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Martin Kraft und Gesine Bonnet

Grün. Sozial. Digital. Wiesbaden im Umbruch.

Der Wahlkampf erreicht seinen Höhepunkt, die Plakate säumen Wiesbadens Straßen. Im exklusiven Interview erklären Gesine Bonnet und Martin Kraft, Spitzenkandidaten der Grünen, wie sie Klimaschutz, bezahlbares Wohnen und eine moderne Mobilität verbinden wollen – und warum ihre Partei Chancen auf mehr Sitze im Stadtparlament sieht.

Volker Watschounek 1 Stunde vor 0

Bonnet und Kraft skizzieren, wie Wiesbaden grüner, sozial gerechter und digitaler werden kann.

Es werden immer noch mehr Plakate, der Wahlkampf befindet sich in seiner entscheidende Phase. Am Sonntag wählen die Bürger ein neues Stadtparlament. Wie sie inzwischen gemerkt haben, sprechen wir in unsere Serie mit den Spitzenkandidaten der zwölf antretenden Parteien über ihre Ziele, ihre wichtigsten Themen und ihre Pläne für die kommenden Jahre.

Heute im Interview: Gesine Bonnet, Spitzenkandidatin von der Grüne Wiesbaden. Zusammen mit Martin Kraft erklärt sie, welche Schwerpunkte ihre Partei im Wahlkampf setzt, welche Veränderungen sie für die Stadt anstrebt – und warum Georgi glaubt, dass ihre Partei bei der Kommunalwahl stärker abschneiden kann.

Frau Bonnet, Herr Kraft …

Was sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Aufgaben für Wiesbaden in der kommenden Wahlperiode?

Für uns stehen drei Aufgaben im Mittelpunkt: Erstens müssen wir Wiesbaden klimafest machen – mit mehr Grün, besserer Mobilität und konsequentem Klimaschutz. Zweitens wollen wir die soziale Infrastruktur zukunftsfest machen – dazu gehören unter anderem ganztagstaugliche Schulen. Drittens braucht die Stadt eine moderne, transparente Verwaltung, die schneller entscheidet und Bürger aktiv einbindet.

Wiesbaden verfügt über hohe Einnahmen, steht aber auch vor steigenden Ausgaben. Wo sehen Sie das größte Problem im städtischen Haushalt – Einnahmen oder Ausgaben? Und welche konkrete Maßnahme würden Sie zuerst umsetzen?

Die Frage greift zu kurz. Bund und Land verpflichten uns per Gesetz zu immer mehr Aufgaben, ohne das mit ausreichenden finanziellen Mitteln zu hinterlegen. Das gilt zum Beispiel für den Ganztagsausbau. Wir haben es zudem mit einem massiven Sanierungsstau zu tun, der sich auf den Straßen und an kaputten Kanälen und Leitungen bemerkbar macht. Zugleich müssen wir die Jahrhundertaufgabe der Energiewende bewältigen. Die zuletzt auch von der CDU vollzogene Reform der Schuldenbremse auf Bundesebene zeigt: Wer jetzt allein das Sparen zur Maßgabe macht, verschenkt Wachstumschancen und verschiebt Kosten auf künftige Generationen. 

Deswegen sind bestimmte Ausgaben nicht vermeidbar, wenn wir unsere Stadt zukunftsfest machen und eine soziale Spaltung der Stadtgesellschaft verhindern wollen. Zugleich legen wir GRÜNEN Wert auf nachhaltige kommunale Finanzen und die systematische Überprüfung von Ausgaben. Wir bringen Verwaltungsreformen weiter voran, wollen das soziale Netz evaluieren und im Detail schauen: Wo können wir effizienter agieren, zum Beispiel durch mehr Digitalisierung, ohne Leistungen einstellen zu müssen? Diesen Weg sind wir in den letzten Jahren bereits gegangen. So haben wir eine neue Immobilienstrategie verabschiedet – Bündelung der Kräfte und Kompetenzen, statt Zersplitterung und Gemischtwarenläden.

Welche Rahmenbedingungen muss Wiesbaden verbessern, damit Unternehmen investieren und Arbeitsplätze entstehen?

