Dei Verfilmung von „Mutters Courage“ ist der wagemutige, aber politisch vertretbaren Versuch, auf die Undarstellbarkeit des Holocaust tragik-komisch zu reagieren.

Die Leidensgeschichte des jüdischen Volkes ist bei Tabori ein Motiv, das zyklisch immer wieder in seinem Werk auftaucht, aber es hat in „Mutters Courage“ sicherlich seinen persönlichsten Ausdruck gefunden. Tabori erzählt die Geschichte der Deportierung seiner Mutter von Budapest nach Auschwitz und die Geschichte ihrer Rettung, einer Rettung druch das, was Tabori ihre „Courage“ nennt.

Stadtmuseum am Markt – kurz gefasst

Filmvorführung Mutters Courage
Wann: Donnerstag, 27. September 2018, 20:00 Uhr
Wo: Caligari Film-Bühne, Marktplatz 2, 65183 Wiesbaden (Karte / Navigation)
Eintritt: 5,00 Euro, ermäßigt 3,00  Euro

Die Verfilmung von George Taboris Erzählung „Mutters Courage“ läuft im Rahmenprogramm zur Ausstellung „Industrie und Holocaust: Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz  im sam – Stadtmuseum am Markt. Vor der Vorführung des Films gibt es Gelegenheit, um 18.30 Uhr an einer Führung im sam teilzunehmen.

Verantwortlichkeiten, Handlungsspielräumen und Motiven

Die aktuelle Sonderausstellung im Stadtmuseum thematisiert die Rolle der Privatwirtschaft während des Holocaust. Sie wirft Fragen nach Verantwortlichkeiten, Handlungsspielräumen und Motiven der Beteiligten auf. Die Herangehensweise erfolgt über firmeneigene Dokumente, die den Arbeitsalltag der Firma Topf & Söhne wiedergeben und vor allem die Kooperation mit der SS aufzeigen. Deutlich wird, wie wichtig das Unternehmen für die SS war: Topf & Söhne ermöglichte den reibungslosen Ablauf in der ungeheuerlichen Praxis der Massenvernichtung menschlichen Lebens im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und anderen Konzentrationslagern.

Besetzten Budapest

Das Unternehmen Topf & Söhne spielt auch eine Rolle in Michael Verhoevens Film „Mutters Courage“. Verhoeven schrieb eine lange Sequenz in das Drehbuch. Der mehrfach prämierte Film ist eine bittere Groteske, die den ironischen Ton von George Tabori trifft, der selbst als Kommentator der Handlung auftritt. Erzählt wird die Geschichte seiner Mutter: Elsa Tabori lebt 1944 im von den Nazis besetzten Budapest. Auf dem Weg zu ihrer Schwester wird sie von Geheimpolizisten verhaftet und in einen Zug gepfercht, der sie mit 4000 weiteren Juden in ein Vernichtungslager transportieren soll. Während die Gefangenen an der Grenze auf den Anschlusszug warten, trifft Elsa den Wissenschaftler Kelemen. Entsetzt über ihre Anwesenheit drängt dieser die betagte Frau sich selbst zu retten. Daraufhin nimmt Elsa all ihren Mut zusammen und verwickelt den verantwortlichen SS-Offizier in ein Gespräch.

Deutschen Filmpreis in Silber

Der Film entstand 1994 als britisch-österreichische Koproduktion und wurde 1995 uraufgeführt. Ein Jahr darauf gewann der Film den Deutschen Filmpreis in Silber. Ausgezeichnet wurde er auch mit dem Bayerischen Filmpreis für die beste Produktion und die beste Kameraführung. „Mutters Courage“ wurde in diesem Jahr digital restauriert und läuft in dieser Fassung als Premiere in der Caligari Filmbühne.

Informationen zur Ausstellung im Stadtmuseum: www.wiesbaden.de/sam. Kartenvorverkauf im Stadtmuseum, Caligari und in der Tourist Info. Preise: Kombikarte für Führung und Film 9 Euro; nur Führung 5 Euro, ermäßigt 3 Euro; nur Film 7 Euro, ermäßigt 6 Euro.

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