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Premierenabend im Hessischen Staatstheater

Zwei Körper im Wüstensand, Maria Lazars Antikriegsnovelle

Das Staatstheater Wiesbaden entdeckt eine vergessene Stimme neu: Maria Lazars Antikriegstext „Zwei Soldaten“ feiert am 13. März Uraufführung auf der Studiobühne. Zwei verwundete Feinde liegen im Wüstensand – und erkennen in ihren letzten Stunden, wie ähnlich sie sich eigentlich sind.

Volker Watschounek 1 Stunde vor 0

Premeiere von Maria Lazars Antikriegstext „Zwei Soldaten“. Regisseurin Julia Gudi bringt die vergessene Novelle als Kammerspiel auf die Bühne.

Das Staatstheater Wiesbaden wagt einen Blick zurück – und richtet ihn zugleich nach vorn. Am Freitag, 13. März 2026 feiert auf der Studiobühne die Uraufführung eines lange übersehenen Textes Premiere: „Zwei Soldaten“ nach der österreichischen Schriftstellerin Maria Lazar.

Staatstheater Wiesbaden

Uraufführung – Zwei Soldaten
Eintritt: ab 11,00 Euro
Wann: Freitag, 13. März 2026, ab 19:30 Uhr
Weitere Termine: 01. April
Wo: Hessisches Staatstheater Wiesbaden, Großes Haus, Christian-Zais-Straße 3, 65189 Wiesbaden

Die Produktion bringt ein Stück Literaturgeschichte auf die Bühne, das Jahrzehnte lang kaum gelesen wurde. Lazar schrieb ihre Novelle gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im schwedischen Exil. Sie gehörte zu jenen jüdischen Autorinnen, deren Stimme im Nationalsozialismus verstummte, weil das Regime ihre Bücher verbot. Erst in den vergangenen Jahren entdeckten Theater und Verlage ihr Werk neu. Jetzt erreicht dieser Text erstmals die Bühne in Wiesbaden.

Zwei Feinde im Sand

Die Geschichte beginnt dort, wo der Krieg seine Spuren offen zeigt. Ein britischer Kampfpilot und ein SS-Sturmmann liegen verwundet im Wüstensand. Beide kämpfen um ihr Leben. Beide tragen Uniformen verfeindeter Armeen. Doch während die Stunden vergehen, bricht eine andere Wahrheit hervor. Die Männer denken an ihre Familien. Sie erinnern sich an vertraute Stimmen, an Orte aus ihrer Kindheit, an kleine Szenen des Alltags.

Der Krieg hat sie zu Gegnern gemacht. Das Leben jedoch zeigt, wie ähnlich sie sich sind. Ein Gespräch entsteht nicht. Worte bleiben aus. Die Gedanken kreisen nur umeinander. Der Krieg duldet keine Versöhnung. Und doch lässt Maria Lazar spüren, wie nahe sich diese beiden Menschen eigentlich stehen.

Popästhetik trifft Antikriegstext

Die junge Regisseurin Julia Gudi bringt den Stoff als konzentriertes Kammerspiel auf die Bühne des Staatstheater Wiesbaden. Sie erzählt nicht mit großen Schlachtbildern. Sie konzentriert sich auf den Moment zwischen Leben und Tod. Gudi verbindet den literarischen Text mit einer klaren Bildsprache. Erinnerungssequenzen gleiten über die Bühne. Gesten ersetzen lange Dialoge.

Live-Musik, Videoprojektionen und dichte Klangflächen formen eine Atmosphäre, die gleichzeitig unmittelbar wirkt und Raum für eigene Gedanken lässt. Das Sounddesign verantworten Janathan Lutz und Krsto Balic, während Carolin Wirth das Bühnenbild gestaltet. Gemeinsam erschaffen sie ein Universum, das zwischen Traum, Erinnerung und Gegenwart schwebt.

So erzählt die Inszenierung nicht nur von zwei Soldaten. Sie fragt, was Krieg mit Menschen macht – damals wie heute.

Eine Regisseurin zwischen Popkultur und Klassiker

Julia Gudi gehört zu einer jungen Generation von Theatermacherinnen, die klassische Texte mit neuen ästhetischen Formen verbinden.1997 in Hannover geboren, entwickelte sie bereits früh eigene Stücke. Seit 2015 bringt sie ihre Arbeiten auf Bühnen und Festivals. Produktionen entstanden am Staatstheater Hannover ebenso wie bei überregionalen Projekten.

Für ihre Arbeiten erhielt sie den Jugendkulturpreis Niedersachsen. Während ihres Studiums der Theaterwissenschaft arbeitete sie außerdem mit dem Performancekollektiv Chicks* zusammen und engagierte sich bei den Aktionist*innen des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin.

Heute studiert sie Regie an der HfMDK Frankfurt. Dort entwickelte sie mehrere Studienprojekte und schrieb eigene Dramen sowie Libretti. „Zwei Soldaten“ bildet nun den Abschluss ihres Regiestudiums – entstanden in Kooperation mit dem Staatstheater Wiesbaden.

Ihre Inszenierungen verbinden popkulturelle Bildwelten mit literarischen Texten. Sie sucht dabei immer nach Momenten der Krise, in denen Figuren sich neu erkennen müssen.

Ein Text, der heute wieder spricht

Die Wiederentdeckung von Maria Lazar zeigt, wie schnell literarische Stimmen verschwinden können – und wie kraftvoll sie zurückkehren. Ihre Werke beschreiben Gesellschaften im Umbruch. Sie zeigen Menschen, die zwischen Ideologie, Angst und Hoffnung ihren Weg suchen. Gerade deshalb wirkt „Zwei Soldaten“ heute erstaunlich aktuell. Die Inszenierung erinnert daran, dass Kriege nicht nur Fronten verschieben. Sie verändern auch Menschen. Sie zerstören Gewissheiten.

Und doch stellt Lazars Text eine leise Frage: Was bleibt vom Menschlichen, wenn alles andere zerfällt? Das Staatstheater Wiesbaden öffnet mit dieser Uraufführung einen Raum für diese Frage. Auf der kleinen Studiobühne entsteht ein Theaterabend, der still beginnt – und lange nachhallt.

Foto – Premierenabend im Hessischen Staatstheater ©2026 Sven Helge Czichy

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