Familien zieht es aus Wiesbaden heraus. Die selektive Wanderung bestimmt den regionalen Wohnungsmarkt. Ziel der Wohnungspolitik muss es sein, entgegenzusteuern und wohnen in der Stadt bezahlbar zu machen.

Wohnen in der Stadt? Kann ich mir das noch leisten? Das Problem gibt es nicht erst seit gestern. Die Corona-Pandemie hat aber gezeigt, dass es gar nicht so schwer ist. Lebenssituationen Lebensgewohnheiten sind im Wandel und verschieben sich. Die Corona-Pandemie bewegt viele Großstadtbewohner zum Umdenken. Ist dass das Ende der Urbanisierung? Auch wenn in der Landeshauptstadt Wiesbaden seit 2011 um rund 7500 Personen Personen zugezogen sind, bedeutet das im regionalen Vergleich den letzten Platz. Die Städte Mainz (+8,7 Prozent), Offenbach (+13,4 Prozent) oder Frankfurt (+12,8 Prozent) wachsen bedeutend schneller. Und dennoch, Wiesbaden profitiert vom generellen Zuzug in die Region.

„Um der Stadtflucht Einhalt zu gebieten war der Kurswechsel beim Thema Neubau höchste Zeit“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Der vorliegende Bericht zeigt außerdem, dass Wiesbaden mehr Menschen an die Kommunen und Landkreise im Umland verliert. Eine Landflucht sozusagen; und das in spezifischen Lebensphasen. Zwischen 2011 und 2019 hat Wiesbaden jedes Jahr zwischen 200 und 300 Personen aus der Altersgruppe der 18 bis bis 24-Jährigen aus dem Umland hinzugewonnen. In allen anderen Altersgruppen verliert die Stadt allerdings an das Umland. Insbesondere die Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen sowie Kinder und Jugendliche, also vermutlich Haushalte in der Familiengründungsphase, zieht es aus der Stadt!

„Es ist deutlich mehr Wohnungsbau im unteren und mittleren Preissegment sowie bei mittelgroßen Wohnungen erforderlich, um allen Altersklassen ein angemessenes Angebot anzubieten.“ – Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende

Erwartungsgemäß entwickelte sich die Zahl der Wohngebäude und Wohnungen im Betrachtungszeitraum in Wiesbaden parallel zur Bevölkerungsentwicklung. Von 2011 bis 2019 entstanden rund 1300 neue Wohngebäude bzw. rund 4300 Wohnungen. In Wiesbaden – anders als etwa in Frankfurt – gelang es im betrachteten Zeitraum jedoch nicht, die Fertigstellungszahlen deutlich zu erhöhen. Da auch in den Kreisen und Kommunen des Umlandes in dieser Zeit deutlich mehr Wohnungen entstanden, wird ein klassisches Muster der Wohnsuburbanisierung auch für die Landeshauptstadt bestätigt: Menschen ziehen kontinuierlich in das nach wie vor boomende Rhein-Main-Gebiet und vor allem junge Menschen wählen für Studium oder Ausbildung oftmals zunächst das urbane Leben in den kreisfreien Städten. In der Familiengründungsphase zieht es dann aber viele in die Umlandgemeinden der Landkreise, um dort für einen sich eventuell vergrößernden Haushalt mehr Wohnraum zu gegebenenfalls besseren preislichen Konditionen verwirklichen zu können, ohne die Nähe zu den Großstädten aufzugeben.

Bild oben @2021 KH Wiesbaden bearbeitet Wiesbaden lebt!

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Die aktuelle Stadtanalyse Wohnen in Wiesbaden IV finden Sie unter www.wiesbaden.de.

 

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