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Doris und Joachim Zenke

„Teamwork“ seit 1961: Doris und Joachim Zemke feiern 65 Jahre Ehe

Doris und Joachim Zemke haben 65 Jahre Ehe miteinander verbracht. Kennengelernt auf einem Faschingsball, geprägt von Kriegserinnerungen, Familie und Reisen. Jetzt feiert das Wiesbadener Paar seine Eiserne Hochzeit – und im Mai noch einmal in der Kirche, wo ihre gemeinsame Geschichte begann.

Volker Watschounek 2 Monaten vor 0

Teamwork“, sagt Joachim Zemke. Seine Frau Doris nickt. Zuhören, Vertrauen, Toleranz – das seien die wichtigsten Zutaten einer Ehe.

Auf dem Wohnzimmertisch stehen Weingläser, daneben eine Schachtel Pralinen und eine Schale mit Plätzchen. Zwischen Blumen liegen Glückwunschkarten;: eine aus der hessischen Staatskanzlei, die andere aus dem Wiesbadener Rathaus. Ministerpräsident Boris Rhein und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende haben dem Paar zur Eisernen Hochzeit gratuliert. Kurz zuvor war Stadträtin Gaby Wolf vorbeigekommen und hatte dazu die persönlichen Grüße des Magistrats überbracht.

Doris und Joachim Zemke sitzen auf ihren beiden Sesseln und erzählen von ihrem Leben. 65 Jahre Ehe liegen hinter ihnen.

Die Eiserne Hochzeit der Zemkes in Wiesbaden fiel auf den 7. März. Größer feiern wollen sie allerdings erst im Mai. Dann gehen sie noch einmal in die Kirche. „Im Mai feiern wir noch einmal richtig“, sagt Joachim Zemke. „In der Johannesgemeinde.“

Ein Tanz beim Fasching

Die Geschichte der beiden begann Ende der fünfziger Jahre – auf einem Faschingsball in Frankfurt. Ein Onkel hatte Doris Steineke zu einer Veranstaltung des Vereins Deutscher Eisenbahningenieure mitgenommen. Gefeiert wurde im Kasino der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbahn. „Ja, und da wir haben getanzt“, erinnert sie sich.

Doris arbeitete damals als Diätassistentin im Rot-Kreuz-Krankenhaus in Frankfurt. Joachim Zemke studierte Elektrotechnik in Wuppertal und München und absolvierte Praktika bei der Deutschen Bahn in Frankfurt. Sie kamen ins Gespräch, trafen sich wieder. „Wir haben zwei Jahre lang viele Ausflüge miteinander gemacht“, erzählen beide. „So hat sich das entwickelt.“ 1959 verlobten sie sich. Zwei Jahre später heirateten sie. Frankfurt Griesheim wurde zum Lebensmittelpunkt. .

Hochzeit aus praktischen Gründen

Romantische Heiratsanträge mit Kniefall gehörten ende der 50er, Anfang der sechziger Jahre selten zum Alltag. Im aufstrebenden Deutschland waren Wohnungen knapp, die Wartelisten lang. Auch bei den Zemkes spielte das eine Rolle. Sie interessierten sich für eine Drei-Zimmer-Wohnung in Wiesbaden. Im Gespräch mit den Vermietern erfuhren sie dann von einer Vier-Zimmer-Wohnung – allerdings nur für ein verheiratetes Paar. „Ohne Trauschein ging das damals nicht“, erinnert sich Joachim Zemke.

Das Aufgebot war sogut wie bestellt – nur eben für Mai. Also entschieden sie sich, die standesamtliche Hochzeit vorzuziehen. Am 7. März 1961 standen sie im Frankfurter Römer vor dem Standesbeamten. Die Trauung war schlicht, wie viele damals: ein kurzer offizieller Akt, wenige Gäste, ein paar Fotos vor dem historischen Rathaus. Die kirchliche Hochzeit folgte zwei Monate später am 6. Mai 1961 in der evangelisch-lutherischen Dreikönigskirche.

Kindheit im Krieg

Die Lebensgeschichten der beiden beginnen weit entfernt von Frankfurt. Joachim Zemke wurde 1935 in Berlin geboren. Als die Bombenangriffe auf die Hauptstadt zunahmen, schickte man viele Kinder aufs Land. 1943 wurde er nach Bad Polzin in Pommern evakuiert. Nach Kriegsende musste die Familie fliehen. 1947 zog die Familie weiter nach Osnabrück. Später wurde sein Vater zur Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbahn nach Frankfurt versetzt.

