Hinter den bunten Fassaden rechnen die Schausteller schärfer denn je. Die Preise sind in Bewegung.
Vielerorts starten Volksfeste rund um Ostern – und auch in Wiesbaden ist das der Fall. Heute, am Freitagmittag, startet das Frühlingsfest auf dem ehemaligen Real-Parkplatz an der Mainzer Straße. Bei alle Freude fühlt sich in diesem Jahr manches anders an.
Zwischen Nostalgie und Kostenrealität
Die Branche lebt von Leichtigkeit. Im Hintergrund wächst aber der Druck. Steigende Energiepreise und teurere Lebensmittel treffen die Schausteller empfindlich. Sie reisen von Ort zu Ort, bauen Fahrgeschäfte auf, betreiben Kühlanlagen, beleuchten Stände – und zahlen für jeden Kilometer, jede Kilowattstunde, jede Lieferung mehr.
„Wir sehen keinen plötzlichen Preissprung, aber immer mehr Betriebe müssen reagieren“, erklärt der Deutsche Schaustellerbund. Viele Unternehmen transportieren ihre Anlagen bis zu 25 Mal im Jahr quer durch Deutschland. Was früher Routine war, wird nun zur Kostenfrage, so die Deutsche Presse Agentur, die mit dem Schaustellerverband gesprochen hat.
Mobilität hat ihren Preis
Wer ein Karussell betreibt, fährt nicht einfach nur los. Schwertransporte rollen über Autobahnen, Wohnwagen folgen, Personal reist mit. Jeder zusätzliche Euro für Diesel wirkt sich direkt aus. Gleichzeitig steigen die Preise für Zutaten: Öl, Mehl, Fleisch – selbst einfache Klassiker wie Bratwurst oder Crêpes kosten mehr in der Herstellung.
Die Folge: Kalkulationen verändern sich. Preise werden vorsichtig angepasst. Mal ein Euro mehr für die Fahrt, mal ein kleiner Aufschlag beim Snack. Nicht überall, nicht sofort – aber spürbar. Verständlicherweise.
Die Gratwanderung der Schausteller
Dabei bleibt der Spielraum eng. Volksfeste sollen Orte für alle bleiben. Familien, Jugendliche, Rentner – sie alle sollen sich den Besuch leisten können. „Wir wollen die Preise bezahlbar halten“, betonen Branchenvertreter. Doch zwischen Anspruch und Realität liegt eine wachsende Lücke.
Auch regional melden sich Stimmen. Vertreter von Schaustellerverbänden fordern Entlastungen. Sie wünschen sich politische Unterstützung, etwa bei Energie oder Abgaben. Denn ohne Hilfe, so die Sorge, könnten sich die Preisschrauben schneller drehen als gewollt.
Inflation fährt mit
Die wirtschaftliche Lage verschärft die Situation zusätzlich. Im März zog die Inflation spürbar an. Sie erreichte laut Statistischem Bundesamt 2,7 Prozent – der höchste Wert seit über einem Jahr. Treiber waren unter anderem geopolitische Spannungen, die Energie verteuerten und Märkte verunsicherten.
Für die Schausteller bedeutet das: Unsicherheit bleibt ein ständiger Begleiter. Planungen werden schwieriger, Risiken größer.
Und die Besucher?
Sie stehen am Ende dieser Kette. Viele werden genauer überlegen, wie oft sie fahren, was sie essen, wie viel sie ausgeben. Und trotzdem: Volksfeste bleiben Sehnsuchtsorte. Orte, an denen der Alltag für ein paar Stunden Pause macht.
Vielleicht dreht sich das Riesenrad künftig etwas teurer. Aber es dreht sich weiter.
Archivfoto: Schiersteiner Herbstmarkt am Schiersteiner Hafen ©2021 Wiesbaden lebt!
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