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Wolfgang Grupp erhält Auszeichnung für sein Lebenswerk.

Wolfgang Grupp erhält Auszeichnung für sein Lebenswerk

Zum Auftakt der Founder Summit 2026 in Wiesbaden steht das Lebenswerk von Wolfgang Grupp im Mittelpunkt. Der Unternehmer spricht offen über Verantwortung, Krisen und Familie – und erhält für sein jahrzehntelanges Wirken stehende Ovationen in einem Moment, der weit über Business hinausreicht.

Volker Watschounek 1 Monat vor 0

Beim Founder Summit 2026 berührt Wolfgang Grupp mit klaren Worten, persönlichen Einblicken und einer Auszeichnung, die alle bewegt.

So, ist der Weg. „Herzlich Willkommen, zurück auf dieser Bühne in Wiesbaden, – Wolfgang Grupp,,“ kündigte Matthias Killing am Samstagvormittag den schäbischen „Unternehmer“ an – und dann trat ein Mann auf die Bühne, der vieles erlebt hatte und noch immer jeden Morgen von Neuem beginnt. Beim Founder Summit 2026 im Rhein-Main Congress-Center erzählte Wolfgang Grupp nicht nur von Erfolg. Er sprach von Verantwortung, von Fehlern – und davon, warum es entscheidend bleibt, gebraucht zu werden.

Eine Bühne, die gewachsen ist

Jahr für Jahr vergrößert sich die Bühne der Founder Summit, und so strömen auch an diesem Wochenende wieder Tausende aus ganz Deutschland nach Wiesbaden. Bis Sonntagabend suchen sie Austausch, Ideen, Kontakte – und vielleicht auch ein Stück Orientierung. Der Founder Summit hat sich längst zur größten Business-Networking-Veranstaltung des Landes entwickelt.

Auf der Bühne ging es zum Auftakt dann plötzlich weniger um Start-ups und Skalierung, sondern um etwas Grundsätzlicheres: das Leben selbst.

„Das Schönste ist, gebraucht zu werden“

Grupp nahm Platz, ruhig, wach, konzentriert. Mit 84 Jahren wirkte er präsent, fast ungeduldig, als wolle er keine Zeit verlieren. Auf die Frage nach seinem Erfolgsgeheimnis wich er aus – und traf gerade deshalb den Kern. Jeder gestalte sein Leben selbst, sagte er. Disziplin helfe, Gewohnheit auch. Aber das allein trage nicht durch ein ganzes Leben.

Wolfgang Grupp steht Rede und Antwort.
Matthias Killing und Wolfgang Group auf der Main Stage

Dann lenkte er den Blick weg vom Geschäftlichen, hin zum Privaten. Er erzählte von einem langen Leben als Junggeselle, von einem Alltag, den er selbst bestimmte, von Entscheidungen, die er allein traf. Und davon, wie sich alles veränderte, als er sich bewusst für Familie entschied. „Die Familie ist die tragende Säule“, sagte er. Kein Pathos, kein Zögern – eher eine Feststellung. Im Saal wurde es leiser.

Was er dann formulierte, klang zunächst schlicht, entfaltete aber eine größere Wucht: Nicht Geld, nicht Wachstum, nicht Marktanteile entschieden am Ende. Es sei etwas anderes, das trage – auch durch Krisen. „Das Schönste im Leben ist nicht, sein Geld zu zählen, sondern das Gefühl zu haben, von anderen noch gebraucht zu werden.“

Grupp sprach diesen Satz nicht als Pointe, sondern als Erfahrung. Man hörte ihm an, dass er ihn sich erarbeitet hatte. Über Jahrzehnte hinweg, in Verantwortung für ein Unternehmen, für Mitarbeiter, für eine Familie. Und auch durch Brüche, über die er später sprach.