Für Unternehmen spielen Standortfaktoren in ihrer ganzen Breite eine Rolle, deswegen müssen aus unserer Sicht alle im Blick sein: von einem flüssigen Verkehr (siehe Frage 5 und 6), über eine funktionierende Verwaltung und schnelle Genehmigungsprozesse (Frage 8 und 9) bis hin zur Verfügbarkeit von Flächen (Frage 4). In Zeiten des Fachkräftemangels stärken wir Beschäftigung und Ausbildung. Dazu gehören ein gutes Berufsschulangebot sowie Arbeitsmarktprojekte für benachteiligte Gruppen wie Geflüchtete, denen wir mit einer Bleiberechtsberatung Türen öffnen. Weiche Standortfaktoren gewinnen angesichts der Notwendigkeit, gute Mitarbeiter zu gewinnen, eine immer größere Rolle: bezahlbare Wohnungen (Frage 7), gute Kitas und Schulen, der Ganztagsausbau und, nicht zuletzt, Kultur- und Freizeitangebote. Das, was eine lebenswerte Stadt ausmacht – mit viel Grün, einem attraktiven öffentlichen Raum, einer lebendigen Innenstadt mit vielseitiger Gastronomie – ist auch für Unternehmen gut. 

Was noch anzumerken ist: Die Investitionsbereitschaft von Wiesbadener Unternehmen hängt maßgeblich von Rahmenbedingungen ab, die wir als Kommune nicht beeinflussen können. Dazu zählen steigende Energie- und Rohstoffpreise, die neue amerikanische Zollpolitik und wachsende geopolitische Unsicherheiten. 

Wir GRÜNE sind angesichts dessen umso mehr überzeugt davon, dass uns der Umstieg auf erneuerbare Energien unabhängiger und wettbewerbsfähiger macht und grüne Technologien ein Innovations- und Wachstumsmotor sind. Das zeigt auch der Blick auf die Start-up-Szene hier und wie anderswo. Eine nachhaltige Gründerförderung und der konsequente Ausbau einer klimaneutralen Energieversorgung gehören für uns daher ebenfalls zu einer zukunftsorientierten Standortpolitik. 

Viele Betriebe klagen über fehlende Gewerbeflächen. Soll Wiesbaden neue Gewerbegebiete ausweisen – und wenn ja, wo?

Wir haben uns dafür eingesetzt, dass bei der Aufstellung des neuen Flächennutzungsplan die Entwicklungsperspektiven des Gewerbes konsequent Berücksichtigung finden. Denkbar wäre eine Erweiterung des Max-Planck-Gewerbeparks unweit der A66 in Delkenheim. Wir wollen aber auch mindergenutzte Gewerbegebiete, etwa am Petersweg Ost, entwickeln und bereits bestehende Gewerbeflächenpotenziale zur Planungsreife bringen. Zudem eröffnen die Konversionsflächen von Polizei und BKA Perspektiven für die Wohn-, aber auch die Gewerbeflächenentwicklung. 

Der Verkehr ist eines der emotionalsten Themen der Stadt. Wie soll sich die Verkehrspolitik in Wiesbaden in den nächsten Jahren verändern?

Das Ziel grüner Verkehrspolitik ist es, dass alle mit dem von ihnen gewählten Verkehrsmittel gut und sicher an ihr Ziel kommen und Mobilität und Lebensqualität in Einklang gebracht werden. Für echte Wahlfreiheit braucht es einen Verkehrssystem, das nicht allein auf das Auto zugeschnitten ist, sondern auch für den Fuß- und Radverkehr sichere und attraktive Wege und ein leistungsfähiges und zuverlässigem ÖPNV-Angebot bereithält. Je mehr Menschen auch ohne eigenen PKW gut an ihr Ziel kommen, umso besser läuft es auch für diejenigen, die mit dem Auto unterwegs sind.

Den Ausbau und die Verbesserung des Fuß und Radwegenetzes wollen wir daher konsequent vorantreiben, Lücken und Gefahrenstellen beseitigen und die Verkehrssicherheit für alle so erhöhen, dass auch immer mehr Schülerinnen und Schüler gerne und sicher zu Fuß oder mit Fahrrad unterwegs sein können. Die Radschnellwege nach Mainz und Frankfurt wollen wir endlich in die Umsetzung bringen und so vielen Pendlern eine echte Alternative eröffnen. 

Beim Pkw-Verkehr wollen wir durch angemessene Geschwindigkeiten und eine intelligente Verkehrsführung Durchgangsverkehr aus der Stadt hinaus verlagern und Staus vermeiden, Beeinträchtigungen durch Lärm und Abgase reduzieren und die Verkehrssicherheit erhöhen.

