Es ist das letzte Frühlingsfest an diesem Ort. „Sehr schade“, sagt sie. Und man glaubt ihr das.
Es knistert, es duftet, es dreht sich. Und es redet. Von Freitag bis Montag, 10. bis 13. April, verwandelt sich der Parkplatz auf dem ehemaligen Real-Gelände in eine Bühne für das, was Wiesbaden kann: feiern, schlendern, genießen. Rund 50 Schausteller haben dort ihre Fahrgeschäfte und Buden aufgebaut, werfen Lichter an, heizen Grills an – und hoffen auf viele Gäste.
Stabile Preise im Vergleich zum Vorjahr
Das Frühlingsfest findet von Freitag bis Montag, 10. bis 13. April, auf dem ehemaligen Real-Gelände in der Mainzer Straße statt. Täglich von 12:00 Uhr bis 23:00 Uhr. Dabei gilt: Ein paar Chips, ein paar Snacks – und die 50-Euro-Grenze ist geknackt. Hier ein Überblick:
Autoscooter: 1 Chip 3,50 €, 4 Chips 10 €
Kinderkarussell: 1 Chip 3,00 €, 4 Chips 10 €
Polyp: 1 Chip 4,00 Euro, 4 Chips 14,00 Euro
Free-Fall-Tower: 1 Chip 4 €, 3 Chips 10 €, 10 Chips 25 €
Slush Puppy: ab 3,50 €
Zuckerwatte: ab 2 €
Churros mit Zimt: kleine Portion 5 €, mittel 7 €, mit Nutella +1 €
Bratwurst im Brötchen: 5,00 Euro
Lebkuchenherz (klein): ab 3,50 €
Pommes mit Ketchuo und Mayonnaise: 3,50 Euro
Currywurst mit Pommes: 8,50 €, Mayo +0,50 €
Crepes, Kaffee, Grillgerichte: Preise je nach Stand
Getränke ab ca. 2,50 €, Bier 0,4 l für 4,00 Euro, ein Weizenbier 5,00 Euro rund 16€ inkl. Pfand
Da kommen schnell 60 Euro zusammen – und man hat noch keine Lose gekauft und keinen Plüschhasen gewonnen.
Bürgermeisterin Christiane Hinninger lächelt, als sie das Mikrofon übernimmt. Sie begrüßt Gäste, bedankt sich bei Schaustellern, Organisatoren – und sagt dann einen Satz, der hängen bleibt: Es ist das letzte Frühlingsfest an diesem Ort. „Sehr schade“, sagt sie. Und man glaubt ihr das.
Gleichzeitig treibt sie das Fest nach vorn. Sie spricht von einem Auftakt, von vier Tagen voller Leben, von einem Wochenende, das sich sehen lassen will. Zwischen Dank und leisem Abschied schiebt sie einen klaren Auftrag ein: Wiesbaden braucht einen festen Platz für seine Feste.
Ein Gelände auf Zeit – und voller Energie
Zum zweiten Mal bespielen die Schausteller das ehemalige Real-Gelände. Rund 10.000 Quadratmeter hat der Eigentümer freigegeben. Knapp 50 Betriebe stehen hier jetzt und warten auf Gäste. Es riecht nach Burgern, nach Empanadas, nach Zuckerwatte. Die ersten Kinder ziehen ihre Eltern zu Karussells, Jugendliche testen den Freefall-Tower, andere lassen sich auf dem „Polyp“ durch die Luft schuckeln – während sich am Autoscooter erste kleine Duelle anbahnen.
Und doch: Es sind weniger geworden. Im Vorjahr standen hier noch mehr Buden.
„Wir sind Geschäftsleute – wir brauchen Perspektive“
Werner Laux, Schausteller und Vorsitzender des Schiersteiner Verschönerungsverein, schaut über das Gelände. Er wirkt zufrieden – und nachdenklich zugleich. „Wir sind gerne in Wiesbaden“, sagt er. „Aber wir brauchen Perspektive.“ Er erklärt, wie die Branche denkt. Wer reist, kalkuliert. Wer investiert, plant. Und wer keine klare Zukunft sieht, sucht sich Standorte, die bleiben. Angesprochen auf die aktuellen Energiepreise ergänzt der Laux: „Im Moment halten wir die Preise stabil.“ Preissteigerungen im Vergleich zum letzten Jahr gebe es keine. Die Fahrgeschäfte nehmen 4,00 Euro für eine Fahrt. Wer mehrmakls fahren möchte, kauft gleich mehrere Chips, günstiger. Doch Laux weiß auch: Steigende Energie- und Spritkosten könnten das schnell ändern.
Trotzdem bleibt er. Mit Autoscooter, Kinderkarussell und „Schnuckelbude“. Als Wiesbadener aus Überzeugung.
Luftiger gebaut – offener gedacht
Neu ist die Struktur. Das Gelände wirkt weiter, offener. Zwei Eingänge führen hinein, Besucher verteilen sich besser. Man flaniert, statt sich zu drängen. Es wirkt entspannter – fast wie ein Versprechen. Doch das Versprechen hält traditionell nur vier Tage.
Auch die Stadtpolitik zeigt Präsenz. Vertreter verschiedener Fraktionen mischen sich unters Publikum, hören zu, nicken, diskutieren. Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermeier wirkt beeindruckt: „Aus dieser Brache so schnell ein Fest zu machen – das verdient Respekt.“ Und dann wird es politisch. Ein Festplatz fehlt. Schon lange. Die Forderung kommt nicht zum ersten Mal – aber sie klingt diesmal dringlicher.
Die Salzbachaue als Traum
Hinter den Kulissen wächst eine Idee: die Salzbachaue. Zwischen Hauptbahnhof und Schlachthof könnte ein neuer Festplatz entstehen. Wenn ESWE Verkehr seinen neuen Betriebshof erhält. Ein Platz hierfür sei gefunden. Doch noch prüft die Stadt, sammelt Daten, wägt ab.
Hinninger bleibt vorsichtig. Sie spricht von „zwei Herzen in der Brust“. Denn wo heute vielleicht Karussells stehen könnten, parken derzeit Busse – und die braucht die Stadt für ihre Verkehrswende. Werner Laux hingegen erkennt die Chance träumt schon weiter. „Das wäre unsere Königslösung“, sagt er. Das Frühlingsfest auf dem Gelände der Salzbachaue.
Jetzt zählt der Moment
Bis Montag zählt ohnehin anderes: das Hier und Jetzt. Vier Tage lang drehen sich Karussells, klirren Gläser, lachen Menschen. Das Frühlingsfest eröffnet traditionell die Saison. Es bringt Bewegung in die Stadt. Und es zeigt, was fehlt, wenn es fehlt.
Vielleicht liegt genau darin seine Kraft.
Foto – Frühlingsfest 2025, Stadtverordneter auf dem Fahrgeschäft Swing ©2025 Volker Watschounek
Weitere Nachrichten aus dem Ortsbezirk Südost lesen Sie hier.
Mehr vom Frühlingsfest.



Wenn das Knie oder die Hüfte streikt: Hilfe aus dem JoHo
Neue Selbsthilfegruppe für Menschen mit Autoimmunerkrankungen
Aufatmen: Schweinepest, Entspannung – aber keine Entwarnung
Stadtradeln: Wiesbaden steigt aufs Rad
Open-Air-Flohmarkt auf dem Schlachthof-Gelände
Charity Lauf: Kinder erlaufen rund 10.000 Euro 
