Bis zum Jahr 2024 wollen die Lokalen Nahverkehrsorganisationen (LNO) von Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis ihre jeweiligen Nahverkehrspläne überarbeiten.

Was ist ein Nahverkehrsplan? Darin sind alle Kriterien erfasst, die den Betrieb des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) eines Gebietes – in diesem Fall der Stadt Wiesbaden beziehungsweise im Rheingau-Taunus-Kreis – regeln. Dazu gehören die Anforderungen an genaue Linienwege, die Taktung der Linien, die Position und Ausstattung von Haltestellen, die Ausstattung der Fuhrparks und vieles mehr. Die Pläne der Körperschaften sind nicht starr. Dahinter steht ein Prozess mit regelmäßigen Überarbeitungen und Anpassungen. Ziel ist es, die Attraktivität des ÖPNV weiter zu steigern.

„Wir wollen mit dem optimierten Nahverkehrsplan erreichen, dass in unserem Flächenkreis auf das Zweitauto verzichtet werden kann. Das erspart einem Haushalt monatliche Kosten von ca. 450 Euro, die dann anderweitig verwendet werden können.“ – Günter F. Döring, Verkehrsdezernent des Rheingau-Taunus-Kreises

Die jeweiligen LNO der Landeshauptstadt Wiesbaden sowie des Rheingau-Taunus-Kreises haben sich dazu entschieden, die Entwicklung ihrer Nahverkehrspläne eng miteinander abzustimmen: In Sachen Verkehr haben der Rheingau-Taunus-Kreis und Wiesbaden sehr enge Verflechtungen. Tausende Pendler fahren jeden Tag aus dem Kreis in oder durch die Landeshauptstadt. Es ist daher mehr als sinnvoll, den Nahverkehr noch stärker als bislang ganzheitlich für die gesamte Region zu denken und zu planen, erläutert Alexander Gruber, Leiter Technik und Verkehrsplanung bei der Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft (RTV), die im Rheingau-Taunus-Kreis als LNO fungiert.

„Nach dem Aus für die CityBahn ist Wiesbaden mehr denn je auf einen leistungsfähigen ÖPNV angewiesen. Darum begrüße ich die Initialzündung der Stadtverordnetenversammlung für einen neuen Nahverkehrsplan.“ – Andreas Kowol

Die Leiterin der Wiesbadener LNO, Sandra Beege, ergänzt: Der aktuelle Nahverkehrsplan für Wiesbaden stammt aus dem Jahr 2015. Wir ergreifen jetzt die Gelegenheit, den ÖPNV an die künftigen Anforderungen in der Stadt auszurichten. Erstmals wird es uns dabei möglich sein, auf eine erweiterte Datengrundlage zurückzugreifen. Das lässt uns noch präziser die tatsächlichen Bedarfe für eine hohe Attraktivität beispielsweise des Wiesbadener Busverkehrs ermitteln. Die Neuaufstellung des Nahverkehrsplans wird daher die Folge haben, das Liniennetz innerhalb Wiesbadens so zu verändern, dass der Busverkehr und somit der Umweltverbund in Gänze gestärkt wird.

Patrick Düerkop, der zuständige Projektleiter bei der Wiesbadener LNO, betont: Ein ganz wesentlicher Bestandteil der Neuaufstellung wird sein, dass auch die Bürgerinnen und Bürger direkt mit eingebunden werden. Dies geschieht in Form von unterschiedlichen Beteiligungsformaten, in dem jeder persönliche Hinweise und Vorschläge mit einbringen kann. Die Zeitschiene sieht vor, dass sich Planungen und Bürgerbeteiligung über das gesamte Jahr 2023 erstrecken werden. Die Ergebnisse des Nahverkehrsplans werden dann im Laufe des Jahres 2024 den politischen Gremien zur Abstimmung vorgelegt.

