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Bundeskanzler Friedrich Merz zum Jubiläum des BKA beim Festakt im Kurhaus Wiesbaden

Friedrich Merz blickt auf Geschichte und neue Bedrohungen

Zum 75. Geburtstag des Bundeskriminalamtes würdigt Bundeskanzler Friedrich Merz beim festakt im Kurhaus Wiesbaden die Entwicklung der Behörde von der nationalen Zentralstelle zur international vernetzten Sicherheitsinstitution. Zugleich warnt er vor neuen Gefahren durch Cybercrime, Terrorismus und geopolitische Spannungen .

Volker Watschounek 2 Stunden vor 0

Beim Festakt zum 75. Jubiläum des Bundeskriminalamtes blickt Bundeskanzler Friedrich Merz zurück – und fordert neue Befugnisse für Ermittler angesichts wachsender Bedrohungen.

75 Jahre Bundeskriminalamt: Friedrich Merz blickt auf Geschichte und neue Bedrohungen

Mit einem Festakt im Kurhaus Wiesbaden hat Deutschland das 75-jährige Bestehen des Bundeskriminalamtes (BKA) gewürdigt. Bundeskanzler Friedrich Merz nutzte die Gelegenheit zu einem umfassenden Rückblick auf die Geschichte der Behörde – und zugleich zu einem Blick auf neue Sicherheitsrisiken. Seine zentrale Botschaft: Das Bundeskriminalamt habe sich in jeder Phase seiner Geschichte neu erfinden müssen, um auf neue Formen von Kriminalität zu reagieren.

Interview nach der Rede

Moderator: Herr Bundeskanzler, Sie haben in Ihrer Rede auf die lange Geschichte des Bundeskriminalamtes verwiesen. Wann sind Sie persönlich zum ersten Mal bewusst mit der Arbeit des BKA in Berührung gekommen?Bundeskanzler: Das war in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre, in der Hochphase des RAF-Terrorismus. Damals habe ich als Student in Bonn erstmals wahrgenommen, welche Bedeutung eine Bundesbehörde wie das Bundeskriminalamt für die Sicherheit unseres Landes hat. Ich habe den Sicherheitsaufwand rund um das damalige Bundeskanzleramt selbst gesehen und erlebt, wie stark die Arbeit des BKA durch diese Bedrohung geprägt war.

Moderator: Sie haben die Entwicklung der Sicherheitsbehörden über Jahrzehnte begleitet. Wie würden Sie Ihr Vertrauen in die Arbeit des Bundeskriminalamtes heute beschreiben?
Bundeskanzler: Ich habe großes Vertrauen in die Arbeit des BKA und seiner Mitarbeiter. Mir ist ein Satz aus einem Gespräch mit einem Personenschützer besonders im Gedächtnis geblieben: „Wir schützen das Amt und nicht die Person.“ Dieser Satz zeigt sehr deutlich, worum es beim Personenschutz geht – nämlich um den Schutz der staatlichen Institutionen und der Demokratie.

Moderator: Der Personenschutz gehört zu den sichtbarsten Aufgaben des BKA. Wie erleben Sie persönlich die Zusammenarbeit mit den Beamten, die Sie täglich begleiten?
Bundeskanzler: Das sind Menschen, die in meiner unmittelbaren Nähe arbeiten und natürlich auch viele persönliche Situationen miterleben. Mir ist es wichtig, ein gutes persönliches Verhältnis zu ihnen zu haben. Ich möchte wissen, wer sie sind, wo sie herkommen und welche Erfahrungen sie mitbringen. Mit der Zeit entsteht dadurch ein Vertrauensverhältnis.

Moderator: Der Personenschutz bringt aber auch Einschränkungen im Alltag mit sich. Wie gehen Sie damit um?
Bundeskanzler: Natürlich verändert sich der Alltag. Spontan einfach aus dem Haus gehen oder alleine eine Fahrradtour machen – das ist kaum möglich. Die Personenschützer müssen immer dabei sein. Aber das ist eine Aufgabe, die ich akzeptiere. Sie gehört zum Amt dazu, und ich weiß sehr zu schätzen, mit welcher Professionalität und Verlässlichkeit diese Arbeit geleistet wird. Das führt dann aber auch dazu, dass diese auch schon mal ganz gut außer Atem sind.

