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Alkoholmissbrauch in Hessen, Alkoholmissbrauch in Wiesbaden.

Alkohol in Hessen: Positive Trends – und Wiesbaden mittendrin

Volker Watschounek 2 Monaten vor 0

Hessen steht beim Alkoholmissbrauch gut da, aber nicht überall. Wiesbaden rückt wegen erhöhter Diagnosezahlen mit in den Focus.

Wenn es um Alkoholmissbrauch geht, steht Hessen besser da als große Teile der Republik. Die Menschen im Land suchen seltener ärztliche Hilfe wegen problematischen Konsums als der bundesdeutsche Durchschnitt. Das klingt beruhigend, wirkt zunächst wie eine stille Erfolgsmeldung zum Jahresanfang. Doch wer genauer hinschaut, erkennt Brüche. Ausgerechnet Wiesbaden, das sich gern als lebensfrohe, gesundheitsbewusste Landeshauptstadt präsentiert, meldet mit 12,68 Diagnosen je 1.000 Einwohner einen Wert, der klar über dem hessischen Schnitt liegt.

Der BARMER Morbiditäts- und Sozialatlas liefert die Zahlen zum Jahr 2023. Hessen kommt auf 10,6 Diagnosen je 1.000 Personen – 14 Prozent weniger als der Bundeswert. Damit reiht sich das Land direkt hinter Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg ein, die die niedrigsten Raten aufweisen. Gesundheitspolitiker loben die Entwicklung, Suchtberater bleiben vorsichtig. „Diagnosen zeigen nicht den Konsum, sondern nur seine Folgen“, betont BARMER-Landeschef Martin Till. Sein Rat: „Dry January, Fastenzeit, alkoholfreie Phasen – all das wirkt.“

Wiesbaden zwischen Lifestyle und Leichtsinn

In Wiesbaden zeigt sich ein ambivalentes Bild. Die Stadt liegt zwar weit entfernt von den extremen Werten Nordhessens, doch mit 12,68 Diagnosen je 1.000 Einwohner rückt sie in ein Mittelfeld, in dem die Risiken greifbarer werden. Suchtfachkräfte berichten seit Jahren, dass urbane Regionen stärker schwanken: mehr Veranstaltungen, mehr Gastronomie, mehr Verfügbarkeit, mehr soziale Anlässe. Wiesbaden bildet da keine Ausnahme – vor allem in den Wintermonaten, wenn Weihnachtsmärkte, Firmenfeiern und kulturelle Höhepunkte dicht an dicht stehen – aber auch im Sommer, wenn die Rheingauer Weinwoche ihre Tore öffnet.

Die Zahlen offenbaren zudem bekannte Muster: Männer weisen mit 14,7 Diagnosen je 1.000 deutlich höhere Werte auf als Frauen. In der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen kulminieren jahrzehntelange Trinkgewohnheiten zu einem statistischen Gipfel. Auch Wiesbaden folgt dieser Kurve – ein Trend, der die Gesundheitsämter zunehmend beschäftigt.

Nordhessen bleibt ein Hotspot – besonders für Jüngere

Während Wiesbaden moderate Überdurchschnittlichkeit zeigt, sieht die Lage in Kassel und im Werra-Meißner-Kreis drastischer aus. Kassel meldet 14,71 Diagnosen je 1.000 Personen – 39 Prozent über dem Landesschnitt. Der Werra-Meißner-Kreis überholt sogar alle anderen Regionen Hessens mit 16,54 Diagnosen je 1.000. Besonders brisant: Junge Erwachsene zwischen 18 und 39 Jahren liegen dort fast doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

Till spricht von „dringender Aufklärungsarbeit“ und betont, dass Prävention jede Altersgruppe erreichen müsse – gerade jene, die sich für unverwundbar hält.

Begleiterkrankungen: Die stille Eskalation

44 Prozent der Betroffenen entwickelten parallel Depressionen, genauso viele litten unter Bluthochdruck. Ein knappes Viertel kämpfte bereits mit einer Lebererkrankung. Die Zusammenhänge wirken wie eine Spirale: körperliche Schäden verstärken psychische Belastungen, die wiederum riskanten Konsum befeuern. „Alkoholsucht ist keine Charakterschwäche“, sagt Till. „Sie ist eine chronische Erkrankung.“

Hausärzte bleiben dabei die erste Anlaufstelle. In Wiesbaden beobachten sie seit Jahren, dass Patientinnen und Patienten früher nach Unterstützung fragen – ein Trend, der Hoffnung macht. Für Wiesbaden ergibt sich aus den Daten kein Alarmzustand, aber ein klarer Auftrag: Prävention stärken, Zugänge verbessern, Angebote sichtbarer machen.

Foto – Alkoholmissbrauch in Hessen, Alkoholmissbrauch in Wiesbaden. ©2025 KI-generiert / Wiesbaden lebt

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