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SEG Jahresempfang im Schlachthof Wiesbaden

Jahresempfang: SEG blickt nach vorn und setzt auf Kooperation

Händeschütteln, Wiedersehen und intensive Gespräche über die Zukunft Wiesbadens: Beim SEG Jahresempfang im Schlachthof blickten am Donnerstag Politik, Verwaltung und Wirtschaft auf 30 Jahre Stadtentwicklung zurück. Zugleich wurde deutlich, welche Herausforderungen bei Wohnen, Infrastruktur und Stadtentwicklung auf die Landeshauptstadt warten.

Volker Watschounek 16 Minuten vor 0

Zum 30-jährigen Bestehen der SEG rückten Wohnungsbau, Stadtentwicklung und neue Partnerschaften in den Fokus.

Noch bevor die Scheinwerfer auf das Podium gerichtet wurden, hatte der SEG Jahresempfang seinen eigentlichen Zweck bereits erfüllt. Im Kulturzentrum Schlachthof herrschte am Donnerstagnachmittag reges Treiben. Zwischen den historischen Backsteinwänden standen Gruppen zusammen, schüttelten Hände, tauschten Neuigkeiten aus und diskutierten aktuelle Projekte. Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Architektur, Wohnungswirtschaft und kommunalen Gesellschaften nutzten die erste Stunde des Abends für intensive Gespräche.

Manche Begegnungen wirkten wie kleine Klassentreffen der Wiesbadener Stadtentwicklung. Ehemalige Weggefährten trafen sich wieder, neue Akteure wurden vorgestellt, Kontakte aufgefrischt und Ideen weitergesponnen. Zwischen Stehtischen und Getränken ging es um laufende Bauvorhaben, politische Entscheidungen, Grundstücksfragen und die Herausforderungen einer wachsenden Stadt.

Wer wenug später durch den Saal blickte, sah zahlreiche bekannte Gesichter aus Magistrat, Stadtverordnetenversammlung, Ortsbeiräten und den städtischen Gesellschaften. Auch Vertreter von Banken, Planungsbüros, Wohnungsunternehmen und Institutionen waren gekommen.

Ein Jubiläum und ein neues Führungsteam

Erst nach dem rund einstündigen „Come Together“ begann der offizielle Teil des Abends. Gemeinsam eröffneten WiBau-Geschäftsführer Christoph Golla sowie die neue SEG-Geschäftsführung mit Prof. Dr. Ute Knippenberger und André Reisig die Veranstaltung.

Dabei wurde schnell deutlich, dass dieser Jahresempfang mehr sein sollte als ein Rückblick auf Erfolge der Vergangenheit. Zwar stand das 30-jährige Bestehen der Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden im Mittelpunkt, doch ebenso ging es um die Frage, welche Rolle kommunale Entwicklungsgesellschaften künftig übernehmen sollen.

Das Motto „Perspektiven verbinden“ war deshalb bewusst gewählt. Es beschrieb nicht nur den Charakter des Nachittags, sondern auch die Aufgabe der SEG selbst. Stadtentwicklung entsteht selten am Reißbrett eines Einzelnen. Sie entsteht dort, wo Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerschaft unterschiedliche Interessen zusammenführen und gemeinsame Ziele formulieren.

Drei Jahrzehnte Stadtentwicklung für Wiesbaden

Seit ihrer Gründung hat die SEG zahlreiche Projekte begleitet, umgesetzt und angestoßen. Wohnquartiere entstanden, Infrastruktur wurde geschaffen, Brachflächen entwickelten sich zu neuen Stadtteilen und ehemalige Problemstandorte erhielten neue Perspektiven.

André Reisig nutzte seine Begrüßung deshalb nicht für eine reine Jubiläumsrede mit Lobeshymne auf Projekte wie Kastel Housing, Osthafen Schierstein oder Zweibörn, südlich des Dankersweg. Stattdessen richtete er den Blick nach vorne. „Gute Projekte entstehen nicht alleine. Sie entstehen im Austausch“, sagte er und beschrieb damit zugleich die Grundidee moderner Stadtentwicklung.

