Lawinenabgänge gehören im Winter zu den bedrohlichsten Naturgewalten im Gebirge. Ganze Siedlungen, Straßen und Hotelhochburgen sind aktuell bedroht. Doch wie entstehen Lawinen und wie kann man sich schützen?

Eine der gefährlichsten Lawine ist die so genannte Schneebrettlawine. Sie ist abseits der Pisten für 95 Prozent der Lawinenunfälle verantwortlich. Um eine Schneebrettlawine auszulösen braucht es in der Regel eine Zusatzlast. Die Last – Mensch oder ein Tier – löst einen Anriss der Schneeschicht aus. Beträgt die Hangneigung mindestens 30 Grad, wird es gefährlich. Eine Schneebrettlawine kann aber auch spontan abgehen. Dabei gleitet frisch gefallener Schnee wie auf einer Rutsche auf älteren Schneeschichten ab. Der Anriss erfolgt linienhaft quer zum Hang und tückischerweise oft oberhalb des Skifahrers. Deshalb wird dieser von den Schneemassen blitzschnell erfasst.

„Weil Wintersportler die Lawine durch Leichtsinn oft selbst auslösen, wird die Schneebrettlawine auch Skifahrerlawine genannt.“ – Matthias Habel, Meteorologe von WetterOnline

Besonders kritisch sind die ersten Schönwettertage nach einer Schneefallperiode. Wer dann sorglos und ohne Kenntnis der aktuellen Lawinensituation dem Reiz des frischen Pulverschnees erliegt und in die unberührten Tiefschneehänge fährt, gefährdet nicht nur sich, sondern auch andere Skifahrer auf der Piste.

„Bei einer Staublawine kommt es zu plötzlichen massiven Luftdruckveränderungen, wie sie sonst nur in Wirbelstürmen erreicht werden.“ – Matthias Habel, Meteorologe von WetterOnline

Hat sich ein Schneebrett gelöst, so kann sich daraus eine Staublawine entwickeln. Dabei stürzt eine große Menge Schnee einen steilen Hang hinab und nimmt immer weiteren Schnee auf. Dieser wird aufgewirbelt und zerstäubt, sodass ein Gemisch aus Schnee und Luft mit viel Lärm ins Tal donnert und weder durch Bäume oder Schutzbauten aufgehalten werden kann. Sie erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 300km/h.
Die Lawine schiebt eine Druckwelle vor sich her, sodass vor ihr der Luftdruck sprunghaft zunimmt und dann unmittelbar in einen heftigen Sog übergeht. Dadurch sind massive Zerstörungen möglich, da Bäume wie Streichhölzer abgeknickt und Dächer abgedeckt werden. Außerdem zerspringen durch die Druckwelle Fensterscheiben, sodass das Schnee-Luftgemisch durch die Häuser fegt und auch im Gebäudeinneren Menschen verschüttet werden können. Lebensgefahr besteht auch, wenn das Schnee-Luft-Gemisch eingeatmet wird und in die Lunge gelangt. Es droht dann in kürzester Zeit der Tod durch Ersticken.

„Man kann einer Lawine nicht davonfahren!“ – Matthias Habel, Meteorologe von WetterOnline

Da Lawinenabgänge nicht vorhersagbar sind, sondern nur die Wahrscheinlichkeit eines Abgangs abgeschätzt werden kann, bleibt die Lawine eine unberechenbare Naturgewalt. Es ist daher äußerst wichtig, auf die Lawinenwarnstufen zu achten und grundsätzlich nicht abseits der Pisten Ski zu fahren oder zu wandern. Hat man die Lawine einmal ausgelöst oder gerät hinein, gibt es im Grunde keine Möglichkeit mehr zu handeln.

Große Lawinenunglücke

Am 23. September 2012 sterben nach dem Abgang zweier Lawinen Amin Nepal am Manaslu auf das in 7000 m Höhe um 5 Uhr 11 von ca. 30 Bergsteigern. – Am 7. April 2012 begräbt eine Lawine zwischen Indien und Pakistan nahe dem Siachengletscher 124 Soldaten und 11 Zivilangestellte eines Militärstützpunktes. –Am  3. Januar 2010 löst eine Skitourengruppe im Berner Oberland im Diemtigtal eine Lawine aus, durch die eines der Mitglieder verschüttet wurde. Während der Bergung wurden zwölf Personen bei einer Nachlawine aus dem Gegenhang verschüttet, von denen sieben das Ereignis nicht überlebten. – Am 28. Dezember 1999 sterben bei einem Lawinenunglück im Jamtal, Gemeindegebiet von Galtür, Österreich neun Teilnehmer einer geführten DAV Summit Club-Gruppe. Am 23. Februar 1999 fordert die Lawinenkatastrophe von Galtür in Tirol 38 Menschenleben. Die Liste mit weiteren Lawinenunfällen findet sich auf Wikipedia.

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