1973 in Frankreich gestohlen, 2019 in Wiesbaden wieder sichergestellt wurde ein Gemälde von Théodore Chasseriau an den französischen Bürgermeister zurück gegeben.

Am vergangenem Montag, am 8. Juli, wurde in den Räumen des Polizeipräsidiums Westhessen ein besonderer Kriminalfall der lange zurückreicht zum Abschluss gebracht. Nach erfolgreicher Zusammenarbeit on Bundeskriminalamt (BKA) und der
Kriminalpolizei Wiesbaden konnte ein 1973 aus der Kirche St.-Marie-Madeleine in Marcoussis (Frankreich)
gestohlenes Gemälde von Théodore Chasseriau von Frau Polizeivizepräsidentin Roswitha Briel an den Bürgermeister von Marcoussis, Oliver Thomas, zurückgegeben werden.

Illegaler Handel mit Kulturgut

Wie kam es zu diesem besonderen Umstand? Bei einem Treffen im Rahmen des EU Projekts NETCHER zur Bekämpfung des illegalen Handels mit Kulturgut im Mai dieses Jahres in Frankfurt war eine Mitarbeiterin des BKA von einer Vertreterin des französischen Kultusministeriums auf ein Gemälde angesprochen worden. Ein französischer Restaurator hatte auf der Webseite eines Wiesbadener Auktionshauses das betreffende Gemälde entdeckt, welches zum Kauf angeboten wurde. Laut
der Aussage des Restaurators handelte es sich hierbei um das 1973 in Marcoussis entwendete Gemälde des bekannten Malers Théodore Chasseriau Jesus bei Martha und Maria. Die französische Vertreterin äußerte ihr Bedauern, dass in diesem Fall Ermittlungen wohl schwierig seien, bzw. ein Verkauf schwer zu verhindern sei, weil der Diebstahl schon so lange zurücklag und das Gemälde nicht in der nationalen und internationalen Fahndung ausgeschrieben war.

Vom Speicher in Auktionshaus

Das BKA schloss sich dieser Bewertung nicht an – und regte eine Sicherstellung wegen des Verdachts der Hehlerei eines inkriminierten Gegenstandes bei der örtlich zuständigen Wiesbadener Polizei an. Deren Ermittler zögerten nicht lange, fuhren in das Auktionshaus und stellten das Gemälde sicher. Der kontaktierte Einlieferer des Gemäldes gab an, das Gemälde
aus dem Familienbesitz geerbt zu haben. Seinem Kenntnisstand zufolge wurde das Gemälde 1974 auf dem Pariser Kunstmarkt erworben. Erst 2019 fiel ihm das Gemälde, das auf dem Speicher verwahrt worden war, wieder in die Hände und er entschloss sich zum Verkauf. Nachdem der Einlieferer erfahren hatte, dass es sich bei dem Gemälde um ein registriertes, nationales französisches Kulturgut handelt, erklärte er sich zur Überlassung an den Eigentümer, die Gemeinde Marcoussis, bereit.

Gemälde zurück gegeben

Eine wirklich außergewöhnliche Geste, die dazu führte, dass das Bundeskriminalamt gemeinsam mit dem PP Westhessen die Rückführung des Gemäldes organisieren konnten Der genaue Wert des nun zurückgeführten Gemäldes kann derzeit nicht näher beziffert werden. Das Gemälde wurde seinerzeit aus dem Rahmen herausgetrennt, weist leichte Beschädigungen auf und es fehlt eine Signatur. Andere Werke des Künstlers T. Chasseriau werden je nach Zustand ab 10.000 EUR auf dem Kunstmarkt gehandelt. Oliver Thomas bedankte sich während der Übergabe in den Räumen des PP Westhessen ausdrücklich dem BKA sowie der Wiesbadener Kriminalpolizei für die schnelle und effiziente Sachbearbeitung, die eine Rückkehr des Gemäldes möglich gemacht hatten. Der Dank der Gemeinde Marcoussis gilt in besonderem Maße auch dem Vorbesitzer, der sich freiwillig bereit erklärte, das Gemälde an die Gemeinde zurückzugeben. Der Bürgermeister erzählte während der Übergabe, dass er sich noch gut an das Gemälde erinnere, weil es zum Zeitpunkt seiner Kommunion im Jahr 1971 noch in der Kirche hing und er die Hoffnung nie aufgegeben habe, es irgendwann zurückführen zu können.

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Die offizielle Internetseite des BKA finden Sie unter www.bka.de.

 

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