Gebraucht zu werden – das bedeute bei ihm mehr als wirtschaftliche Funktion. Es meinte Nähe, Verlässlichkeit, das Wissen, dass jemand auf einen wartet, auf einen zählt. Dass Entscheidungen Folgen haben, nicht nur in Bilanzen, sondern im Leben anderer. Vielleicht war es genau dieses Bewusstsein, das ihn geprägt hatte.

Und vielleicht war es auch der Grund, warum dieser Satz im Raum blieb. Weil er in einer Halle voller Gründer, Investoren und Strategen plötzlich eine andere Richtung vorgab. Weg von Zahlen. Hin zu Menschen.

Ein Unternehmer, der Verantwortung lebt

Grupp erzählte von Entscheidungen, die heute fast aus der Zeit gefallen wirtten – und gerade deshalb so viel Aufmerksamkeit bekamen. Er habe in all den Jahrzehnten keinen Mitarbeiter entlassen, und ließ keinen Zweifel daran, dass dies kein Zufall gewesen war, sondern Prinzip. Arbeitsplätze verstand er nicht als Variable in einer Bilanz, sondern als Versprechen. „Ich habe eine Verpflichtung gegenüber den Mitarbeitern“, erklärte er – und meinte damit mehr als Verträge. Er meinte Existenzen, Familien, Lebenswege.

Gerade in Krisen zeigte sich, was dieser Anspruch bedeutete. Als andere Betriebe kürzten, pausierten oder Personal abbauten, hielt er dagegen. Er zahlte Löhne weiter, auch dann, wenn Aufträge ausblieben. Kein Pathos, kein Zögern – eher eine Haltung, die sich über Jahre eingeprägt hatte. Wer bei ihm arbeitete, sollte sich darauf verlassen können, dass Verantwortung keine Floskel blieb. 

Grupp sprach schnell, manchmal schroff, oft ohne Umschweife. Er widersprach, korrigierte, setzte neu an. Und doch folgte ihm der Saal aufmerksam. Vielleicht gerade deshalb. Denn hier sprach keiner, der sich in Managementvokabular verlor. Hier sprach jemand, der Entscheidungen getroffen hatte – und mit ihnen gelebt hatte.

Seine Art zu führen beschrieb er fast beiläufig, als wäre sie selbstverständlich. Probleme duldeten keinen Aufschub. Fragen verlangten klare Antworten. Unklarheit kostete Zeit – und Zeit war für ihn ein knappes Gut. „Wenn bei mir eine Frage gestellt wurde, habe ich sie sofort beantwortet – so, dass am Schluss keine Nachfrage mehr kam“, sagte er. Effizienz verstand er nicht als Tempo allein, sondern als Klarheit.

Dahinter stand ein Bild von Unternehmertum, das heute selten geworden war: persönlich haftend, persönlich verantwortlich, nah an den Menschen. Entscheidungen delegierte er kaum, Konsequenzen schon gar nicht. Wer führte, musste auch tragen – wirtschaftlich wie menschlich.

Wolfgang Grupp steht Rede und Antwort.

Brüche, über die selten jemand spricht

Dann veränderte sich die Stimmung im Saal. Gespräche verstummten, Bewegungen wurden langsamer, selbst das Rascheln von Jacken hörte auf. Grupp hielt inne – und begann, von einem Moment zu erzählen, den viele so nicht erwartet hatten.

Er sprach von einem Bruch. Von einem „Blackout“, wie er es nannte. Von einer Nacht, in der Gedanken kreisten und kein Ausweg mehr sichtbar schien. Ein Mann, der Jahrzehnte lang geführt, entschieden, gestaltet hatte, beschrieb plötzlich einen Zustand völliger Orientierungslosigkeit. „Das war ein gravierender Fehler“, sagte er später. „Einer, den ich nie wiederholen würde.“ 

Er erzählte leise, beinahe sachlich. Und gerade das machte seine Worte so eindringlich. Es ging nicht um Inszenierung, nicht um Dramatik. Es ging um Ehrlichkeit. Um das Eingeständnis, dass auch ein scheinbar gefestigtes Leben ins Wanken geraten kann. Der Auslöser, so ließ er durchblicken, lag nicht in äußeren Krisen, sondern in einem inneren Gefühl: nicht mehr gebraucht zu werden. Ein Gedanke, der sich langsam festsetzte. Der größer wurde. Und schließlich alles überlagerte. 

