfeld möchte ich im Hinblick auf den Klimaschutz als Prototyp für nachhaltiges Wohnen und Arbeiten entwickeln. Auch Konversionsflächen müssen wir nutzen, haben aber nur wenig Einfluss darauf, wann diese frei werden.

Eberhard Seidenstricker, wie und wo könnten in der Stadt mehr „bezahlbare“ Wohnungen entstehen?

Da sind zunächst einmal die noch zu entwickelnden Gebiete wie Ostfeld/Kalkofen und die Konversionsflächen der US-amerikanischen Armee. Darüber hinaus sollten wir gezielt Leerstände und ungenutzte Räume oder Flächen ins Visier nehmen. Weitere Möglichkeiten sind Nachverdichtungen und innovative Herangehensweisen wie die Kombination aus Supermärkten im Erdgeschoss und Wohnflächen in den Stockwerken darüber. Wir brauchen hier eine langfristige Strategie einerseits, aber auch kurzfristig bereitgestellten Wohnraum andererseits.

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Wiesbadens OB-Kandidaten im Einzelnen:

– Christiane Hinninger, Die Grünen, will Wiesbadens Kultur fördern
Christian Bachmann, Freie Wähler, ist keiner Partei verpflichtet
Sebastian Rutten, FDP, möchte Wiesbaden vitalisieren
Gert-Uwe Mende, SPD, steht für einen politischen Neuanfang
Eberhard Seidenstricker, CDU, legt den Finger in die Wunden
– Eckhard Müller, AfD, wir sind dran
– Ingo von Seemen, Linke, wir sind dran

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