Maifestspiele: Wagner draußen, Giraffen auf der Straße, Oper zum Mitsingen – und plötzlich gehört Kultur allen.
Die Internationale Maifestspiele Wiesbaden gehen in ihre 130. Ausgabe – und eröffnen nicht im Stillen, sondern mit Pauken, Trompeten und einem Liebestod. Genauer: mit Tristan und Isolde. Und das gleich doppelt – im Saal und unter freiem Himmel.
Oper für alle – und zwar wirklich
Wer glaubt, Oper sei nur etwas für Abendgarderobe und rote Samtsessel, wird am 1. Mai eines Besseren belehrt. Das Hessisches Staatstheater Wiesbaden schickt Wagners Opus Magnum nach draußen – auf den Warmen Damm. Kostenlos. Ohne Dresscode. Dafür mit Picknickdecke.
Während im Großen Haus die Premiere läuft, flimmert dieselbe Inszenierung als Open-Air-Live-Übertragung über die Leinwand. Die Botschaft ist klar: Die Maifestspiele wollen raus aus dem Elfenbeinturm – und rein ins Leben.
Zwischen Liebestod und Liegestuhl
Schon ab dem Nachmittag pulsiert das Gelände. Reden eröffnen, Stimmen begrüßen, Erwartungen steigen. Dann übernimmt Wagner. Regisseur Tiago Rodrigues inszeniert die berühmteste Oper der Sehnsucht – und bringt europäische Theaterkunst nach Wiesbaden.
Wer sich fragt, worum es bei Tristan und Isolde eigentlich geht, bekommt die Antwort gleich mitgeliefert: Wagner-Experten erklären, erzählen, diskutieren. Lebendige Lexika auf zwei Beinen – ansprechbar, neugierig, mitten im Publikum.
Tag zwei: Wenn Giraffen durch Wiesbaden ziehen
Am Samstag wechseln die Internationale Maifestspiele Wiesbaden mühelos den Ton – von Hochkultur zu Straßenkunst, von Oper zu Origami. Kinder bemalen Gesichter, falten Papierwesen, probieren Instrumente aus aller Welt. Erwachsene tanzen, schauen, staunen – oder singen gleich selbst mit beim offenen Opernchor. Das Format „Oper zum Mitsingen“ macht Schluss mit falscher Scheu.
Und dann, am Abend: ein Spektakel, das sich nicht übersehen lässt. Riesige Giraffen-Marionetten schreiten durch die Innenstadt. Angeführt von Musik, begleitet von Neugier, getragen von der Lust am Staunen. Wiesbaden wird zur Bühne – und die Stadt spielt mit.
Finale mit Klang und Kino
Wer nach so viel Bewegung noch Energie hat, zieht weiter ins Theater. Dort beschließt ein Konzertabend mit Schauspieler und Musiker Christian Friedel den zweiten Tag – laut, atmosphärisch, ein wenig cineastisch. Die Maifestspiele zeigen damit gleich zu Beginn, was sie können: Grenzen verschieben, Genres mischen, Menschen zusammenbringen.
Foto – Kurpark Wiesbaden ©Volker Watschounek
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