„Für die Abstimmung der Nahverkehrspläne hat die Stadt mit ioki und der Planersocietät zwei Fachbüros gefunden, die bei der Neugestaltung auf Big Data setzen. Durch eine Analyse einer Vielzahl von mobilitätsrelevanten Daten wird fundiert und datenbasiert die Funktionalität des Bestehenden Plans überprüft und neue Potenziale entwickelt.“ – Andreas Kowol

Für die ergänzende fachliche Expertise bei der Neuaufstellung des Nahverkehrsplans haben die LNO der Landeshauptstadt Wiesbaden sowie des Rheingau-Taunus-Kreises seit Anfang August ein Ausschreibungsverfahren durchgeführt. Im Ausschreibungsverfahren setzte sich ein Planungskonsortium bestehend aus dem Verkehrsplanungsbüro Planersocietät aus Dortmund und der ioki GmbH (ioki) aus Frankfurt durch.

Die Planersocietät gehört zu den führenden Verkehrsplanungsbüros in Deutschland und berät bundesweit Kommunen und Aufgabenträger bei der Verkehrsentwicklungs- und Nahverkehrsplanung. Aktuell erarbeitet die Planersocietät beispielsweise die Nahverkehrspläne für die hessischen Universitätsstädte Marburg und Gießen. ioki erstellte bereits für rund 100 Planungsprojekte im In- und Ausland datengetriebene Analysen für den ÖPNV. Diese dienten u.a. als Grundlage für den Nahverkehrsplan der Stadt Detmold und für ein Linien- und On-Demand-Konzept im Rheingau-Taunus-Kreis.

„Gleichzeitig steht uns mit der Planersocietät ein erfahrenes und bekanntes Planungsbüro zur Seite, um diese neuen Erkenntnisse auch zielgerichtet in unseren neuen Nahverkehrsplan einfließen zu lassen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und wünsche allen Projektpartnern viel Erfolg bei der Ausführung.“ – Andreas Kowol

Die beiden Unternehmen bündeln für die Neuaufstellung der Nahverkehrspläne ihre Kompetenzen und Erfahrungen. Das erfahrene Analyseteam von ioki erhebt, analysiert und simuliert mit einem nutzerzentrierten Ansatz die relevanten Mobilitätsdaten. Die Planersocietät wird anhand der Datenuntersuchungen von ioki entsprechende Maßnahmen und Handlungsempfehlungen ableiten. Dafür greifen die Expertenteams auf Erfahrungen aus zahlreichen Projekten der ÖPNV-Planung zurück. Die Planersocietät wird zudem die umfassende Einbindung der Öffentlichkeit sowie der politischen und gesellschaftlichen Akteure in den Planungsprozess begleiten.

„Für die Neuaufstellung kombinieren wir unser bewährtes Data Warehouse mit rund 70 Millionen Datensätzen und Analysekompetenzen für eine innovative Verkehrsplanung. Damit können wir den Nahverkehr nach dem tatsächlichen Mobilitätsbedarf der Bevölkerung in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis planen – für eine attraktive, effiziente und nachhaltige Mobilität.“ – Michael Wurm, Director Mobility Analytics & Consulting bei ioki

Wir treten als Planungskonsortium an, um ein attraktives, leistungsfähiges und effizientes Nahverkehrsnetz zu entwickeln. Der Planungsraum ist für uns äußerst spannend, da eine große Vielfalt an Anforderungen für den ÖPNV besteht. Achsen, die eine hohen Takt erfordern, wechseln sich ab mit den Erfordernissen von schnellen und regionalen Verkehren. Dazu kommen Quartiere und kleinräumige Verflechtungen, die ein bedarfsgerechtes Angebot erfordern. Wir freuen uns auf die Herausforderung, hier vor Ort gemeinsam mit den Menschen im Dialog die Verkehre der Zukunft auf die Straße zu bringen, sagte Gregor Korte, Senior Verkehrsplaner bei der Planersocietät und Projektleiter für die Neuaufstellung der Nahverkehrspläne.

Bild oben ©2022 Openstreetmap

Weitere Nachrichten aus dem Ortsbezirk Mitte lesen Sie hier.

Die Internetseite von Wiesbadens Mobilitätsdienstleister finden Sie unter www.eswe-verkehr.de.

 

Advertisement

Sie möchten keinen Beitrag mehr verpassen und stets aktuell informiert sein? Dann bestellen Sie doch gleich unseren Newsletter oder folgen uns auf Twitter, Instagram und werden Sie Fan von Wiesbaden lebt!