Auch Doris Zemke, geborene Steineke, hatte ihre Kindheit in Pommern verbracht. Sie kam im kleinen Ort Glötzin zur Welt. „Ich bin in der Schule geboren“, erzählt sie. Im Schulhaus lag vorne der Klassenraum, dahinter die Lehrerwohnung – zugleich Arbeitsplatz und Zuhause der Familie. Als sich die Front näherte, floh die Familie im letzten Zug aus Bromberg. Die Mutter hatte sich kurz zuvor den Arm gebrochen. Schließlich erreichten sie Niedersachsen. Doris wuchs in der Wedemark bei Hannover auf, besuchte die Schule und begann später ihre Ausbildung. Die Erinnerungen an Krieg, Flucht und Hunger blieben und beide sind froh, dass sie 40 Jahre in Frieden leben durften.

Wiesbaden wird Heimat

Nach der Hochzeit begann ein neuer Abschnitt. Joachim Zemke arbeitete inzwischen im gehobenen Dienst als Ingenieur bei der Deutschen Bundesbahn. 1963 wechselte er zur Nachrichtenmeisterei nach Wiesbaden. Dort war er für Signal- und Fernmeldetechnik zuständig – ein Bereich, der für den sicheren Bahnverkehr entscheidend war. Mit der neuen Stelle zog die Familie nach Wiesbaden. 1965 wurde die erste Tochter geboren, ein Jahr später die zweite. Kurz darauf fand die Familie eine Wohnung.

Beruflich übernahm Zemke später größere Aufgaben. Er arbeitete an der Planung und Inbetriebnahme großer Stellwerke – unter anderem in Darmstadt, Mainz-Bischofsheim, Mainz und Wiesbaden. 1995 ging er als Bundesbahnoberamtsrat in den Ruhestand. Wiesbaden war da längst mehr als ein Arbeitsort geworden. Es war Heimat.

Engagement und Garten

Während ihr Mann bei der Bahn arbeitete, engagierte sich Doris in Kirche und Gemeinde. Die ausgebildete Diätassistentin gab Koch- und Ernährungskurse im Roncalli-Haus. Außerdem gehörte sie 24 Jahre lang dem Kirchenvorstand der Johannesgemeinde an, wo sie Seniorentreffen organisierte und bei Gemeindeveranstaltungen geholfen hat.

Kochen blieb für sie bis heute selbstverständlich. „Zu jedem Mittagessen gehört Salat oder Gemüse“, sagt sie. „Und fast jeden Tag gibt es Pellkartoffeln.“ Die sind viel gesünder als gekochte Kartoffeln oder Kartoffelstampf. Viele Jahre begleitete auch ein großer Garten das Familienleben. Die Zemkes bewirtschafteten 38 Jahr lang ein Grundstück der Eisenbahnlandwirtschaft. Dort spielten später auch die Enkelkinder, und Joachim Zemke hielt vieles in Bild und Video fest.

Unterwegs in der Welt

Als die Kinder größer wurden, begann ein neues Kapitel: das Reisen. Mehr als zwanzig Länder besuchten die Zemkes. Frankreich, Portugal, Italien, Skandinavien – später auch die USA und China. Viele Reisen unternahmen sie mit Freunden aus dem Verein Deutscher Eisenbahningenieure. Besonders beeindruckte sie eine Reise zum Nordkap. Dort sahen sie Polarlichter, warteten sie auf die Mitternachtssonne. „Die Sonne ging unter und war sofort wieder da“, sagt Joachim Zemke.

Fotografieren war schon früh sein Hobby gewesen. Erst hielt er viele in Dias fest, später dann in Fotoalben. Joachim filmte Reisen und Familienfeste, – und digitalisiert jetzt Fotos, Filme und Schallplatten am Computer. Ein Archiv eines gemeinsamen Lebens.

Das Geheimnis der langen Ehe

Was hält eine Ehe 65 Jahre zusammen? Die Antwort kam ohne Zögern. „Teamwork“, sagt Joachim Zemke. Doris Zemke nickt. Für sie gehören noch ein paar Dinge dazu: „Man muss zuhören, tolerant sein und Vertrauen haben.“

Große Geheimnisse gebe es nicht. Das gemeinsame Leben bestehe aus vielen kleinen Absprachen, aus Geduld und aus Kompromissen. Heute sind beide 90 Jahre alt. Der Alltag ist ruhiger geworden, funktioniert aber noch immer als Gemeinschaftsprojekt. Er fährt kurze Strecken mit dem Auto. Sie kümmert sich um Küche und Haushalt. „Wir ergänzen uns“, sagt er.

Auf dem Tisch stehen noch immer die Weingläser. Joachim Zemke hebt sein Glas, Doris Zemke tut es ihm gleich. Ein kleiner Moment – zwischen Glückwunschkarten und Blumen. Sie stoßen an. Auf 65 Jahre Ehe. Und auf die nächste Feier im Mai.

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