Protest: Aktivisten seilen sich von Brücken ab und erzeugen Aufmerksamkeit – und durch den Einsatz der Polizei kilometerlange Staus im Rhein-Main-Gebiet. Berufspendler haben es schwer.

Mehrere unabhängig voneinander operierende Gruppen haben zum Wochenbeginn mit ihrem Protest verschiedene Autobahnen im Rhein-Main-Gebiet blockiert. Mit der Aktion soll unter Anderem Druck auf die hessische Landesregierung ausgeübt, hier insbesondere auf die Grünen, die alle ökologischen Werte mit ihrer Zustimmung zum Weiterbau der A 49 verraten und damit die Lebensgrundlagen der jungen Generation gefährden.

Kraftprobe für die Grünen

Zuletzt wurde auf der Landesmitgliederversammlung am Samstag mit starker Mehrheit ein Antrag abgelehnt, der das Ende der schwarz-grünen Koalition im Falle eines Nicht-Baustopps forderte. Der Druck, den die im Stau stehenden Menschen heute Rund um Frankfurt und Wiesbaden erlebten, richtet sich in erster Linie gegen die verfehlte Klimapolitik der Hessischen Landesregierung. Da diese Aktionsform des Banneraufspannens über eine Autobahn mit wenig Mitteln eine hohe Öffentlichkeitswirksamkeit erreicht, rechnen die Initiative Verkehrswende jetzt!  mit einer massiven Zunahme dieser Form des direkten Widerstands.

„Wie in den vergangenen Wochen wurden durch verschiedene Aktionen auch am Montag auf der A5 und der A3 durch die Polizei kilometerlange Staus ausgelöst, als Kletter geräumt wurden. Zeitgleich zu einer solchen Aktion war es vor Kurzem zu einem Auffahrunfall mit einem Schwerverletzten am Ende eines Staus auf der A3 gekommen.“

Die Aktivist sehen die Ursache für diesen Unfall nicht bei ihrem Protest. Vielmehr lägen die Ursachen für die durchschnittlich 1053 Verletzten und 9 Tote am Tag bei dem Automobil-Verkehrssystem selbst. Seit 2012 seien die Zahlen der tödlich verunglückten Verkehrsopfer deutschlandweit
relativ stabil mit über 3000 verlorenen Menschenleben pro Jahr. Kai M., ein Teilnehmer der Aktion, meint dazu, dass sie die Initiative für eine sozialgerechte und klimaschonende Verkehrswende engagiere. Wer einen sichereren Straßenverkehr wolle, sollte zusammen mit ihr für autofreie Städte und Gemeinden, für besseren und kostenfreien ÖPNV, für Fahrradstraßen und Barrierefreiheit eintreten.

„Wir wollen Aufmerksamkeit auf die jetzt stattfindende Zerstörung vergleichsweise gesunder Mischwälder wie dem Dannenröder Wald zum Weiterbau der A49 lenken.“ — Lotte M.

Der Dannenröder Wald ist gerade dabei, Symbol im Kampf für eine kraftvolle Verkehrswende zu werden. Die Aktivisten glauben, dass ein Festhalten an diesen oder ähnlichen Projekten durch weitere Infra-Infarkte politisch wie wirtschaftlich zunehmend untragbar werden würden. Ziel sei es ist nicht nur eine Anerkennung längst gemachter wissenschaftlicher Erkenntnisse in Politik und Gesellschaft, sondern auch eine sofortige Umsetzung der sich daraus ergebenden notwendigen Konsequenzen.

„Endlich Handeln statt Labern! Wir wollen mehr Menschen dazu zu bewegen, den notwendigen Druck auf lahmarschige PolitikerInnen aufzubauen, diesen (selbst)-zerstörerischen Weg jetzt endlich zu verlassen.“ – Lotte M.

Die Beteiligten hoffen auf zahlreiche Mitstreiter. Tabby M. meint dazu, dass in den Medien oft aufgebauscht werde, welche drastischen
Strafen bei direkten Aktionen wie dem Abseilen von Autobahnbrücken angeblich zu erwarten wären. In der Realität handele es sich bei dem aktiven Protest aber in der Regel lediglich um Ordnungswidrigkeiten. Straferwartungen seien zwar nicht die Maxime nach der man handele, dennoch seien repressionsarme Aktionsformen für viele Menschen anschlussfähiger.

„Wir leben in einer Gesellschaft, in der das Habenwollen als Ersatzbefriedigung für all die Sachen kultiviert wird, die wir in Wirklichkeit am meisten wünschen:  Nähe zum Mitmenschen, sinnvolle Tätigkeit und Gelegenheit sich weiter zu entwickeln. Statt die Konsumspirale immer weiter zu drehen, müssen wir uns selbst ermächtigen! Zum Beispiel durch direkte Aktionen. Macht mit!“ – Tabby M

Der Dannenröder Forst ist ein ca. 1000 ha großer und ca. 300 Jahre alter Laub- und Mischwald 20 km östlich von Marburg. Der Wald gilt seit den 1980er Jahren als Vorzeigewald für nachhaltige Forstwirtschaft. Seit Oktober 2019 wird der Wald von Aktivisten besetzt, um gegen die Rodung in diesem und angrenzenden Wäldern zu protestieren die für das Gesamtprojekt Bundesautobahn 49 bis zu 85 Hektar Rodungsfläche sowie 123 Hektar Flächenversiegelung durch Asphalt bedeutet. Unsere Aktion ist gleichzeitig eine Solidaritätserklärung mit dem Widerstand gegen die A49 und allen Menschen und Bewegungen, die sich gegen Straßenneubau und für eine Verkehrswende einsetzen. (Foto: Jörg Halisch)

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Die offizielle Internetseite zum Dannenröder Forst finden Sie unter www.dannenröderforst.de.

 

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