Der Jawlensky-Preis drückt das Interesse an einer lebendigen Auseinandersetzung mit bedeutsamen Strömungen der heutigen Kunst aus. Das macht das Vergabeverfahren bedenkenswert.

Diese Woche hat die Stadt Wiesbaden den Alexej-von-Jawlensky-Preis an Frank Stella vergeben. Im Rahmen der letzten Kulturbeiratssitzung des Jahres hob Dorothea Angor, stellvertretende Vorsitzende des Beirats hervor, dass dies die wichtigste Kunst-Auszeichnung der Stadt sei – und dass es deshalb ungemein wichtig sei, dass alle Beteiligten im Konsens die Preisvergabe und die Entscheidung stützen. Um dies künftig in bewährter Weise zu erreichen, sollte die Vergabe des Preises überarbeitet und aktualisiert werden, so Angor.

„Der Jawlensky Preis der Stadt Wiesbaden hat das Potenzial, Statement zu sein: Der in der Debatte gefallene Vorschlag einer Tandem-Vergabe an zwei Preisträgerinnen beziehungsweise Preisträger zwischen Jung und Alt ist aufgreifenswert.“ – Dorothea Angor, stellvertretende Vorsitzende des Kulturbeirats

Wiesbadens neuer Direktor des Landesmuseums, Dr. Andreas Henning, pflichtete der stellvertretenden Vorsitzenden bei. Eine Neuausrichtung des Preises sei durchaus denkbar. Auch Wiesbadens Kulturdezernent Axel Imholz zeigt sich offen für eine Überarbeitung der Preisrichtlinien. Zuvor hatte es Kritik an dem Verfahren zur Vergabe des Preises gegeben, nachdem das Preiskuratorium ein verkürztes Verfahren für die Vergabe beschlossen hatte. Der Preis wird alle fünf Jahre von der Landeshauptstadt, der Naspa und der Spielbank vergeben.

„Der Kulturbeirat trägt die Entscheidung über den Preisträger mit. Er ist hier aber vor allem in der Rolle zwischen verschiedenen Positionen zu vermitteln.“ – Ernst Szebedits, Vorsitzender des Kulturbeirats

Vornehmlich aus der freien Kunstszene kam die Kritik auf, dass in einem Verfahren ohne Jury das demokratische Findungsverfahren des Preisträgers verletzt werde. Im Kulturbeirat kam es nun zu einer Aussprache der verschiedenen Positionen. Die Aussprache habe gezeigt, wie wichtig es sei, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen und Kritik an Verfahren in eine Lösung zu übersetzen. Ernst Szebedits gehe deswegen fest davon aus, dass die Stadtverordnetenversammlung dem Vorschlag des Beirats zur Überarbeitung der Preisrichtlinien aufnehmen werde.

Sondersitzung im Januar

Anlässlich der Corona-Krise und der drastischen Folgen für die Kulturschaffenden hat sich der Beirat außerdem dazu entschieden, im Januar nächsten Jahres eine Sondersitzung einzurichten. Es sollen vor allem kulturpolitische Akzente gesetzt werden, die die Unterschiede in der Struktur der Kulturakteure berücksichtigen, einen Wiedereinstieg planbar fassen und die Subventionslagen der lokalen Akteure berücksichtigen.

Weitere Informationen aus dem Ortsbezirk Mitte lesen Sie hier.

Die offizielle Internetseite des Wiesbadener Kulturbeirats finden Sie unter www.wiesbaden.de.

 

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