Nicht nur dort, wo die Meenzer Fassenacht gefeiert wird, sondern auch in Wiesbaden oder Köln begleitet der Narrhalla-Marsch Einmarsch der Vereine und Büttenredner.

Nein, wir haben am Morgen keinen Sekt getrunken und sie müssen sich auch nicht die Augen reiben. Pünktlich zum Start der närrischen Zeit spielt das Glockenspiel der Marktkirche um 11:11 Uhr und 11 Sekunden den Narrhalla-Marsch. Also Uhren stellen, Handy parat halten und Video starten. Alle, die Ihr auf Facebook postet und mit der Seite von Wiesbaden lebt! verlinkt werden wir verlinken.
Tatsächlich stammt das närrische Leitmotiv aus einer Oper von
Adolphe Charles Adam (1803 – 1856). Obzwar er heute in unzähligen Kappensitzungen den Einzug der Narren begleitet, ist der eifrige Franzose, aus dessen Feder der Marsch stammt, beinahe so vergessen wie seine Oper Der Brauer von Preston.

Glück für alle Karnevalisten

Dem österreichischen Regimentskapellmeister namens Carl Zulehner (1770-1841) ist es zu verdanken, dass der Marsch an Popularität gewonnen hat. Als Zulehner in Mainz stationiert war, gefiel ihm die Oper des Franzosen so gut, dass er sie musikalisch filetierte und daraus ein neues Stück zusammentackerte. Er nannte das Musikstück, seiner neuen Bestimmung nach, Jocus-Marsch – und weil er eines der Gründungsmitglieder des 1840 gegründeten Mainzer Carneval-Vereins (MCV) gewesen sein soll, führte er ihn im selben Jahr erstmals bei einer Sitzung seiner Bestimmung zu. Seinen Triumph erfuhr das Opernderivat allerdings erst unter dem Namen Narrhalla-Marsch. Womit die Narren auch gleich noch die germanische Heldenruhestatt Walhalla für sich reklamierten.

Unnützes Wissen

Der Name Narrhalla-Marsch geht auf ein Wortspiel zurück, in welchem die Wörter Narr und Walhalla zu der von Anfang an üblichen Narrhalla als Versammlungsort der Narren zusammengefügt wurden.

Legenden

Einer der zahlreichen Legenden um Narrhalla zufolge soll Narrhalla das Reich des ewigen Karnevals, ein Schlaraffenland für Karnevalisten sein. Die männlichen (und nur diese) Bewohner werden Narrhallesen genannt. Hieraus resultiert auch die Begrüßungsformel in zahlreichen Karnevalssitzungen: „Liebe Närrinnen und Narrhallesen“.

Die Mainzer selbst nennen den Narrhalla-Marsch Ritzamba. Der Mainzer Volksmund hat allerdings eine eigene Entstehungsversion dieses Namens gesponnen. So wird berichtet, das Ritzamba auf einen französischen General namens Riçambeau zurückzuführen sei – und eben dieser die Fastnacht verbieten wollte. Zu Beginn der Fastnachtszeit sei dann ein Musikcorps vor seine Residenz gezogen, um den Narrhalla-Marsch zu spielen und auf die Melodie den Text

„Ritzambo, Ritzambo, morsche geht die Fassnacht o.“ bzw.
„Ritzamba, Ritzamba, morsche fängt die Fassnacht a.“
(„Riçambeau, morgen fängt die Fastnacht an.“)

zu singen. (Quelle: Wikipedia)

Foto oben ©2022 Volker Watschounek

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