350000 Euro jeden tag. 53 Millionen Euro in den vergangenen 18 Monaten. 190 Millionen Euro bis Ende März 2021. Der wirtschaftliche Schaden kennt wenig Grenzen.

Nach dem Kollaps der Salzbachtalbrücke im Juni hatten sich die Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern Wiesbaden und Rheinhessen zum Brückenschlag der Wirtschaft zusammengeschlossen und eine Resolution zur Mobilität in der Region verabschiedet. Seitdem stehen die Kammern zu den Entwicklungen rundum die Brücke im Austausch.

„Die Brückensprengung war ein wichtiger Zwischenschritt zum Neubau, doch weiterhin müssen unsere Mitglieder Tag für die Tag die Versäumnisse der Verkehrsplanung ausbaden. Täglich geht wertvolle Zeit in Staus und auf Umleitungsstrecken verloren. Um uns ein genaueres Bild vom wirtschaftlichen Schaden machen zu können, habenwir nachgerechnet.“ – Dr. Christian Gastl, Präsident der IHK Wiesbaden

Jeder Tag des Ausfalls der Salzbachtalbrücke schlägt mit mindestens 350000 Euro zu Buche. Seit Beginn der Vollsperrung am 18. Juni 2021 bis heute summieren sich die Kosten (bezogen auf die Werktage) somit bereits auf über 52 Millionen Euro. Die tatsächlichen Kosten dürften weit höher liegen. Denn die Berechnungen beziehen sich nur auf die rund 80000Fahrzeuge, die die Brücke laut Straßenverkehrszählung der Bundesanstalt für Straßenwesen täglich passiert haben. 

„Unsere Berechnungen bilden den absoluten Mindestbetrag ab, den uns der Brückenschaden jeden Tag kostet. Obwohl die Rechnung als sehr konservativ anzusehen ist, macht sie doch deutlich, um welche Kostendimensionen es sich handelt und welcher Schaden insbesondere der Wirtschaft entsteht.“ – Dr. Christian Gastl, Präsident der IHK Wiesbaden

Die Sperrung der Brücke wirkt sich jedoch auf eine deutlich größere Anzahl an Pendlern – nicht zuletzt durchden Ausfall des Hauptbahnhofs – aus, die sich jedoch nicht seriös beziffern lässt. Auch individuelle Umsatzeinbußenund der Verlust an Produktivität bei den Unternehmen, zusätzliche Belastungen von Verkehrsinfrastrukturen, Umwelt- und Gesundheitskosten sind nicht in die Berechnung eingeflossen.

Marode Infrastruktur verschärft die Gesamtsituation

Stefan Füll, Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden, macht die Problemstellung deutlich: Gerade auch das kleinbetriebliche Handwerk sei auf eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur zwingend angewiesen. Bei allen Überlegungen zu modernen Mobilitätskonzepten und dem Ausbau des ÖPNV dürfe die Bedeutung der Straßen für den Gewerbeverkehr nicht aus dem Blickfeld geraten. Der Ausfall der Salzbachtalbrücke führe das gerade allen deutlich vor Augen.

„Der Schaden trifft die Wirtschaft auf beiden Rheinseiten – und wird letztlich zum Standortnachteil fürdie gesamte Rhein-Main-Region. Wenn Pendler auf dem Weg zur Arbeit so viel Zeit und Nervenverlieren, verliert damit auch die Region im Wettbewerb um Fachkräfte. Bestes Beispiel dafür ist auch dieDauerbaustelle am Autobahnkreuz Mainz-Süd.“ – Peter Hähner, Präsident der IHK Rheinhessen

In Anbetracht des dramatischen wirtschaftlichen Schadens, den jeder Tag der Brückensperrung mit sich bringt, erneuern die Präsidenten der Wirtschaftskammern der beiden Landeshauptstädte Mainz und Wiesbaden ihre bereits im Sommer in der Resolution Brückenschlag der Wirtschaft formulierten Forderungen an die Politik: Die Zeiten sind herausfordernd. Die Pandemie hat uns noch immer im Griff, dazu kommen Preisexplosionen bei Energie und Rohstoffen und der sich erneut zuspitzende Fachkräftemangel. Die marode Verkehrsinfrastruktur verschärft die schwierige Lage zusätzlich. Das hättedurch vorausschauende Planung vermieden werden können. Weiterhin gilt, jetzt muss schnell gehandeltwerden! Lösungen für unsere Mobilitätsprobleme kann es nicht im Alleingang geben. Wir brauchen einegrenzüberschreitende Zusammenarbeit der Politik. Nur gemeinsam kommen wir in unserer vernetztenRegion ans Ziel. Deshalb muss die Politik jetzt aktiv werden und das Thema regionale Mobilität zur Chef-sache in allen Rathäusern und Parlamenten machen, so die Präsidenten der Industrie- undHandelskammern sowie der Handwerkskammern aus Mainz und Wiesbaden.

„Für unseren Kunden werden chemische Produkte aus dem Raum Lahnstein nach Frankfurt am Maintransportiert. Nur für dieses eine Geschäft entsteht uns durch einen längeren Transportweg bereits einmonatlicher Umsatzverlust in Höhe von 18000 Euro. Die zusätzlichen Kosten beziffern wir hier monatlich mit knapp 5000 Euro.“ – Mathias Zahn, Geschäftsführer Spedition Zahn

Die Spedition Zahn GbR aus Mainz-Kastel ist ein Logistikunternehmen, welches unter anderem Transportefür Unternehmen aus den Branchen Chemie, Pharma und vielen anderen Branchen übernimmt. Der Geschäftsführer und Inhaber Mathias Zahn beklagt durch die Sperrung und nun den Wegfall der Brückeverlängerte Liefer- und Arbeitszeiten und dadurch zusätzliche Kosten. In Summe aller Transporte entstehtder Spedition ein wirtschaftlicher Schaden mit mehreren zehntausenden Euro pro Monat.

Bild oben ©2021 Autobahn GmbH

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Offizielle Informationen zur Salzbachtalbrücke finden Sie auf der Internetseite der Auotobahn GmbH.

 

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