Nur wenn wir ein weiteres Anwachsen des Pkw-Bestands vermeiden, kann sich die Parksituation in den Vierteln entspannen. Daher setzen wir auf ein intelligentes Parkraummanagement, eine faire Bepreisung des Bewohnerparkens nach Größe, die Öffnung privater Parkplätze, sowie die Vermeidung von Parksuchverkehr durch eine konsequente Leitung von Besucher*innen in die städtischen Parkhäuser.

Welche Rolle soll der ÖPNV künftig spielen – und welche konkrete Verbesserung würden Sie als erstes angehen?

Da Busse und Bahnen auf begrenztem Raum mehr Menschen zügig durch die Stadt befördern können als jedes andere Verkehrsmittel, ist ein attraktiver ÖPNV der Schlüssel zu guter Mobilität in der Wiesbaden. 

Mit dem neuen Nahverkehrsplan haben wir ein neues effizienteres Buslinienetz auf den Weg gebracht. Nun gilt es, nicht nur die Basisversion sondern das leistungsfähigere Zielnetz in die Umsetzung zu bringen, den dringend nötigen zweiten Betriebshof zu bauen und mit weiteren Umweltspuren Pünktlichkeit und Netzstabilität zu verbessern. 

Außerdem wollen wir den Bau der Wallauer Spange und der Aartalbahn weiter vorantreiben und damit Wiesbadens Vernetzung ins Umland und die Anbindung zum Fernverkehr verbessern.

Um die  Verkehrsbelastung in der Stadt nachhaltig zu reduzieren, benötigt auch der innerstädtische ÖPNV eine Wachstumsperspektive über das Jahr 2030 hinaus. Wir GRÜNEN sprechen daher dafür aus, den Beispielen vieler anderer europäischer Städte zu folgen und ein leistungsfähiges modernes Straßenbahnnetz zu etablieren.

Steigende Mieten und knapper Wohnraum beschäftigen viele Bürger. Was ist Ihre wichtigste Maßnahme, um Wohnraum bezahlbarer zu machen?

Was in Wiesbaden funktioniert hat, behalten wir bei: Dazu gehören 40 Prozent geförderte Wohnungen bei Neubauprojekten und der Baulandbeschluss, der sicherstellt, dass die Stadt bei der Entwicklung neuer Flächen selbst am Steuer bleibt. Das sind keine Selbstverständlichkeiten – das haben wir durchgesetzt und das muss bleiben.

Dabei bauen wir kompakt und möglichst im Bestand statt auf der grünen Wiese: Nachverdichtung, Konversionsflächen, Dachaufstockungen. Das schont Boden und Klima – und nutzt Infrastruktur, die bereits vorhanden ist. Energetische Sanierung denken wir dabei immer mit: Eine gut gedämmte Wohnung senkt Nebenkosten und schützt an heißen Sommertagen die Gesundheit.

Zusätzlich wollen wir Genossenschaften als Wohnform deutlich stärken. Sie vermieten nicht zum Höchstpreis, reinvestieren ihre Einnahmen und gehören den Menschen, die dort wohnen. Eine kommunale Anlaufstelle soll Neugründungen aktiv unterstützen – für dauerhaft bezahlbares, demokratisches und klimagerechtes Wohnen in Wiesbaden.

Eine große finanzielle Gefahr stellen Ungewissheiten bei der Wärmewende dar. Alle Expert sind sich einig: Gas und Öl werden in den nächsten Jahren durch Emissionshandel und weitere Effekte deutlich teurer – auch wenn kein Krieg mehr im Nahen Osten herrscht. Wenn wir nichts tun, droht immer mehr Haushalten eine sogenannte Energiearmut. 

Wir GRÜNEN stehen auch nach der energiepolitischen Kehrtwende der Bundesregierung ein für eine sichere, preiswerte und klimafreundliche Wärmeversorgung, die Mieter schützt und Eigentümer Planungssicherheit gibt. Als Stadt machen wir mit der Wärmeplanung transparent, wo es Fernwärme geben wird und wo der Einsatz einer Wärmepumpe die wirtschaftlichste Alternative ist. 

Viele Bürger und Unternehmen klagen über langsame Verfahren. Wie wollen Sie Verwaltung, Genehmigungen und Bürgerdienste schneller und einfacher machen?

Für uns GRÜNE ist klar: Eine moderne Verwaltung muss digital, transparent und bürgerfreundlich sein. Bürger wie Unternehmen sollen Behördengänge unkompliziert online erledigen können, ohne mehrfach dieselben Unterlagen einreichen zu müssen. 