Moderator: Zum Abschluss: Was wünschen Sie dem Bundeskriminalamt für die kommenden Jahre?
Bundeskanzler: Das Bundeskriminalamt hat in den vergangenen 75 Jahren immer wieder gezeigt, dass es sich neuen Herausforderungen anpassen kann. Diese Fähigkeit wird auch in Zukunft entscheidend sein – gerade angesichts neuer Bedrohungen durch Terrorismus, Cyberkriminalität und internationale Konflikte. Ich wünsche den Mitarbeitern weiterhin die nötige Unterstützung und den Erfolg bei ihrer wichtigen Arbeit für die Sicherheit unseres Landes.

„Das BKA hat sich in jeder Zeit neu erfinden müssen“, sagte der Kanzler. Auf jede Bedrohung habe die Behörde eine Antwort gefunden – „manchmal schneller, manchmal mit Anlauf, aber immer mit der Entschlossenheit, die Sicherheit der Menschen in diesem Land zu gewährleisten“.

Eine Institution im Wandel der Zeit

Seit seiner Gründung im Jahr 1951 erfüllt das Bundeskriminalamt eine besondere Rolle im deutschen Sicherheitsgefüge. Während die Polizeiarbeit grundsätzlich Aufgabe der Bundesländer bleibt, fungiert das BKA als zentrale Koordinierungs- und Informationsstelle. Schon in den Anfangsjahren sammelte, analysierte und verteilte die Behörde kriminalpolizeiliche Informationen über Ländergrenzen hinweg.

Die Aufgaben reichten früh von der Unterstützung bundesweiter Ermittlungen bis hin zu kriminaltechnischen Analysen und dem Erkennungsdienst. „Schon damals wurde die Notwendigkeit einer Zentralstelle gesehen“, erinnerte Merz.

Die Geschichte der Behörde sei zugleich ein Spiegel der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung Deutschlands. In den Anfangsjahren war das BKA – wie viele staatliche Institutionen – personell noch von ehemaligen Angehörigen nationalsozialistischer Behörden geprägt. Diese Vergangenheit sei später intensiv aufgearbeitet worden. Die kritische historische Aufarbeitung habe maßgeblich dazu beigetragen, dass die Sicherheitsbehörden heute „fest auf dem Boden unserer Verfassung stehen“, betonte der Kanzler.

Terrorismus, internationale Kriminalität und Digitalisierung

Immer wieder habe sich das Bundeskriminalamt neuen Bedrohungslagen stellen müssen. Besonders deutlich wurde dies in den 1970er-Jahren, als der Terror der RAF Deutschland erschütterte. Die Sicherheitsbehörden standen damals vor einer historischen Bewährungsprobe. Das BKA reagierte mit dem Aufbau einer eigenen Abteilung zur Terrorismusbekämpfung und entwickelte neue Fahndungsmethoden.

Auch der technologische Fortschritt veränderte die Arbeit der Ermittler. Bereits in den 1990er-Jahren spielte Computertechnik eine immer größere Rolle. Gleichzeitig wuchs mit dem europäischen Binnenmarkt und dem Schengen-Raum die internationale Dimension der Kriminalität. Das BKA intensivierte daraufhin seine Zusammenarbeit mit europäischen Partnern.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erhielt die Behörde weitere Befugnisse. Ein wichtiger Schritt war die Einrichtung des Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrums, in dem Sicherheitsbehörden Informationen austauschen und Analysen koordinieren.

Heute verlagert sich Kriminalität zunehmend in den digitalen Raum. Cyberangriffe, Hackergruppen und internationale Netzwerke stellen neue Herausforderungen dar. Das BKA habe deshalb seine Fähigkeiten in IT-Forensik und Cyberermittlungen deutlich ausgebaut. „Der Rechtsstaat folgt der Kriminalität“, formulierte Merz. Neue Technologien verlangten neue Methoden der Strafverfolgung.