Was ihn zurückholte, erzählte er ohne Pathos – aber mit Nachdruck. Seine Familie habe ihn aufgefangen. Seine Frau habe reagiert, habe eingegriffen, habe ihn nicht allein gelassen. Seine Kinder hätten ihm gezeigt, dass er gebraucht werde. Dass er fehlte, wenn er nicht da wäre. 

Und dann waren da noch die vielen Briefe. „Über 2000 Menschen haben mir geschrieben“, sagte er. Menschen, die er nicht kannte, die ihm dennoch ihre Geschichten anvertrauten. Viele hätten ähnliche Situationen erlebt. Viele hätten ihm Mut zugesprochen. 

In diesem Moment verschob sich etwas im Raum. Der Begriff „Erfolg“ verlor seine Schärfe, wurde weicher, weiter. Es ging nicht mehr um Zahlen oder Wachstum. Es ging um Halt. Um Nähe. Um das, was bleibt, wenn alles andere ins Wanken gerät. Und vielleicht war es genau dieser Moment, der den stärksten Eindruck hinterließ. Weil er zeigte, dass selbst die, die als Vorbilder gelten, nicht unantastbar sind. Sondern Menschen.

Standing Ovations für ein Lebenswerk

Am Ende des Gesprächs dimmte sich das Licht, der Blick richtete sich nach vorn. Ein Film setzte ein – ruhig geschnitten, ohne große Effekte, dafür mit klaren Bildern. Man sah Fabrikhallen, laufende Maschinen, Gesichter von Mitarbeitern. Man hörte Stimmen, die von Verlässlichkeit erzählten, von langen Jahren, von Entscheidungen, die nicht immer leicht gefallen waren – und gerade deshalb Gewicht hatten.

Standing Ovation für Wolfgang Grupp
Ausgezeichnet für ein Leben im Dienst des Unternehmertums. Für Verantwortung. Und für ein Werk, das Generationen überdauert.

Die Sequenzen zeichneten kein glattes Erfolgsnarrativ. Sie zeigten Entwicklung, Widerstände, Richtungswechsel. Und sie machten deutlich, dass dieses Lebenswerk nicht aus einzelnen Momenten bestand, sondern aus vielen kleinen, konsequent getroffenen Entscheidungen. Entscheidungen, die über Jahre hinweg Wirkung entfaltet hatten – für ein Unternehmen, für eine Region, für ganze Familien.

Als der Film endete, blieb es für einen kurzen Augenblick still. Dann setzte Applaus ein. Zögerlich zuerst, dann geschlossen, schließlich stehend. Der ganze Saal erhob sich. In diesem Moment trat Wolfgang Grupp noch einmal nach vorn. Die Auszeichnung für sein Lebenswerk wurde ihm überreicht – sichtbar bewegt, aber gefasst. Er nahm sie entgegen, nickte kurz, wartete, bis der Applaus abebbte.

Und dann relativierte er den Moment, wie er es zuvor schon getan hatte. „Ich nehme diese Auszeichnung gerne an“, sagte er berührt, „aber selbstverständlich nicht für mich.“ Eine kleine Pause folgte. „Sondern für die gesamte Belegschaft.“ Wer genau hinsah, erkannte ein paar Krokodilstränen. Und es war ein Satz, der zu ihm passte. Einer, der das, was zuvor erzählt worden war, noch einmal bündelte. Verantwortung verstand er nie als Einzelleistung. Erfolg ebenso wenig.

Der Applaus setzte erneut ein. Diesmal länger. Und vielleicht auch ein wenig nachdenklicher.

Foto ©2026 Wiesbaden lebt!

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