JoHo-Hebammenkreißsaal+: Das Konzept verbindet natürliche Geburt mit klinischer Sicherheit – und stärkt Selbstbestimmung.
Simone Reiter weiß genau, warum sie wiederkommt. „Ich wollte die Geburt bewusst erleben, ohne starke Schmerzmittel – und ich wollte eine Hebamme nur für mich“, sagt sie. 2022 bringt sie ihre Tochter im Hebammenkreißsaal des JoHo Wiesbaden zur Welt. Anfang 2024 entscheidet sie sich erneut dafür. Jetzt erlebt sie, wie das Konzept offiziell gewürdigt wird: Der Deutsche Hebammenverband zertifiziert den Hebammenkreißsaal als HKS+ – als zehntes Haus bundesweit und erstes in der Region Wiesbaden.
Reiter steht bei der Feierstunde am 2. März zwischen Hebammen, Klinikleitung und Politikern. Sie wirkt ruhig, fast gelöst. „Ich habe mich sicher gefühlt. Das war wie mit einem Airbag im Auto“, sagt sie. „Man hofft, ihn nicht zu brauchen. Aber es ist gut zu wissen, dass er da ist.“
Selbstbestimmt – und doch abgesichert
Ein Hebammenkreißsaal richtet sich an Frauen mit unkomplizierter Schwangerschaft. Sie gebären ohne routinemäßige Interventionen. Eine Hebamme begleitet sie zunächst im Verhältnis 1:1, während der Geburt kommt eine zweite hinzu. Ärzte stehen bereit, greifen aber nur ein, wenn es nötig wird.
„Unser Hebammenkreißsaal ist ein Zusatzangebot“, betont Susanne Vogel, stellvertretende Leitung des Kreißsaals. „Wir sprechen alle gesunden Schwangeren ab der 37. Woche an.“ Bestimmte Vorerkrankungen schließen die Teilnahme aus. „Wichtig ist, dass wir die Frauen persönlich kennenlernen und gemeinsam klären, was sie sich wünschen – und was medizinisch verantwortbar bleibt.“
Das Konzept lebt vom Dialog. Die Hebammen hören zu, erklären Abläufe, sprechen Risiken offen an. Niemand romantisiert die Geburt. Gleichzeitig schafft das Team Raum für Eigenständigkeit.
Qualität braucht Kontrolle
Dass das JoHo nun das Zertifikat HKS+ trägt, kommt nicht von ungefähr. „Wenn wir etwas angehen, dann wollen wir es gut machen“, sagt die leitende Hebamme Uta Krüger. Sie stößt den Zertifizierungsprozess an. Auditorinnen prüfen Abläufe, Dokumentation und Notfallmanagement. Sie hinterfragen Routinen und verlangen klare Strukturen.
„Der Blick von außen hilft uns, noch genauer zu arbeiten“, erklärt Krüger. „Am Ende geht es immer um Sicherheit – und um Respekt vor den Frauen.“
Auch Prof. Dr. Boris Gabriel, Chefarzt der Frauenklinik, unterstützt den Weg. „Der Hebammenkreißsaal ist kein Gegenmodell zur ärztlichen Geburtshilfe“, sagt er. „Er ergänzt sie sinnvoll. Wir stehen jederzeit bereit, wenn sich eine Situation verändert.“
Ein politisches Signal
Martina Klenk, Vorsitzende des Landesverbandes der Hessischen Hebammen, überreicht die Urkunde. „Das Zertifikat HKS+ ist ein wichtiger Schritt, um das Konzept als qualitätsgesichertes Angebot zu etablieren“, sagt sie. Seit 2003 entstehen bundesweit 80 Hebammenkreißsäle, seit 2024 sind sie gesetzlich verankert und werden gefördert.
Auch Gesundheitsdezernentin Milena Löbcke würdigt das Engagement: „Das JoHo zeigt, wie moderne Geburtshilfe aussehen kann – selbstbestimmt, professionell und verantwortungsvoll.“
Mehr als ein Trend
Im Kreißsaal selbst bleibt es an diesem Tag ruhig. Keine Feierstimmung, sondern Konzentration. Geburt lässt sich nicht terminieren. Sie passiert einfach.
„Wir begleiten Frauen in einem sehr intensiven Moment“, sagt Hebamme Uta Krüger. „Das verlangt Fachwissen – und Empathie.“ Reiter nickt. „Man spürt, dass hier niemand etwas erzwingen will. Man darf seinen eigenen Weg gehen.“
Das Zertifikat bestätigt, was viele Frauen bereits erfahren: Der Hebammenkreißsaal im JoHo verbindet Nähe mit Professionalität. Er schafft Vertrauen, ohne Risiken zu verdrängen. Und er zeigt, dass Klinik und Selbstbestimmung kein Widerspruch sein müssen.
Gebären – selbstbestimmt und begleitet
Ein Hebammenkreißsaal richtet sich an Frauen mit unkomplizierter Schwangerschaft. Sie erleben ihre Geburt ohne routinemäßige medizinische Eingriffe, ohne starke Schmerzmittel – wenn sie das wünschen. Eine Hebamme betreut sie zunächst im Verhältnis eins zu eins. Während der Geburt kommt eine zweite hinzu. Nähe ersetzt Hektik, Gespräch ersetzt Anweisung.
Der Kreißsaal liegt räumlich im regulären Bereich der Klinik. Ärztinnen und Ärzte stehen bereit, falls sich die Situation ändert. Das Konzept setzt auf Vertrauen – und auf klare Abläufe. Kommt es zu Komplikationen oder wünscht die Frau eine Intervention, greift das interprofessionelle Team sofort ein. Niemand muss den Raum wechseln, niemand verliert Zeit.
Für Simone Reiter spielt genau das eine Rolle. Sie bringt 2022 ihre Tochter hier zur Welt, entscheidet sich 2024 erneut für den Hebammenkreißsaal. „Das ist wie ein Airbag“, sagt sie. „Man hofft, ihn nicht zu brauchen. Aber es beruhigt, dass er da ist.“
Foto – Die JoHo-Hebammen um Uta Krüger und Susanne Vogel (3. und 5. v.li.) feiern die erfolgreiche Zertifizierung des Hebammenkreißsaals+ zusammen mit der erweiterten Geschäftsführung, den ärztlichen Leitern von Frauenklinik und Geburtshilfe sowie externen Gästen, darunter EGW-Geschäftsführerin Angela Tausendpfund (li.), Gesundheitsdezernentin Milena Löbcke (2.v.li.) und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr (3. v.li.). ©2026 JoHo
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