Extremistische Gruppen rücken zusammen. Ihr gemeinsames Feindbild: Israel. Experten warnen vor wachsendem Antisemitismus und fordern Haltung.
Wer genauer hinschaut, erkennt Muster. Wer die neue Studie des Hessischen Landesamts für Verfassungsschutz liest, erkennt mehr: Verbindungen. Unter dem Titel „Auf der Straße gegen den gemeinsamen Feind“ zeichnet sie nach, wie sich unterschiedliche extremistische Milieus annähern – und dabei ein gemeinsames Feindbild kultivieren: Israel.
Wenn Grenzen verschwimmen
Die Analyse beschreibt kein loses Nebeneinander, sondern ein gezieltes Zusammenwirken. Linksextreme Gruppen, islamistische Akteure und pro-palästinensische Initiativen treten häufiger gemeinsam auf, teilen Parolen, verstärken Inhalte. Sie marschieren nicht immer im Gleichschritt – aber auffällig oft in dieselbe Richtung.
Der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker sieht darin eine klare Entwicklung: Israelbezogener Antisemitismus habe sich zur dominierenden Erscheinungsform des Judenhasses in Deutschland entwickelt. Er bedrohe jüdisches Leben – nicht abstrakt, sondern konkret im Alltag, auf Demonstrationen, in sozialen Netzwerken und zunehmend auch in kulturellen Kontexten.
Der Umweg über Israel
Die Studie zeigt auch, wie sich Sprache verschiebt. Antisemitische Botschaften treten selten offen auf, sie wählen Umwege. Kritik an israelischer Politik dient dabei als Vehikel – nicht immer, aber oft gezielt. Begriffe wie Antizionismus werden genutzt, um alte Feindbilder in neue Gewänder zu kleiden.
Gruppen und Initiativen, die sich selbst als politisch oder aktivistisch verstehen, verbreiten solche Narrative. Einige glorifizieren Gewalt, andere relativieren sie. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Grenzen verschieben – und damit Diskurse prägen.
Gesellschaft unter Zugzwang
Die Autoren der Studie liefern keine einfachen Lösungen, aber sie fordern Klarheit. Wer Antisemitismus bekämpfen will, muss ihn erkennen – auch dann, wenn er sich hinter politischen Parolen verbirgt. Becker fordert deshalb mehr Haltung, gerade in Bereichen wie Kunst, Wissenschaft und Kultur, wo Debatten oft bewusst zugespitzt werden.
Die Studie versteht sich als Werkzeug. Sie will sichtbar machen, was lange diffus wirkte. Und sie erinnert daran, dass Demokratie nicht nur von Regeln lebt – sondern von der Bereitschaft, sie zu verteidigen.
Foto ©2026 Land Hessen
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