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Premierenabend im Hessischen Staatstheater

Schauspiel deckt dunkle Dorfgeheimnisse auf

Im Staatstheater Wiesbaden feiert ein eindringliches Schauspiel am 17. April Erstaufführung: Ein Dorf klammert sich an seine Idylle, während ein See verschwindet. Als Leichen auftauchen, kippt die Stimmung. Regie und Text zeigen, wie Verdrängung funktioniert – und wann sie zerbricht.

Volker Watschounek 1 Monat vor 0

Im Staatstheater Wiesbaden hebt sich der Vorhang für eine Erstaufführung, die Idylle zerlegt und eine Gesellschaft beim Wegsehen ertappt.

Das Idyll wirkt zunächst makellos. Gäste liegen am Ufer, das Licht glitzert, Gespräche plätschern. Doch der Wasserstand sinkt – und mit ihm die Gewissheit. Mit der deutschen Erstaufführung von „Über die Notwendigkeit, dass ein See verschwindet“ bringt das Staatstheater Wiesbaden am 17. April ein Schauspiel auf die Bühne, das sich langsam, aber unerbittlich unter die Oberfläche gräbt

Staatstheater Wiesbaden, kurz gefasst

Schauspiel Über die Notwendigkeit, dass ein See verschwindet
Eintritt: frei
Wann: Freitag, 17. April 2026, 19:00 Uhr
Wo: Hessisches Staatstheater Wiesbaden, Christian-Zais-Straße 3, 65189 Wiesbaden

Regisseurin Theresa Thomasberger setzt auf Bewegung. Eine rotierende Drehbühne zeigt ein Wetterhaus, das sich dreht wie die Stimmung im Dorf. Während draußen die Temperaturen steigen, kippen drinnen die Verhältnisse. Die Menschen halten an ihrer Fassade fest. Sie lächeln, verdrängen, schweigen.

Eine Recherche, die alles ins Rutschen bringt

Im Zentrum steht Ava, eine Journalistin, die genauer hinschaut. Sie reist an, beobachtet, fragt nach. Und sie stört. Ihre Recherche bringt Unruhe in eine Gemeinschaft, die ihre Ruhe verteidigt. Als der See weiter schrumpft, tauchen am Grund Leichen auf. Kurz darauf verschwindet eine junge Frau.

Anna Neata erzählt diese Geschichte nicht linear. Sie setzt auf Lücken, auf Rhythmus, auf Sprache, die Wellen schlägt. So entsteht ein Sog, der das Publikum hineinzieht – und nicht mehr loslässt.

Theater als Seismograf der Gegenwart

Thomasberger inszeniert das Stück als präzise Studie über Verdrängung. Sie zeigt, wie Gewalt unter der Oberfläche wirkt. Wie sie Strukturen prägt. Und wie sie sichtbar wird, wenn niemand mehr wegsehen kann. Der Sound von Oskar Mayböck verstärkt diese Bewegung. Er trägt die Szenen vom Alpenglühen bis zum Schrecken. Er baut Spannung auf, lässt sie kippen, hält sie aus.

Das Ergebnis: ein Abend, der nicht beruhigt. Sondern Fragen stellt.

Foto – Premierenabend im Hessischen Staatstheater ©2026 Sven Helge Czichy

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Erstveröffentlichung: 13.04.2026
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