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Wochenendausblick auf Veranstaltungen in Wiesbaden.

Wochenendausblick, hinter jeder Tür wartet Kultur

Das Biebricher Höfefest, Drag-Cabaret, Jazzgeschichte, Open-Air-Konzerte und Literatur zwischen Europa und Zeit: Der Wochenausblick zeigt, warum Wiesbaden zum Monatswechsel zur großen Bühne wird – oft dort, wo man sie gar nicht erwartet.

Volker Watschounek 2 Wochen vor 0

Höfefest bis Staatstheater: Wochenendausblick, ein Ausblick durch Höfe voller Kultur, Musik und Überraschungen.

Die schönsten Bühnen dieses Wochenendes haben vermutlich nicht einmal einen Vorhang. Sie liegen hinter unscheinbaren Holztüren in Biebrich. Wer sie öffnet, findet vielleicht eine Jazzband, einen Grill, ein Glas Wein und Menschen, die sich vor einer Stunde noch nicht kannten. Unser Wochenendausblick…

Wochenendausblick, KW 22.2

29.–31. Mai – 21. Biebricher Höfefest (Biebrich, Eintritt frei)

📅 Freitag, 29. Mai
18:00–22:00 Uhr – Oldtimer-Shuttlebus Biebricher Höfefest (Biebrich, kostenlos)
19:00 Uhr – Alles Pretty! – Ein Pride-Cabaret mit Pretty Lamé (Hessisches Staatstheater, ausverkauft)
19:30 Uhr – The Köln Concert (Hessisches Staatstheater, 35 Euro)
19:30 Uhr – An den Grenzen des Pulses (Hessisches Staatstheater, 18 Euro
20:00 Uhr – Der Videobeweis (Kammerspiele, 28 Euro)
20:30 Uhr – Oper im Hof (Piano Schulz, ausverkauft)
23:00–04:00 Uhr – La Noche Latina – Cali Sabor & Friends (Das Wohnzimmer)

29.–31. Mai – 21. Biebricher Höfefest (Biebrich, Eintritt frei)

📅 Samstag, 30. Mai
10:00 Uhr – Antanzen (Hessisches Staatstheater
14:00–18:00 Uhr – 43. Modellbau-Ausstellung (Bürgerhaus Kastel, Eintritt frei
16:00–22:00 Uhr – Oldtimer-Shuttlebus Biebricher Höfefest (Biebrich, kostenlos)
17:00 Uhr – Very British – Mai-Konzert mit dem Sinfonieorchester Rhein-Main (Burg Sonnenberg)
ab 17:00 Uhr – Latin Night Open Air (Kiezgarten Wiesbaden)
19:00 Uhr – Hooked on a Book – Eine Expedition (Literaturhaus Wiesbaden, Eintritt frei)
20:00 Uhr – Der Videobeweis (Kammerspiele, 28 Euro)
20:00 Uhr – 68er Spätlese (Galli Theater, 21 Euro)

📅 Sonntag, 31. Mai
10:00–16:00 Uhr – 43. Modellbau-Ausstellung (Bürgerhaus Kastel, Eintritt frei)
15:00 Uhr – Finissage „Erzähl‘ mir von Europa!“ (Stadtmuseum Wiesbaden, Eintritt frei)
16:00 Uhr – Momo nach Michael Ende (Velvets Theater, 23 Euro)
19:00 Uhr – Chocolat (Kurhaus Wiesbaden, Friedrich-von-Thiersch-Saal, 23 Euro)
20:00 Uhr – Der Videobeweis (Kammerspiele, 28 Euro)

Montag, 1. Juni
🎤🎸 20:00 Uhr – Get Well Soon (Schlachthof Wiesbaden, ausverkauft)

Der Wochenendausblick zeigt, wovon die nächsten Tage leben. Von Orten, die sonst verschlossen bleiben. Höfen, die zu Konzertsälen werden. Von einer Drag Queen, die das Staatstheater übernimmt, von einem Konzert, das Musikgeschichte schrieb, und von einem Oldtimerbus, der Besucher durch ein ganzes Stadtteilfestival chauffiert.

Zwischen Hoftor, Opernarie und Jazzgeschichte

Freitagabend, wo starten wir? Wie so oft in Wiesbaden fällt die Entscheidung schwer. Im Hessischen Staatstheater übernimmt Drag-Ikone Pretty Lamé die Bühne und verbindet Cabaret, Comedy, Musical und Berliner Liedgut zu einem schillernden Abend (Fr., 29. Mai, 19 Uhr, Hessisches Staatstheater, ausverkauft). Nur wenige Minuten später beginnt im Großen Haus eine Reise in die Musikgeschichte. Die Pianistin Maki Namekawa widmet sich Keith Jarretts legendärem „Köln Concert“ (Fr., 29. Mai, 19.30 Uhr, Staatstheater, 35 Euro) – jenem improvisierten Konzert, das eigentlich nie hätte stattfinden sollen und später zur meistverkauften Klavieraufnahme der Welt wurde.

Wer danach durch die Theatergänge streift, kann sogar den eigenen Herzschlag neu entdecken. Bei „An den Grenzen des Pulses“ verwandeln Sensoren und Klangskulpturen biologische Rhythmen in ein musikalisches Erlebnis (Fr., 29. Mai, 19.30 Uhr, Staatstheater, 18 Euro).

Und während drinnen der Puls hörbar wird, erklingen draußen in der Fußgängerzone bereits Opernarien. Im Innenhof von Piano Schulz verschmelzen Sommerabend, Hinterhofatmosphäre und große Stimmen zu einem der stimmungsvollsten Formate der Maifestspiele (Fr., 29. Mai, 20.30 Uhr, ausverkauft).

