Die Geschichte wiederholt sich. Zu Zeiten der Weimarer Republik, einst die Pionierzeit im sozialen Wohnbau, bieten Großstädte Arbeitsplätze. Im selben Moment gibt aber auch zu wenig Wohnungen. Auch in Wiesbaden. 

Wiesbadens Stadtpolitik ist sich bewusst, dass der soziale Wohnbau eine große Herausforderung darstellt. Nicht zuletzt hat sich der neue Oberbürgermeister Gerd-Uwe Mende dieses Thema ganz oben auf seine Agenda geschrieben. Manche Umsetzung scheitert jedoch an wenig bis gar nicht nachvollziehbaren Kontrapositionen des Stadtplanungsamtes. Anschaulich ist das, wie unlängst der Wiesbadener Kurier dargestellt hat, in Mainz-Amöneburg.

Soziale Wohnbau in der Wiesbaden Landstraße?

In Mainz-Amöneburg versuchen der Eigentümer und der Projektentwickler Clemens Eich seit Jahren, ein Grundstück in der Wiesbadener Landstraße genau solch einer Nutzung zu zuführen. Das Grundstück ist das erste in einem Gewerbegebiet, grenzend an ein Mischgebiet. Drumherum wird überall gewohnt und genau gegenüber des Grundstücks hat die GWW gerade erst ein Haus mit 64 Wohneinheiten gebaut.

Eine rein gewerbliche Nutzungen wurde in der Vergangenheit und werde von seiten des Stadtplanungsamtes immer wieder abgelehnt, teils mit nicht nachvollziehbaren Begründungen. Unter anderem die dringend benötigte und vom Dezernat von Dr. Oliver Franz befürwortete neue Zulassungsstelle fiel dieser Einstellung zum Opfer. Statt dessen wurde mehrfach vorgeschlagen, man solle diese Liegenschaft doch der SEG zum Kauf anbieten. Die SEG würde aber nur den halben Bodenrichtwert zahlen. Den Kontakt könne man jederzeit vermitteln.

Gewerbliche Nutzung ausgeschlossen?

Da die gewerbliche Nutzung, mit dem Verweis auf erhöhtes Verkehrsaufkommen und der daraus resultierenden Anwohnerstörung, abgelehnt wurde, schlug man seitens des Projektentwicklers Eich vor, dieses Grundstück in ein Mischgebiet umzuwidmen und damit neuen und dringend benötigten Platz für bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Mischgebiet Wiesbadener Straße?

Auf dieser Liegenschaft könnten problemlos 150 bis 170 neue Wohnungen entstehen. Die GWW würde dieses Grundstück gerne erwerben und entsprechend bebauen. Um der Stadt Sicherheiten zu geben, schlug man vor, dieses Grundstück erst nach Verkauf umzuwidmen. Entsprechend dieses Vorschlags wurde der GWW ein Vorzugspreis offeriert. Somit käme auch kein privater „Baulöwe“ in den Genuss des Grundstücks. Zuletzt wurde aber auch dieser Vorschlag mit Verweis auf den Bebauungsplan „kassiert“.

Bebauungsplan ist antiquiert

Der Bebauungsplan für das Grundstück Wiesbadener Landstraße 36 in Amöneburg ist übrigens aus dem Jahr 1976! Er ist 43 Jahre alt und dürfte kaum mehr aktuell und zeitgemäß sein. Statt sich konstruktiv mit den aktuellen Plänen auseinander zu setzen, zumal dieses Gebiet in den nächsten Jahren ohnehin vollständig neu überplant wird, stellen sich Stadtplaner als Vermittler für die SEG dar.

Nun liegt es am Oberbürgermeister Gerd-Uwe Mende. Mit bezahlbarem Wohnraum trat er an und wurde gewählt: Wir sind gespannt. (Text Clemens Eich)

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Die offizielle Webseite der SEG finden Sie unter www.seg-wiesbaden.de

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