“Jaffa … Jaffantastisch“ oder „The fuel behind our boys“ sind Werbebotschaften im Zeichen einer Frucht: Kunst!

Gesellschaft wird in Nadia Perlovs Video Lost PARDESS – Maybe Paradise in neue Kontexte eingeführt und setzt sich damit auf abstrakte Weise mit der jüngeren Geschichte des israelischpalästinensischen Gebiets auseinander.

Nassauischer Kunst Verein (NKV), kurz gefasst

Ausstellung – „Lost PARDESS – Maybe Paradise“
Wann: ab Freitag, 19. Januar
Wo: Nassauischer Kunstverein, Wilhelmstraße 15, 65185 Wiesbaden (Karte / Navigation)
Eintritt: frei

Öffnungszeiten: dienstags 14:00 – 20:00 Uhr, mittwochs bis freitags 14:00 – 18:00 Uhr, samstags und sonntags 11:00 – 18:00 Uhr, montags geschlossen

Durch den Einsatz von Versatzstücken aus historischen Kulturproduktionen entsteht eine visuelle und musikalische Collage, die kulturelle Gegebenheiten hinterfragt, indem sie mit den ihnen zugrunde liegenden Konzepten experimentiert.

Orange, Symbol des Nationalstolzes

Die Orange ist Symbol für den israelischen Nationalstolz, steht jedoch gleichzeitig für Zerstörung, Schmerz und Leid, resultierend aus der israelisch-palästinensischen Geschichte. Die besonderen Eigenschaften der Zitrusfrucht werden durch die Künstlerin angepriesen. Dabei wirkt sie wie die Protagonistin einer absurden Werbesendung. Nadia Perlov bedient sich an Zitaten aus israelischen Werbeslogans, Kinderbüchern, Popsongs und Theatershows, die sich mit dem Thema der israelischen Orange beschäftigen.

Die Verbindung der Orange

Bereits der Titel Lost PARDESS – Maybe Paradise verweist auf die Ambivalenz der Symbolik der Orange. „Pardess“ bedeutet im Persischen, Arabischen und Hebräischen „Orangengarten“ – der verlorene Orangengarten des Titels birgt aber gleichzeitige auch die Möglichkeit eines Paradieses. Das Bild des „Goldenen Apfels“ Israels findet seinen Anfang zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der britischen Kolonie Palästina, in der arabische und jüdische Menschen als Nachbarn und Geschäftspartner zusammen lebten und arbeiteten.

Modernität und Qualität

Beide Gemeinden kooperierten in den Orangenfeldern der Hafenstadt Jaffa, heute Tel-Aviv-Jaffa. Vermutlich war dies ein Ergebnis der britischen Vision, dass es unter ihrer Verwaltung ein gemeinschaftliches Leben geben würde. Die Vorstellung der Kolonialherren einer gesellschaftlichen Kooperation fand seinen symbolischen Ausdruck in der Frucht der Orange, die als Zeichen für Modernität und Qualität nach Europa gebracht werden sollte.

Nach der Proklamation des Staates Israel im Jahre 1948 geriet diese kollektive Erinnerung an Gemeinschaft und Gleichheit in Vergessenheit. Der neue israelische Staat übernahm die Orangenfelder, um die Produktion der Jaffa-Orangen neu zu definieren und als israelische Marke zu entwickeln.

Über Nadia Perlov

Die Künstlerin, geboren 1990 in Tel Aviv, studierte nach einer Ausbildung zur Tänzerin in Tel Aviv und Rotterdam bis 2015 an der Bezalel Academy for Arts and Design in Jerusalem und bis 2017 an der Städelschule Frankfurt am Main in der Klasse von Judith Hopf.

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