Das Wochenende gehört den Entdeckern

Wer Wiesbaden wirklich erleben möchte, steigt am Samstag jedoch am besten gar nicht erst ins Auto. Das eigentliche Abenteuer beginnt in Biebrich. Beim 21. Biebricher Höfefest öffnen rund 30 Höfe ihre Tore (Fr. bis So., Eintritt frei). Hinter historischen Mauern spielen Bands, Künstler zeigen ihre Arbeiten, Nachbarn kommen ins Gespräch, Kinder entdecken neue Ecken ihres Stadtteils.

Gerade das Ungeplante macht den Reiz aus. Man biegt um eine Ecke und steht plötzlich vor einer Bluesband. Wenige Meter weiter wartet ein improvisierter Biergarten, dahinter vielleicht ein Singer-Songwriter oder eine Ausstellung. Das Höfefest funktioniert wie eine Schatzsuche ohne Karte.

Damit niemand den Überblick verliert, fährt erneut der kostenlose Oldtimer-Shuttlebus durch den Stadtteil (Fr., 18–22 Uhr; Sa., 16–22 Uhr). Dank GPS-Übertragung lässt sich sogar verfolgen, wo der Bus gerade unterwegs ist. Selten war kulturelles Inselhüpfen einfacher.

Von Modellbauwelten bis Londoner Proms

Zwischendurch eine andere Welt betrete? Kein Problem: einfach ins Bürgerhaus Kastel gehen. Dort zeigt die 43. Modellbau-Ausstellung des Plastik- und H0-Modellbauclubs Wiesbaden Fahrzeuge, Flugzeuge, Schiffe und detailverliebte Dioramen aus ganz Deutschland (Sa., 14–18 Uhr; So., 10–16 Uhr, Bürgerhaus Kastel, Eintritt frei).

Später zieht es Besucher vielleicht zur Burg Sonnenberg. Im Burggarten spielt das Sinfonieorchester Rhein-Main sein Konzert „Very British“ (Sa., 30. Mai, 17 Uhr, Burg Sonnenberg). Schuberts jugendliche Leichtigkeit trifft dort auf die Tradition der Londoner „Last Night of the Proms“, bei der das Publikum traditionell zum Teil des Programms wird.

Wer nach klassischer Musik lieber tanzen möchte, muss nicht weit suchen. Im Kiezgarten beginnt die Latin Night unter freiem Himmel (Sa., ab 17 Uhr), bevor sich die Rhythmen von Salsa, Bachata und Merengue später bis in die Nacht fortsetzen.

Geschichten über Zeit, Europa und die Liebe

Der Sonntag schlägt dann leisere Töne an. Im Stadtmuseum endet die Ausstellung „Erzähl‘ mir von Europa!“ mit einer Führung von Kurator und Fotograf Maximilian Gödecke (So., 31. Mai, 15 Uhr, Stadtmuseum, Eintritt frei). Fast zeitgleich erinnert Michael Endes „Momo“ im Velvets Theater daran, dass Zeit oft das Wertvollste ist, was Menschen besitzen (So., 16 Uhr, Velvets Theater, 23 Euro).

Wer lieber zuschaut, wie andere an den großen Fragen des Lebens scheitern, landet möglicherweise in den Kammerspielen. Dort läuft das Stück „Der Videobeweis“ noch das gesamte Wochenende (Fr.–So., jeweils 20 Uhr, Kammerspiele, 28 Euro). Eine versteckte Kamera bringt darin ein scheinbar perfektes Eheleben aus dem Gleichgewicht – böse, komisch und erschreckend nah an der Wirklichkeit.

Den genussvollsten Abschluss liefert schließlich „Chocolat“ im Kurhaus (So., 19 Uhr, Friedrich-von-Thiersch-Saal, 23 Euro). Zwischen Schauspiel, Literatur und Musik entfaltet sich eine Geschichte über Versuchung, Tradition und die Kraft kleiner Veränderungen.

Aktuelle Ausstellungen in Wiesbaden Kw 22/23

Stadtmuseum am Markt – Erzähl mir von Europa > bis 31. Mai 2026
Museum Wiesbaden 
Museum Wiesbaden – Unter Druck > bis 9. August 2026
Museum Wiesbaden – Tapetenwechsel > bis 28. Juni 2026
Kunsthaus Wiesbaden – Memory in Action > 28. Juni 2026
Rheinhard-Ernst-Museum – Farbe ist alles > bis 23.06.2026
Rheinhard-Ernst-Museum – Wolfgang Hollegha. Denk nicht, schau > bis 10.10.2026
Frauen Museum Wiesbaden – seit dem 12. Februar 2026: Rosa Winkel
Als homosexuell verfolgte Häftlinge in den Konzentrationslagern Buchenwald und Mittelbau-Dora
Umweltladen – Stadt voller Leben > Mittwoch, 15. April bis 25. Juli 2026

Ein Feuilletonliebling beschließt das Wochenende

Und dann ist da noch der Montag. Während andere bereits wieder an die Arbeitswoche denken, zieht es Musikfans in den Schlachthof. Get Well Soon um Konstantin Gropper präsentiert sein neues Album „Minus The Magic“ (Mo., 1. Juni, 20 Uhr, Schlachthof, ausverkauft) und beendet ein Wochenende, das von allem etwas bietet.

Von Oper bis Reggaeton. Von Modellbau bis Literatur. Von versteckten Hinterhöfen bis zu großen Bühnen. Wiesbaden zeigt in diesen Tagen, dass Kultur oft dort beginnt, wo man einfach neugierig genug ist, die nächste Tür zu öffnen. UNd, wie gefäält Euch unser Wochenendausblick.

Foto – Johnny Skandal beim Höfefest ©2026 Volker Watschounek

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