Inzidenz nach Altersklassen. Infektionszahlen, stationäre Aufnahmen und Todesfälle. Über-/Untersterblichkeit nach Geschlecht. Das Amt für Statistik bricht das Geschehen auf Wiesbaden herunter.

Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie beeinflussen nicht nur das Infektionsgeschehen. Sie wirken sich auch auf Bereiche wie Arbeitsmarkt und Wirtschaft, Verkehr, Tourismus, Kultur und eine Vielzahl anderer Bereiche aus. Welche pandemiebedingten Folgen lassen sich in der hessischen Landeshauptstadt beobachten? Da Amt für Statistik und Stadtforschung hat sich sich der Frage gestellt. Gleich auf Seite 2 fällt auf, dass die Stadt das Hoch beim 7-Tages-Inzidenz kaschiert. Der ausgewiesene Höchstwert von 309 vom 13. November 2021 wurde die letzten tage deutlich überschritten. Das liegt daran, dass für den Bericht der Zeitraum zwischen März 2020 und Herbst 2021 in den Blick genommen wurde: Demnach der Zeitraum von der sogenannten ersten Welle bis kurz vor der vierten Welle.

Infektionsgeschehen in Wiesbaden

Über das Infektionsgeschehen erfährt man beispielsweise, dass vom Beginn der Pandemie bis zum 31. Oktober 2021 dem Gesundheitsamt insgesamt 16219 infizierte Wiesbadener gemeldet wurden, Stand heute (14.12.2021) sind es 20525. Damit hatten sich bis zum Zeitpunkt der Studie 5,6 Prozent der Einwohner der Landeshauptstadt im Laufe der Pandemie mit dem Corona-Virus infiziert. Im selben Zeitraum wurden 1330 Infizierte stationär aufgenommen, das entspricht einer sogenannten Hospitalisierungsrate von 8,2 Prozent.

Altersstruktur

Haben sich zu Beginn der Pandemie sowie in der zweiten Welle in den Wintermonaten 2020/2021 gemessen an ihrem Anteil an der Einwohnerschaft überproportional viele ältere Personen infiziert, verharrt der Anteil der Infizierten im Alter von über 69 Jahren ab März 2021 auf einem niedrigemn Niveau. Der deutliche Rückgang der Infektionszahlen in den Altersklassen ab 70 Jahren liegt zeitlich etwa einen Monat nach Beginn der Impfungen in DeutschlandEntgegengesetzt entwickelten sich die Anteile der jungen Infizierten im Alter von unter 20 Jahren: spielten sie zu Beginn mit gerade einmal 5 Prozent aller Infizierten nur eine untergeordnete Rolle, so betrug ihr Anteil im September 2021 32,5 Prozent. Angesichts ihres Anteils an der Bevölkerung von 19 Prozent sind sie seit Juni 2021 unter den Infizierten deutlich überrepräsentiert.

Altersstruktur der Infizierten

Foto oben ©2021 LH Wiesbaden Altersstruktur der Infizierten

Einbruch der Konjunktur

Für den Bereich Arbeitsmarkt und Wirtschaft lässt sich festhalten, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie und der massive Einbruch der Konjunktur ab April 2020 die Zahl der Arbeitslosen haben steigen lassen: Im August 2020 wurde mit 12850 Arbeitslosen der bisherige Höchststand erreicht. Das Kurzarbeitergeld ist zu einem wichtigen arbeitsmarktpolitischen Instrument in der Corona-Krise geworden. Die meisten Kurzarbeiter wurden während der ersten Welle im April 2020 gezählt: In diesem Monat ist in 2140 Betrieben für 16657 Personen Kurzarbeitergeld gezahlt worden, das entspricht einem Anteil von zwölf Prozent an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Seit September 2020 lässt sich im Vergleich zum September 2019 leider trotz aller Anstrengungen ein Verlust von Arbeitsplätzen konstatieren. Insgesamt ist die Zahl der Beschäftigten in Wiesbaden um knapp 500 oder 0,3 Prozent gesunken, besonders deutlich beispielsweise im Gastgewerbe mit einem Minus von elf Prozent.

Tourismus ist eingebrochen

Der Tourismus in Wiesbaden war lange eine Wachstumsbranche: Seit 2015 hatte sich die Zahl der Übernachtungen von Jahr zu Jahr gesteigert. Dem hat die Corona-Pandemie ein vorläufiges Ende bereitet. Im zweiten Quartal 2020 kamen 79 Prozent weniger Gäste in die hessische Landeshauptstadt als im zweiten Quartal 2019. Seit Mai 2021 werden wieder mehr Gäste und Übernachtungen registriert, das Vor-Corona-Niveau ist aber noch längst nicht erreicht.

Weniger Fahrgäste im ÖPNV

Als Folge der Lockdowns, der Einschränkungen im öffentlichen Leben sowie der (teilweisen) Verlagerung der Erwerbsarbeit ins Homeoffice, ist auch die Zahl der Fahrgäste bei ESWE Verkehr deutlich geschrumpft. Im Jahr 2020 wurden 40,4 Millionen Fahrgäste gezählt, das entspricht einem Minus von 34 Prozent im Vergleich zu 2019. Positiv ist, dass sich aufgrund des erheblichen Rückgangs des Verkehrsaufkommens insbesondere in den Lockdown-Monaten März/April sowie November/Dezember 2020 die Zahl der Verkehrsunfälle in diesen Zeiträumen deutlich reduziert hat. Im April 2020 wurden nur 65 Unfälle registriert – das ist ein Allzeittief. Auch die Zahl der Verunglückten hat sich im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 um 14 Prozent verringert. Im selben Zeitraum stieg hingegen die Zahl der verunglückten Fahrrad- oder Pedelecfahrer um 26 Prozent. Die individuelle Mobilität hat sich wahrscheinlich verstärkt auf das Rad verlagert (leider liegen für Wiesbaden keine Daten vor) und erklärt damit teilweise das Plus der verunglückten Zweiradfahrerinnen und –fahrer.

Bild oben ©2021 Volker Watschounek / Pixabay

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