Es sind Plusgrade und der Schnee bleibt. Das liegt an der Trockenheit. Zum Tauen braucht es Luftfeuchtigkeit. Physik ist schon komisch.

Die Natur hält für uns immer wieder Überraschungen parat: Die meisten Menschen glauben sicherlich, dass Schnee schmilzt, wenn das Thermometer Plusgrade anzeigt. Doch kurioserweise ist die Temperatur für das Verschwinden von Schnee gar nicht so wichtig. Woran liegt es dann? Wir haben bei dem Meteorologen Björn Goldhausen nachgefragt. Der Wetterexperte erklärt, dass der Taupunkt von Schnee vielmehr von der Luftfeuchte als von der eigentlichen Temperatur abhänge.

„Der Taupunkt als Maß für die Luftfeuchte bezeichnet die Temperatur, bei der die Luft gesättigt ist. Theoretisch betrachtet herrscht dann Nebel. So gesehen kann der  Taupunkt über oder unter dem Gefrierpunkt liegen.“Björn Goldhausen, Wetteronline

Nur bei Plusgraden und feuchter Luft beginne die weiße Pracht zu tauen, erklärt Goldhausen. In diesem Fall wird der Schnee zu Wasser. Er geht dann vom festen in den flüssigen Zustand über. Die Schneedecke verliert in dem Moment rasant an Masse. Wenn auch noch Wind und Regen mit ins Spiel kommen, verschwindet selbst viel Schnee relativ schnell. Wenn der Boden gefroren ist und so kein Wasser aufnehmen kann, kommt es häufig zu starkem Hochwasser in den Flüssen.

„Liegen Taupunkt und Feuchttemperatur unter dem Gefrierpunkt, so sublimiert der Schnee nur noch. Einfach ausgedrückt: Er verdampft.“ Björn Goldhausen, Wetteronline

Ganz anders ist es bei trockener Luft: Hier kommen neben der Temperatur auch noch der Taupunkt und die  Feuchttemperatur ins Spiel. Die Feuchttemperatur liegt zwischen Taupunkt und Lufttemperatur. Sie wird übrigens mit einem normalen Thermometer ermittelt, dass während des Messvorgangs mit einem feuchten Tuch überzogen und belüftet wird. Liegen Luft- und Feuchttemperatur beide über dem Gefrierpunkt, der Taupunkt aber noch darunter, so beginnt der Schnee zu schmelzen. Dabei geht er sowohl in den flüssigen als auch in den gasförmigen Zustand über.

Schneien, Tauen, Dampfen

Die Schneedecke nimmt nun schon langsamer ab als beim Tauen. Darunter versteht man den direkten Übergang von Schnee in Wasserdampf. Die Schneedecke nimmt nun nur noch sehr langsam ab und der Schnee bleibt sogar pulvrig. Dabei spielt die Lufttemperatur eine nur untergeordnete Rolle. Das heißt, diese kann durchaus im Plusbereich liegen.

„Wenn die Fußbodenheizungnoch richtig aufgedreht ist, also der Erdboden warm ist, wird eine Schneedecke selbst bei Minusgraden rasch dünner.“ – Björn Goldhausen, Wetteronline

Es gibt noch eine weitere Art, wie Schnee verschwindet. Man kann Schnee auch mittels einer Bodenheizung  oder Rasenheizung zum Tauen bringen. Der Prozess dauert unter umständen mehrere Tage. Er verlangsamt sich erst dann, wenn der Boden ausreichend abgekühlt ist. Nur deutliche Minusgrade und ein Durchfrosten der Schneedecke kann den Prozess komplett stoppen. Besonders im Herbst und Frühwinter sorgt der warme Erdboden manchmal für kuriose Bilder: Dann hüllen sich Bäume und Sträucher in ein dickes Winterkleid, während der Erdboden grün ist. Die Fußbodenheizung hat in diesem Fall ganze Arbeit geleistet.

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