Gerade in Zeiten wachsender Herausforderungen brauche es unterschiedliche Perspektiven. Wohnraummangel, Klimaanpassung, Mobilitätswende, wirtschaftlicher Wandel und gesellschaftliche Veränderungen könnten nicht von einzelnen Akteuren gelöst werden. Erfolgreiche Stadtentwicklung entstehe dort, wo Menschen bereit seien, miteinander zu sprechen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.

Zukunft kommunaler Entwicklungsgesellschaften

Prof. Dr. Ute Knippenberger knüpfte daran an und stellte grundsätzliche Fragen. Welche Rolle spielen kommunale Entwicklungsgesellschaften künftig? Welche Aufgaben können sie übernehmen, die der Markt allein nicht löst? Und wie lassen sich wirtschaftliche, soziale und städtebauliche Ziele miteinander verbinden?

Die neue SEG-Geschäftsführerin warb für einen Blick über die Stadtgrenzen hinaus. Wiesbaden könne von Erfahrungen anderer Städte lernen. Gleichzeitig müsse die SEG ihre eigenen Stärken weiterentwickeln. Dabei gehe es längst nicht mehr nur um Grundstücke oder Bauprojekte. Themen wie Daseinsvorsorge, soziale Infrastruktur, lebenswerte Quartiere und nachhaltige Stadtentwicklung rückten zunehmend in den Mittelpunkt.

Andreas Kowol, Christoph Golla, Dr. Ute Knippenberger und André Reisig
v.l.n.r. Andreas Kowol, Christoph Golla, Dr. Ute Knippenberger und André Reisig

Wohnungsbau und große Projekte

In seinem Grußwort zog Verkehrsdezernent und SEG-Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Kowol Bilanz über ein Jahr, das von bedeutenden Entscheidungen geprägt war. Besonders hob er den Ankauf des Rheingau-Palais in Schierstein und des sogenannten Roten Hochhauses im Schelmengraben hervor.

Beide Projekte seien Beispiele dafür, wie eng Stadtverwaltung, Politik und SEG inzwischen zusammenarbeiteten. Die Gesellschaft habe bewiesen, dass sie schnell handeln könne, wenn sich Chancen für die Stadtentwicklung ergeben.

Kowol machte aber auch deutlich, dass die eigentlichen Aufgaben erst noch zu meistern seien. Die Zukunft des Palasthotels, die Entwicklung der Sportarena, die weiteren Schritte im Ostfeld sowie die Ansiedlung des Bundeskriminalamts werden die Stadt in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen.

Auch beim Wohnungsbau sieht die Stadt weiterhin erheblichen Handlungsbedarf. Trotz vergleichsweise hoher Fertigstellungszahlen reiche das Angebot nicht aus. Neue Baugebiete, zusätzliche Flächen und größere Quartiersentwicklungen seien notwendig, um den Bedarf langfristig zu decken.

Stadtentwicklung braucht Zuversicht

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen war beim SEG Jahresempfang wenig von Krisenstimmung zu spüren. Stattdessen überwog die Überzeugung, dass sich die Herausforderungen nur gemeinsam bewältigen lassen.

Passend zum 30-jährigen Jubiläum verband die SEG den Abend mit einer Spendenaktion zugunsten der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule, des Tierheims Wiesbaden sowie der Nachwuchsarbeit der Rhine River Rhinos. Damit möchte die Gesellschaft verdeutlichen, dass Stadtentwicklung nicht nur Gebäude und Infrastruktur umfasst, sondern immer auch gesellschaftliche Verantwortung bedeutet.

Als die Gespräche nach dem offiziellen Programm erneut an den Stehtischen weitergingen, wurde deutlich, was vom Abend hängen blieb: Die Zukunft Wiesbadens wird nicht allein in Sitzungssälen entschieden. Sie entsteht dort, wo Menschen unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen – genau so, wie es das Motto des SEG Jahresempfangs versprach.

Foto – Jahresempfang im Kulturzentrum Schlachthof ©2026 Volker Watschounek

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