Antisemitismus verändert sich sichtbar. Ein breites Bündnis sucht neue Antworten und will Zusammenarbeit verbindlicher gestalten.
Vertreter aus jüdischen Gemeinden und Verbänden, aus Zivilgesellschaft und staatlichen Stellen sowie aus Kirchen, Gewerkschaften, Bildung, Kultur und Sport kamen ebenso zusammen wie Akteure aus Sicherheits- und Rettungsdiensten. Ziel des Treffens war es, den begonnenen Austausch fortzuführen, die gewachsene Vernetzung zu festigen und konkrete nächste Schritte zu vereinbaren. Bereits im einführenden Impuls wurde deutlich, dass sich die Lage seit dem ersten Treffen weiter zugespitzt hat. Antisemitische Einstellungen zeigen sich nicht nur in offenen Anfeindungen, sondern zunehmend auch in neuen Erscheinungsformen. Insbesondere unter dem gerade von linksextremistischen Gruppen gebrauchten Begriff des Antizionismus werden antisemitische Narrative transportiert und verbreitet. Zugleich ist eine besorgniserregende Rückkehr klassischer antisemitischer Stereotype zu beobachten, die sich in aktuellen öffentlichen Debatten verbreiten, dort zu normalisieren scheinen und in verschwörungsideologische Narrative übergehen.
„Wir erleben eine neue Dynamik des Antisemitismus, die sich nicht nur in Straftaten ausdrückt, sondern tief in unsere Gesellschaft hineinwirkt. Wer heute Antisemitismus bekämpfen will, muss auch dort handeln, wo er sich unterhalb der Strafbarkeitsgrenzen zeigt: in Sprache, Bildern und vermeintlich legitimer Kritik“, erklärte Becker.
Zusammenarbeit wird weiter vertieft
Im Mittelpunkt des Treffens stand daher nicht nur der Austausch über bisherige Entwicklungen, sondern vor allem die Frage, wie die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Bereichen verbindlicher und wirksamer gestaltet werden kann. Die Teilnehmenden berichteten über Fortschritte seit dem Auftakt im November 2025. Gleichzeitig wurde deutlich, dass bestehende Maßnahmen auf den Prüfstand gestellt werden müssen. Zugleich wurde intensiv darüber beraten, wie auf antisemitische Vorfälle reagiert werden kann, die unterhalb der strafrechtlichen Relevanz liegen und dennoch das gesellschaftliche Klima prägen.
Antisemitismus verändert sich und damit müssen sich auch Präventionsansätze, Bildungsformate und Kommunikationsstrategien weiterentwickeln und es bedarf Maßnahmen, die stärker in die Strukturen der jeweiligen Institutionen hineinwirken. „Wir dürfen uns nicht auf bestehenden Konzepten ausruhen. Die Zielgruppen, die Kommunikationsräume und die Erscheinungsformen des Antisemitismus haben sich verändert. Darauf müssen wir reagieren und auch unsere eigenen Ansätze kritisch hinterfragen. Aber Antisemitismusprävention muss nicht nur nach außen sichtbar sein, sondern auch innerhalb von Organisationen verbindlich verankert werden“, so Becker.
Im Anschluss an die Sitzung nahm die Vereinigung der Hessischen Unternehmerverbände (VhU) die Arbeitsdefinition Antisemitismus der International Holocaust Remembrance Alliance offiziell an. Damit setzt sie ein sichtbares Zeichen für Verantwortung und klare Orientierung im Umgang mit Antisemitismus. „Die IHRA Definition ist ein wichtiges Instrument, um Antisemitismus in seinen unterschiedlichen Ausprägungen zu erkennen und zu benennen. Wer sie übernimmt, übernimmt auch Verantwortung“, betonte Becker.
Gemeinsames Handeln bleibt entscheidend
Abschließend unterstrich Becker die Bedeutung des Runden Tisches: „Antisemitismus bekämpfen wir nur gemeinsam und im engen Schulterschluss mit der jüdischen Gemeinschaft. Dafür braucht es mehr Verbindlichkeit, klare Kooperation und die Bereitschaft, Probleme offen anzusprechen und konsequent zu handeln. Wir müssen offensiver werden, in Haltung, Sprache und Solidarität. Antisemitismus ist kein Randphänomen. Deshalb gilt, überall entschlossen handeln.“
Symbolfoto – Vertreter aus Politik, Gesellschaft und jüdischen Gemeinden beraten gemeinsam über neue Strategien gegen Antisemitismus und wollen die Zusammenarbeit deutlich vertiefen. ©2026 KI-generiert
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