„Unter Druck“ zeigt im Museum Wiesbaden, wie politische Plakate zwischen 1918 und 1933 Meinungen formen, Emotionen lenken und herausfordern.
Im Museum Wiesbaden hängen ab dem 6. Februar Plakate, die nicht flüstern, sondern rufen. Die Ausstellung „Unter Druck“ zeigt politische Plakate aus den Jahren 1918 bis 1933 – laut, farbig, emotional. Sie stammen aus der Sammlung des Wiesbadeners Maximilian Karagöz und erzählen von einer Zeit, in der Bilder begannen, Politik zu machen. Nicht beiläufig, sondern gezielt. Nicht dekorativ, sondern wirkungsmächtig.
Museum Wiesbaden, kurz gefasst
Sonderausstellung – „Unter Druck“
Eintritt: 12,- Euro regulär / 9,- Euro ermäßig
Datum: Freitag, 6. Februar bis 9. August 2026
Öffnungszeiten: 10:00 bis 17:00 Uhr, donnerstags bis 21:00 Uhr und montags geschlossen
Wo: Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur (Museums Wiesbaden), Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden
Bilder, die überzeugen wollen
Rund 80 Plakate führen vor Augen, wie visuelle Kommunikation in der Weimarer Republik funktioniert. Parteien informieren, werben, warnen – und manipulieren. Plakate schüren Emotionen, schaffen Feindbilder, verdichten komplexe Inhalte auf wenige Zeichen. Sie hängen an Litfaßsäulen, kleben an Bauzäunen, prangen an Fassaden. Sie konkurrieren um Aufmerksamkeit, sie wollen gewinnen. Stimmen.
Dass diese Ausstellung 2026 nach Wiesbaden kommt, passt ins größere Bild. Die Region Frankfurt RheinMain trägt den Titel World Design Capital 2026. Das Motto „Design for Democracy“ rahmt den Blick auf Gestaltung als politisches Werkzeug. „Unser Beitrag ist die Plakatgestaltung während der Weimarer Republik“, sagt Museumsdirektor Andreas Henning. Parallel kündigt das Museum bereits den nächsten Akzent an: „Women & Type“ bringt im Sommer zeitgenössische Typografie internationaler Gestalterinnen auf die Wilhelmstraße.
Die Straße als Bühne der Politik
Lange bremst Preußen politische Werbung aus. Zwischen 1849 und 1914 verhindern strenge Gesetze öffentliche Agitation. Erst der Erste Weltkrieg löst die Fesseln. Politik greift auf die Mittel der Reklame zurück. Farbe, Typografie, Symbolik. „Der November 1918 markiert die Blütezeit des politischen Plakats“, sagt Kurator Peter Forster. Die industrielle Produktion ermöglicht große Auflagen, Künstler wenden sich dem Medium zu, verleihen ihm Prestige.
Auch bekannte Namen tauchen auf. Jugendstil prägt die Bildsprache, darunter Ludwig Hohlwein und Lucian Bernhard. Ihre Arbeiten zeigen, wie eng Kunst und Propaganda sich verschränken, wie Gestaltung überzeugt, verführt, vereinfacht.

Kampf der Bilder
Im Wahlkampf eskaliert der visuelle Wettstreit. Plakate gleichen Kampfansagen. Sie polarisieren, radikalisieren, versprechen einfache Lösungen. Die Ausstellung spart problematische Inhalte nicht aus. Rassismus, Sexismus und Antisemitismus prägen viele Motive. Gerade deshalb fordert „Unter Druck“ zur Auseinandersetzung auf. Wer die Strategien erkennt, durchschaut ihre Wirkung.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 endet die Vielfalt. Einheitsbilder verdrängen Debatten. Dieser Bruch markiert das Ende des ersten Ausstellungsteils. In Kooperation mit dem Hessischer Landtag folgt der zweite Blick: Von 1945 bis 1991 zeigen Plakate Nachkriegsordnung, Kalten Krieg, Wirtschaftswunder und Wiedervereinigung.
Lernen aus der Geschichte
„Unter Druck“ fragt nicht nostalgisch, sondern aktuell. Wie wirkt politische Werbung heute? Welche Bilder dominieren den öffentlichen Raum? Die Ausstellung legt Mechanismen offen und lädt zum kritischen Sehen ein. Begleitend erscheint im März der Katalog „Unter Druck. Politische Plakate 1918–1991“ im Deutscher Kunstverlag.
Bild – Blick in die Ausstellung ©2025 Volker Watschounek / Wiesbaden Lebt!
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