Dank an die Beschäftigten

Der Kanzler nutzte seine Rede auch, um den Mitarbeitern des Bundeskriminalamtes zu danken. Viele ihrer Aufgaben würden im Hintergrund stattfinden – fern von Blaulicht und Öffentlichkeit. Ermittler arbeiteten in kriminaltechnischen Laboren, analysierten Daten in Cyberforensik-Abteilungen oder koordinierten internationale Einsätze. Andere seien im Personenschutz tätig. Sie begleiteten den Kanzler rund um die Uhr, bei Terminen in Berlin ebenso wie auf Auslandsreisen. „Für diesen physisch und psychisch anspruchsvollen Dienst gilt Ihnen mein ganz persönlicher Dank“, sagte Merz.

Besonders hob er die Bedeutung der Zusammenarbeit hervor. Keine Sicherheitsbehörde könne allein erfolgreich sein. Entscheidend seien Informationsaustausch und Kooperation zwischen Bund, Ländern und internationalen Partnern.

Neue Herausforderungen für die Sicherheit

Trotz der bisherigen Erfolge warnte der Kanzler vor wachsenden Sicherheitsrisiken. Deutschland gehöre zwar weiterhin zu den sichersten Ländern der Welt. Dennoch gebe es Entwicklungen, die Sorgen bereiteten. Die polizeiliche Kriminalstatistik zeige einen Anstieg bestimmter Gewaltverbrechen. Auch Messerangriffe und digital begangene Straftaten nähmen zu. Gleichzeitig wachse die politisch motivierte Kriminalität.

Hinzu komme eine veränderte geopolitische Lage. Hybride Angriffe auf Infrastruktur, Desinformation oder Cyberattacken würden zunehmend als Instrumente internationaler Konflikte genutzt. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und Spannungen im Nahen Osten verstärkten das Unsicherheitsgefühl vieler Menschen. Bund und Länder reagierten darauf mit verstärkten Schutzmaßnahmen, etwa für israelische, jüdische und amerikanische Einrichtungen.

Mehr Befugnisse für Ermittler

Um auf die neuen Herausforderungen zu reagieren, will die Bundesregierung die Sicherheitsbehörden weiter stärken. Dazu gehörten zusätzliche Ressourcen, modernste Technik und teilweise erweiterte Befugnisse. Merz verwies etwa auf internationale Ermittlungen gegen Hackergruppen oder auf die Bekämpfung von Kinderpornografie und Online-Missbrauch. In solchen Fällen sei es entscheidend, digitale Spuren schnell auswerten zu können.

Die Regierung prüfe daher unter anderem neue Möglichkeiten zur Analyse digitaler Daten, zur Nutzung von biometrischer Erkennung sowie zur Speicherung von IP-Adressen. Gleichzeitig betonte der Kanzler die Bedeutung rechtsstaatlicher Kontrolle. Alle Maßnahmen müssten verhältnismäßig sein und auf klaren gesetzlichen Grundlagen beruhen. „Wir sind ein Rechtsstaat“, sagte Merz. Vertrauen in die Arbeit der Sicherheitsbehörden sei deshalb gerechtfertigt.

Blick nach vorn

Zum Abschluss seines Rückblicks betonte der Kanzler, dass innere und äußere Sicherheit heute stärker miteinander verbunden seien als früher. Neue Formen der Kriminalität, globale Konflikte und digitale Angriffe verlangten eine enge Zusammenarbeit aller Sicherheitsorgane.

Das Bundeskriminalamt werde dabei auch künftig eine zentrale Rolle spielen.

Nach 75 Jahren stehe die Behörde erneut vor großen Veränderungen. Doch die Geschichte des BKA zeige, dass sie sich immer wieder an neue Herausforderungen angepasst habe. „Sie dürfen stolz sein auf Ihre Arbeit“, sagte Merz an die Beschäftigten gerichtet. „Sie sorgen dafür, dass die Menschen in unserem Land sicher leben können – und sich auch sicher fühlen.“

Foto ©2026 Volker Watschounek

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