Die Jahresausstellung „Gift — Tödliche Gaben“ zeigt im Museum, wie Natur und Mensch mit toxischen Stoffen umgehen, zwischen Gefahr und Heilung
Was tötet, kann heilen. Was schützt, kann zugleich bedrohen. Die neue Jahresausstellung „Gift — Tödliche Gaben“ im Museum Wiesbaden führt Besucher in eine Welt, die zugleich fasziniert und erschreckt. Vom 20. März 2026 bis zum 4. April 2027 zeigt das Museum Wiesbaden in seinen Naturhistorischen Sammlungen, wie vielfältig Gift in Natur und Kultur wirkt – und wie ambivalent der menschliche Umgang damit bleibt.
Museum Wiesbaden, kurz gefasst
Sonderausstellung – Gift – tödliche Gaben
Wann: Freitag, 20. März 2026 bis zum 4. April 2027
Eintritt: 12,00 Euro, ermäßigt 9,00 Euro
Öffnungszeiten:
Mo geschlossen | Di, Mi, Fr 10:00—17:00 Uhr | Do 10:00—21:00 Uhr
Sa, So, Feiertage 10:00—17:00 Uhr
Wo: Museum Wiesbaden – Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur, Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden
Was tötet, kann heilen. Was schützt, kann zugleich bedrohen. Die neue Jahresausstellung „Gift — Tödliche Gaben“ im Museum Wiesbaden führt Besucherinnen und Besucher in eine Welt, die zugleich fasziniert und erschreckt. Vom 20. März 2026 bis zum 4. April 2027 zeigt das Museum Wiesbaden in seinen Naturhistorischen Sammlungen, wie vielfältig Gift in Natur und Kultur wirkt – und wie ambivalent der menschliche Umgang damit bleibt.
Schon der Arzt und Naturforscher Paracelsus formulierte im 16. Jahrhundert einen Satz, der bis heute gilt: „Alle Ding sind Gift und nichts ohn Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“ Die Ausstellung nimmt diesen Gedanken ernst – und entfaltet ihn in vielen Facetten.
Strategien der Natur
Im ersten Teil der Jahresausstellung im Museum Wiesbaden begegnen Besucher den giftigen Strategen der Tier- und Pflanzenwelt. Kobras, Skorpione oder Pfeilgiftfrösche stehen dort nicht allein. Auch Tiere überraschen, deren Gift viele Menschen kaum vermuten.
Der Plumplori, ein kleiner Primat aus Südostasien, besitzt tatsächlich ein Gift. Er reibt es in das Fell seiner Jungen und schützt sie so vor Feinden. Das Schnabeltier wiederum trägt an seinen Hinterbeinen einen Giftsporn. Männchen setzen ihn im Revierkampf ein.
Kuratorin Katriina Ott beschreibt Gift dabei nicht als Zufall, sondern als Werkzeug der Evolution: „Manche Arten nutzen Gift wie ein Schwert, um Beute schnell zu überwältigen. Andere nutzen es wie ein Schild, um nicht gefressen zu werden.“
Wie gefährlich diese Strategie sein kann, zeigt etwa die Seewespe, eine Würfelqualle mit extrem starkem Gift. Das Museum hat für die Ausstellung ein lebensgroßes Modell herstellen lassen. Auch ein präziser Abguss eines Komodowarans gehört zu den eindrucksvollen Exponaten. Lange vermuteten Forschende Bakterien hinter den tödlichen Bissen der Tiere. Heute weiß man: Drüsen im Unterkiefer produzieren ein Gift.
Der Mensch und seine Gifte
Der zweite Teil der Ausstellung richtet den Blick auf den Menschen. Seit Jahrtausenden nutzt er toxische Stoffe – zum Jagen, zum Heilen, zum Töten oder zum Schutz. Indigene Kulturen vergiften Pfeile oder nutzen Pflanzen für rituelle Zwecke. Später tauchen Gifte in ganz anderen Zusammenhängen auf: Arsen in Tapeten, Pestizide auf Feldern, Schierling im Becher oder Wirkstoffe in Medikamenten.
Gerade in der Medizin zeigt sich die doppelte Natur des Giftes. Viele Arzneimittel entstehen aus ursprünglich toxischen Stoffen. Digitoxin aus dem Fingerhut, Wirkstoffe aus der Kegelschnecke oder Substanzen der Krustenechse dienen heute als Grundlage moderner Medikamente.
Ein symbolischer Mittelpunkt der Ausstellung ist deshalb ein großer Apothekerschrank mit 45 Schubladen. Wer sie öffnet, entdeckt historische Arzneistoffe – und versteht, wie eng Gift und Heilung zusammengehören.
Erleben, verstehen, entdecken
Die Ausstellung lädt nicht nur zum Betrachten ein. Eine Multimedia-Station zeigt, wie unterschiedliche Gifte im menschlichen Körper wirken. Manche Exponate lassen sich sogar berühren – etwa eine zwei Meter große Spinne aus Leder oder der Abguss eines Narwalzahns, dem man im Mittelalter magische Schutzkräfte gegen Vergiftung zuschrieb.
Damit richtet sich die Jahresausstellung „Gift — Tödliche Gaben“ im Museum Wiesbaden bewusst auch an Familien und Schulklassen. Quizstationen, eine Mediatour und interaktive Elemente führen junge Besucher spielerisch in das Thema ein.
Gift als Spiegel der Kultur
Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Gift ist weder gut noch böse. Es ist Teil der Natur – und Teil der menschlichen Geschichte. Schon die Sprache deutet das an. Das Wort „Gift“ geht auf das Verb „geben“ zurück. In jedem Gift steckt also auch eine Gabe.
Das Museum Wiesbaden erzählt diese Geschichte nicht als Warnung, sondern als Einladung zum Staunen. Wer die Ausstellung besucht, erkennt: Zwischen Gefahr und Heilung liegt oft nur ein winziger Unterschied – die Dosis.
Bild – Ausstellungsansicht mit Komodowaran. ©2026 Museum Wiesbaden / Bernd Fickert
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Mehr vom Museum Wiesbaden finden Sie unter museum-wiesbaden.de.




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