Drei Kommunen fordern Tempo für die Wallauer Spange. Sie sparen um, planen neu – und setzen auf Baustart 2027.
Die Wallauer Spange bleibt ein Versprechen – und sie soll endlich eines werden, das hält. Wiesbaden, Hochheim und Hofheim am Taunus erhöhen den Druck auf die Bundesregierung und die DB InfraGo. Sie fordern, die Bauarbeiten für das Schienenprojekt zügig zu starten. Gleichzeitig arbeiten sie im Hintergrund weiter, rechnen, verwerfen, planen neu. Ihr Ziel steht: 2030 soll der neue Haltepunkt Wallau/Delkenheim eröffnen.
Ein Projekt mit Signalwirkung
Die Wallauer Spange verbindet künftig die Landeshauptstadt Wiesbaden direkt mit der ICE-Schnellfahrstrecke Köln–Frankfurt und damit mit dem Flughafen Frankfurt. Was nach einer technischen Verbindung klingt, bedeutet für die Region einen strukturellen Sprung. Pendler sparen Zeit, Unternehmen gewinnen Standortvorteile, der Verkehr verlagert sich auf die Schiene.
Hofheims Erster Stadtrat Daniel Philipp fordert, dass der Baustart 2027 erfolgt. Die Finanzierung müsse der Bund bis dahin sichern. Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende spricht von einem „zentralen Baustein für ein leistungsfähiges Schienennetz“. Die Region könne es sich nicht leisten, dass dieses Projekt weiter stocke. Auch Hochheims Bürgermeister Dirk Westedt mahnt Tempo an: Die bessere Anbindung an Flughafen und Frankfurter Innenstadt komme den Bürgern unmittelbar zugute.
Kommunen liefern – und sparen
Während in Berlin über Haushaltslinien diskutiert wird, drehen die Fachämter vor Ort an Stellschrauben. Die Kommunen überarbeiten die Planungen für das Umfeld des Haltepunkts. Sie reagieren auf eine nüchterne Kennzahl: das Nutzen-Kosten-Verhältnis. Damit das Projekt nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz förderfähig bleibt, muss es deutlich über 1 liegen.
Also rechnen die Planer neu. Statt eines Parkhauses entsteht nun zunächst ein ebenerdiger Parkplatz. Die Bushaltestellen rücken an den Fahrbahnrand der Landesstraße 3017 und an die geplante Verbindungsstraße zur L3028. Wendemöglichkeiten für Busse, Pausenplätze, Fahrradabstellanlagen, Sozialräume und Toiletten bleiben vorgesehen. Eine Personenunterführung sowie ein Steg vom Parkhaus zum Gleis fallen hingegen weg.
Verkehrsdezernent Andreas Kowol betont, die Kommunen nähmen Geld in die Hand und integrierten den Haltepunkt konsequent in Busnetz, Radwege und Straßennetz. Im Gegenzug erwarteten sie von DB InfraGo und Bund verlässliche Zeitpläne und transparente Entscheidungen.
Mehr als ein Haltepunkt
Die Diskussion um die Wallauer Spange zeigt, wie Infrastruktur heute entsteht: Sie entsteht nicht nur im Gleisbett, sondern in Sitzungsräumen, Kalkulationstabellen und Förderanträgen. Jede Rampe, jeder Stellplatz, jede Busbucht beeinflusst die Förderquote. Wer baut, muss rechnen. Wer rechnen will, muss priorisieren.
Gleichzeitig bleibt der politische Druck hoch. In der kommenden Woche wollen die drei Kommunen ihre Forderungen in einem gemeinsamen Gespräch mit der Deutschen Bahn, Hessen Mobil, der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft und ESWE Verkehr bekräftigen. Sie präsentieren nicht nur Wünsche, sondern konkrete, angepasste Planungen.
2030 im Blick
Ob die Wallauer Spange tatsächlich 2030 in Betrieb geht, entscheidet sich in den kommenden Jahren. Die Kommunen haben ihren Teil formuliert: Sie planen weiter, sie reduzieren Kosten, sie stimmen Details ab. Nun liegt der Ball bei Bund und Bahn.
Die Region wartet nicht auf Applaus, sondern auf Baubeginn. Und vielleicht gilt für dieses Projekt, was für jede gute Zugverbindung gilt: Entscheidend ist nicht, wie lange man darüber spricht – sondern wann man losfährt.
Symbolfoto ©2026 KI-generiert
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