Tag des Gedenkens: Auschwitz steht symbolhaft für den Völkermord und für die Millionen Menschen, die durch das Nazi-Regime entrechtet, verfolgt, gequält oder ermordet wurden.

Der Tag des Gedenkens erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus, an die Opfer des beispiellosen totalitären Regimes während der Zeit des Nationalsozialismus. National wie international ist das offiziell der 27. Januar, der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee 1945. In Wiesbaden wird der Befreiung mit verschiedenen Veranstaltungen gedacht.

„2023 jährt sich die sogenannte Machtergreifung zum 90. Mal. Die historische Forschung hat gezeigt, dass Gewaltakte gegen Juden und Oppositionelle von den Nationalsozialisten gezielt eingesetzt wurden, um vor 1933 ein Unsicherheitsgefühl zu erzeugen, gesellschaftliche Spaltungen zu vertiefen und der NSDAP schließlich zum Wahlsieg zu verhelfen.“ – Kulturdezernent Axel Imholz

Die Zentrale Gedenkveranstaltung findet am Montag, 30. Januar im Stadtverordnetensitzungssaal statt. Zuletzt ausschließlich wird sie in diesem Jahr ergänzend im Livestream übertragen. Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende leiten an diesem Tag mit gut gewählten Worten einen Fachvortrag des australischen Historikers Dr. Jacob Berg ein, der der Einladung gefolgt ist. In seinem Vortrag wird er sich sich mit den Strategien der sogenannten Sturmabteilung (SA), der paramilitärischen Kampforganisation der NSDAP beschäftigen. Eben der Organisation, die bereits in den 1920er Jahren den Weg für die öffentliche Diffamierung von Juden, die gewaltsame Ausschreitung gegen politische Gegner und die Unterdrückung alternativer Kulturen ebnete.

„Die Gewalt setzte sich nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 fort, um das NS-Regime zu konsolidieren. Die deutsche Mehrheitsgesellschaft nahm die Gewalt billigend in Kauf und befürwortete sie sogar. Damit müssen wir uns kritisch auseinandersetzen.“ – Kulturdezernent Axel Imholz

Gedenken. Nicht vergessen. Mahnen. Das Geschehene unvergessen machen: Ein Tag reicht hierfür nicht aus. Ein Kanon von Veranstaltungen ebensowenig. Zusammen mit der zentralen Gedenkveranstaltung erinnern sie aber: Halten die Geschichte wach. Den Anfang macht die Ausstellung Spuren der Erinnerung: Ausgrenzung und Deportation der jüdischen Bevölkerung Wiesbadens 1933-1945. Das Rathaus zeigt die von Schülern der Martin-Niemöller-Schule Wiesbaden erstellte und mit dem Leonardo Schulaward 2022 ausgezeichnete Ausstellung ab den 16. Januar im Foyer des Neuen Rathaus von Wiesbaden.  Eröffnet wird sie um 17:00 Uhr durch Kulturdezernent Axel Imholz.

Veranstaltungsreihe zum Tag des Gedenkens

Der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Hessen, hat eine App entwickelt, um die Verfolgungsgeschichte der Sinti in Wiesbaden nachvollziehbar zu machen. Ein Stadtrundgang führt am Donnerstag, 19. Januar, an Orte der Verfolgung.

Die Caligari Filmbühne wird im Januar drei Filme zum Thema Erinnern und Gedenken zeigen. Das Medienzentrum Wiesbaden bietet im Rahmen von Kino macht Schule den Film Der Pfad für Schüler an. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Hessen (RIAS Hessen) hat gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden den Regisseur Stefan Auch eingeladen. Sie werden den Film Die vorletzte Freiheit oder: Vom Überleben nach der Shoah zeigen und danach ins Gespräch kommen.

Kirchlicher Antisemitismus

Das Evangelische Dekanat Wiesbaden hat Dr. Ulrich Oelschläger eingeladen, der sich mit Kirche und kirchlichem Antisemitismus im Dritten Reich mit Blick auf Wiesbaden auseinandersetzen wird. Spiegelbild – Politische Bildung aus Wiesbaden geht der Frage nach Erinnerung und Gedenken in der Sozialen Arbeit nach. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zeigt das von Schülern der Internatsschule Schloss Hansenberg erarbeitete Theaterstück Der jüdische Gerichtsvollzieher. Auch das Aktive Museum Spiegelgasse für deutsch-jüdische Geschichte und das Freie Theater Wiesbaden sind mit Beiträgen zur Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes Teil der Veranstaltungsreihe.

Bücherverbrennung

Mit der Bücherverbrennung setzt sich die von mehreren Institutionen organisierte Lesung auseinander. Vor 90 Jahren erstellten die Nationalsozialisten eine Schwarze Liste verbotener Werke, um diese Bücher aus den Bibliotheken und Buchläden zu tilgen. Zu den Werken zählten unter anderem Veröffentlichungen von Kurt Tucholsky, Heinrich Mann, Carl von Ossietzky und Erich Kästner. Aus ausgewählten Texten wird der Schauspieler Gottfried Herbe in der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden lesen. Die Veranstaltung wird von einer Gebärdendolmetscherin begleitet. Die Volkshochschule Wiesbaden hat Dr. Jörg Osterloh eingeladen, der das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen in Deutschland 1941-1945 beleuchten wird. Der Vortrag schließt die diesjährige Veranstaltungsreihe Erinnern an die Opfer.

Foto oben @2022 Pixabay

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Die Gedenkveranstaltung wird hier per Livestream übertragen: www.wiesbaden.de.

 

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