Alexander Höller zählt zu den gefragtesten deutschen Jungstars der Kunstszene. Zusammen mit der Wiesbadener Galerie Rother präsentierte er seine neue Serie „Der Stumme Schrei“ in einer Einzelausstellung.

Schwarzweißer Nadelstreifenanzug, Lackschuhe, blondierter Undercut und die tätowierten Mittelfinger hoch erhoben: Alexander Höller zeigt sich und seine Kunst radikal und am Abgrund. Der 24-jährige Münchener Künstler gilt seit einigen Jahren als Jungstar der aktuellen Kunstszene. Mit seiner neuesten Serie Der Stumme Schrei wandelt der Maler auf den Spuren von Edvard Munchs gleichnamigen Meisterwerk. Furios im Farbgestus, radikal in der Form und vor allem großformatig – Höllers Bilder sind laut, expressiv und explizit, heißt es aus Kritikerkreisen. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung seiner neuen Ausstellungstour präsentiert Höller in Kooperation mit der Agentur Kick-Media, der Galerie Rother und des jungen Kunststudios IncubARTor by Galerie Rother seine Kunst zum ersten Mal in Wiesbaden. Weitere Stationen der Tour sind unter anderem Berlin, Köln, Málaga, Seoul und Miami.

„Kunst soll Fragen aufwerfen, keine Antworten liefern.“  – Künstler Alexander Höller

Gleich dem berühmten Werk des norwegischen Malers Edvard Munch, welches gegen Ende des 19. Jahrhunderts das Gefühl einer neuen, lebenshungrigen Generation einfing, so versucht auch Höller durch seine Werke seiner eigenen Generation eine Stimme zu verleihen. Individualität als Rebellion. In seinen Selbstporträts, in denen er sich selbstironisch als Clown, Pavian oder Narr darstellt, schreit Höller gegen die gesellschaftliche Wand der Intoleranz an. Er degradiert sich in seiner Kunst selbst zum machtlosen Primaten einer erkalteten, entfremdeten Gesellschaft, in der jegliche Individualität durch Mobbing, Schubladendenken und Vorurteile im Keim erstickt wird. Dadurch wird Höller zum Spiegelbild eines jeden, Höller klagt an, ohne sich selbst über jemanden zu erheben. Denn ohne zugesprochene Humanität und Selbstbestimmung degeneriert der Mensch zum sich selbst beäugenden Tier. Krank an der Gesellschaft dreht es sich im Kreis der Unduldsamkeit, unfähig auszubrechen.

„Meine früheren Werke waren sehr technisch, die neuen Arbeiten würde ich als große Ölzeichnungen beschreiben.“ – Künstler Alexander Höller

Doch wie schon mehr als einhundert Jahre zuvor bleibt auch der Schrei von Höller scheinbar stumm und gewinnt dadurch umso mehr an Kraft und Intensität. „Gegen die Stigmatisierung des Andersseins!“ will es heißen. Schlussendlich bleibt es dem Betrachter jedoch selbst überlassen, das Echo jenes Schreies einer ganzen Generation seinem eigenen Gewissen zuzumuten und sich selbst als Mitglied einer kalten, homogenen Gesellschaft kritisch zu hinterfragen.

„Ich versuche die Zeit festzuhalten, die Zeit, wie ich sie erlebe, sichtbar zu machen.“ – Künstler Alexander Höller

Höller selbst erfuhr in seiner Jugend Mobbing und Ausgrenzung. Mit siebzehn zog er von zu Hause aus und verzichtete auf das Abitur, um in München ein Jahr an einer privaten Zeichenschule seine Fähigkeiten im Zeichnen zu verbessern. Mit achtzehn wurde Höller an der Akademie der Bildenden Künste in München angenommen. Der leidenschaftliche Graffitisprayer wechselte er von Mauer zur Leinwand und entdeckte in der Kunst ein Sprachrohr, in dem er seine Emotionen kanalisieren kann. Über die Jahre hinweg änderte sich Höllers Stil radikal. Meine früheren Werke waren sehr technisch, die neuen Arbeiten würde ich als große Ölzeichnungen beschreiben. Inspiration findet Höller in den Werken von Munch, DeKooning, Baselitz, Picasso und Basquiat. In seinen eigenen Werken fokussiert sich Höller auf das Verhalten der Gesellschaft. Dafür gräbt sich Höller teilweise tagelang in seinem Künstlerstudio ein. Schon zuvor setzte er sich in seiner früheren, abstrakt-expressionistischen „Waldserie“ mit dem Prozess des Werdens und Vergehens auseinander. Ein Großteil der Arbeiten wurde damals innerhalb kürzester Zeit verkauft. Seine neueste um die einhundert Werke umfassende Serie entstand seit Oktober 2020.

Nach dem gelungenen Start der Ausstellung „Crazy Times“ gibt Alexander Höller am 3. Juli von 12:00 bis 16:00 allen, die bei der Vernissage nicht dabei sein konnten, die Gelegenheit, persönlich mit ihm im IncubARTor in der Taunusstraße 55 ins Gespräch zu kommen.“ – Christine Rother-Ulrich

Mit dem Stummen Schrei eröffnet Alexander Höller nun ein weiteres Kapitel seiner Schaffensphase, welche Ihren Auftakt am vergangenen Donnerstag unter dem Titel Crazy Times in der Landeshauptstadt fand. Unter den Augen ausgewählter Mediengäste inszenierte Höller eine eigens gestaltete Perfomance, die für mehr Menschlichkeit und Respekt im Miteinander warb. Gesammelte Hasskommentare aus dem Netz, notiert auf schmalen Papierstreifen, warf der Künstler symbolhaft in eine aufgestellte Feuerschale um mit den Kohlestücken kurzerhand ein stummes Selbstporträt zu kreieren. Die Botschaft: Aus Hass wird Kunst. Das so entstandene künstlerische Pamphlet soll als Spendengabe an das Projekt Upstairs der EVIM gehen, welches sich um Jugendliche kümmert, die alleine nicht mehr weiterkommen.

Eindrücke von der Vernissage

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Höllers Werke sind bis einschließlich 25. September in der Landeshauptstadt zu sehen. Die Ausstellung wird begleitet durch regelmäßige Livetalks mit dem Künstler selbst. In den „Artist Talks“ kommt der Maler selbst zu Wort und führt die Hörer im Gespräch mit dem Wiesbadener Kurator und Galeristen Christian Rother an seine Kunst und Gedankenwelt heran. Die Talks finden jeweils um 20 Uhr auf Instagram Live statt. Die Termine im Einzelnen:

08.07.  Podcast mit Alexander Höller
16.09.  Vom Wald zum Schrei. die Entwicklung von Alexander Höller

Mehr Infos auf Instagram über @smart_collectors, @galerie_roth_incubartor und @alexander_hoeller.

Foto oben ©2021 Volker Watschounek

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Die offizielle Internetseite der Wiesbadener Galerie Rother finden Sie unter www.galerie-rother.com.

 

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