Er steht jede Nacht früh auf. Sitzt fast jeden Abend auf seiner Stute Cora. Und er startet zum ersten Mal beim Wiesbadener PfingstTurnier. Nächstes Jahr. Qualifiziert hat er sich beim Schloßparkturnier.

Ob Markus Bürger vom Reitverein Wallau oder Detlef Sonnenberg von der RSG Fichtenhof Bad Homburg heimlich Strichlisten geführt haben, ist offen. Fest steht, dass sich beide Reiter im vergangenen Jahr beim Wiesbadener Schlossparkturnier, der kleinen Schwester des PfingstTurniers, die beiden Sahnehäubchen gesichert haben: je einen Startplatz für das große PfingstTurnier.

„Das ist ein sehr gutes Gefühl. Ich freue mich sehr darauf, aber… ich muss schon auch zugeben, dass ich ganz schön aufgeregt bin.“ – Markus Bürger

Sonnenberg war mit Corint und Carajon zweimal Zweiter und einmal Dritter in den M- und S-Prüfungen des Schlossparkturniers, das immer drei Wochen nach dem großen PfingstTurnier stattfindet. Bürger hat nur ein Pferd im Stall: die jetzt elfjährige Cora. Platz zwei im Ein-Sterne-S sicherte dem Bäckermeister seinen PfingstTurnier-Startplatz.

„Ich bin noch nie international gestartet. Ich bin ein waschechter Amateur und habe nur dieses eine Pferd. Für mich ist der Start beim PfingstTurnier schon wirklich eine coole Sache!“ – Markus Bürger

Das Backhaus Bürger ist seit drei Generationen in Wiesbaden bekannt und gilt als Kleinste Backstube Wiesbadens mit allerbester Handwerks-Qualität. Deswegen steht Bürger jede Nacht um 2.00 Uhr auf – Samstags auch noch früher – und geht an den Ofen. Er macht den Sauerteig noch selbst, backt die Brötchen auf Steinplatten und bietet handgeschlagene Schrippen. Mittags gegen 14.00 Uhr ist sein Arbeitstag zu Ende, dann macht er ein kleines Mittagsschläfchen und abends geht es in den Stall zu Cora.

„Cora hatte damals unheimliche Probleme mit anderen Pferden. Wenn ihr einer entgegenkam, hatte sie Panik.“ – Markus Bürger

Sein Vater sei auch geritten und er saß schon mit im Sattel auf dem Pferd, bevor er laufen konnte, schmunzelt Bürger. Wie viele, hat er den Sattel auch mal an den Nagel gehängt und für eine Zeit aufgehört zu reiten. „Aber ohne Pferd – das war nichts!“, gesteht der Sieger vom Schloßpark-Turnier ein.  Vor fünf Jahren hat er bei einem befreundeten Züchter die Holsteiner Stute Cora entdeckt.

Beim ersten Reiten in der Halle zuhause ist er direkt im Sand gelandet. Nicht Cora, sondern er selbst sei schuld daran gewesen. Schließlich habe er sich zu sehr auf das andere Pferd in der Halle konzentriert – nicht auf den Spiegel geachtet. Vor dem hat sich Cora letztendlich erschrocken. Von da an hat es zwei Jahre  gedauert, bis er das Vertrauen von Cora so stabilisiert hat, dass er sie normal reiten konnte.

„Die ersten Turniere habe ich nur danach ausgesucht, ob man viel Platz zum Abreiten hat.“ – Markus Bürger

Cora mag den Schlosspark. Schon ihre erste Springpferde-M-Platzierung hat sie beim Schlossparkturnier gefeiert. Inzwischen ist das Paar Bürger-Cora sicher auf M- und S-Niveau angekommen und fährt selten ohne Schleife nach Hause.

„Wenn ich als waschechter Amateur mit meinem Ein-Pferde-Hänger zum S-Springen angefahren komme“, grinst Bürger, „dann werde ich schon häufig genau und etwas skeptisch beäugt.“ – Markus Bürger

Für seinen ersten internationalen Start, seinen Start beim Internationalen Wiesbadener PfingstTurnier 2018, fehlt Bürger nur noch eins – eine Glückskrawatte. Seine bisherige ist auf diesem Niveau einfach nicht mehr vorzeigbar. Die hat Bürger so oft getragen, dass sie jetzt kaputt ist. Somit steht neben Brötchen backen und Training bis Pfingsten auch noch der Punkt „Krawattenkauf“ auf der To-do-Liste. Dann ist der Start frei beim Wiesbadener PfingstTurnier – für Cora und Markus Bürger und all die anderen internationalen Reiter. ?

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