Digitalisierung ist dabei kein Selbstzweck, sondern ein wichtiges Werkzeug, um Verfahren einfacher und schneller und unsere Verwaltung effizienter, agiler und zukunftsfester zu machen. Deswegen gehören Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung zusammen. In Zeiten des demografischen Wandels (in den nächsten Jahren scheiden deutlich mehr Beschäftigte altersbedingt aus als nachkommen werden) brauchen wir eine bessere, strategisch ausgerichtete Zusammenarbeit über alle Verwaltungsbereiche hinweg sowie zwischen Kernverwaltung und städtischen Gesellschaften. Wir haben deswegen bereits in der zurückliegenden Wahlperiode eine Initiative auf dem Weg gebracht, die dazu beitragen soll, mehr Synergien zu schaffen und Doppelstrukturen abzubauen.

Mit Projekten wie dem digitalen Zwilling und Open-Data-Plattoformen schaffen wir zudem die Grundlage für effizientere Planung, bessere Entscheidungen und eine moderne Stadtentwicklung. Das macht Verwaltung nachvollziehbarer und Entscheidungen transparenter.

Wo hat Wiesbaden beim Thema Digitalisierung aus Ihrer Sicht den größten Nachholbedarf?

Bei der bundesweiten Umsetzung des Online-Zugangsgesetzes hat es an vielen Stellen gehakt. Für uns ist es entscheidend, dass nicht jede Kommune das Rad neu erfindet, sondern dass arbeitsteilig vorgegangen wird und ein digitaler Werkzeugkasten zur Verfügung steht, bei dem sich alle bedienen können. Das spart Kosten und Zeit und wir können deutschlandweit mehr Schwung in die Verwaltungsdigitalisierung bringen. Das ist dringend nötig. 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist für uns die Übersichtlichkeit digitaler Angebote. In Wiesbaden gibt es viele Informationen, Veranstaltungen und Services – aber sie sind oft auf unterschiedliche Plattformen verteilt. Deshalb wollen wir eine „Alles Wiesbaden“-App entwickeln, die Veranstaltungen, städtische Angebote, Beteiligungsmöglichkeiten und digitale Services bündelt.

Unser Ziel ist eine Stadt, in der Digitalisierung den Alltag wirklich erleichtert – für Bürger*innen, Unternehmen und die Verwaltung selbst.

Wiesbaden gilt als lebenswerte Stadt – doch viele Bürger wünschen sich Verbesserungen. Was würden Sie konkret verändern, damit Wiesbaden lebenswerter wird?

Mehr Grün und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, mehr Platz zum Flanieren und Verweilen. Wir setzen auf eine Stadt der kurzen Wege, in möglichst alle Bedarfe des Alltags wohnortnah erledigt werden können.

Unsere attraktive dichte Innenstadt sollte sich daher auf ihre Stärken besinnen, statt mit den Parkplatzwüsten in der Peripherie zu konkurrieren. Mit Stadtreparaturprojekten wie der Begrünung des Elsässer Platzes und der Neugestaltung der Schwalbacher Straße schaffen wir urbanen Aufenthaltsqualität und sorgen für mehr Grün in der Stadt.

Wenn Sie Wiesbaden in einem Satz beschreiben müssten: Wofür soll diese Stadt in zehn Jahren stehen?

Für hohe Lebensqualität und Prosperität, weil Zukunftschancen konsequent genutzt wurden. 

Angenommen, die Stadt Wiesbaden hätte unerwartet eine Million Euro zusätzlich zur Verfügung – ohne Zweckbindung. Wofür würden Sie dieses Geld einsetzen und warum?

Wir würden ein Sonderprogramm 1.000 Bäume für Wiesbaden auflegen und damit für mehr Grün in unserer Stadt zu sorgen. Die Pflanzung großer klimaresilienter Bäume ist eine der effektivsten Methoden, der Erhitzung der Innenstadt in Zeiten des Klimawandels entgegen zu wirken. Bäume sorgen für Schatten und Kühle, sie wirken als CO2-Senke und steigern nachhaltig die Lebensqualität in unserer Stadt. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Foto – Gesine Bonnet und Martin Kraft ©2026 Dir Grünen

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Die Internetseite zu den Wahlen in Wiesbaden finden Sie unter www.wiesbaden.de.
Mehr von der Partei Grüne Wiesbaden.

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