Marcelo Brodsky bringt Erinnerung ins Bild. Seine Ausstellung im Kunsthaus Wiesbaden erzählt von Verlust, Widerstand und der Kraft des Erinnerns.
Das Kunsthaus Wiesbaden öffnet seine Räume für eine Ausstellung, die nicht nur zeigt, sondern bewegt. „Memory in Action: Marcelo Brodsky“ läuft vom 26. März bis zum 28. Juni. Die Ausstellung fordert das Publikum heraus, hinzusehen, nachzufragen, weiterzudenken.
Bilder gegen das Vergessen
Marcelo Brodsky arbeitet nicht leise. Er greift ein, markiert, kommentiert. Seine Fotografien tragen Spuren von Erinnerung, von Verlust, von Widerstand. Besonders eindringlich wirkt sein international bekanntes Werk „Buena Memoria“. Darin blickt er auf ein Klassenfoto zurück – und macht sichtbar, wer fehlt. Namen tauchen auf, Linien verbinden, Farben schreien leise.
Der Anlass wiegt schwer: 50 Jahre nach dem Militärputsch in Argentinien erinnert die Ausstellung an eines der brutalsten Regime des 20. Jahrhunderts. Brodsky verliert selbst seinen Bruder. Er verwandelt persönliche Trauer in öffentliche Anklage – und in Kunst, die bleibt.
Zeugenschaft als künstlerische Praxis
Im Zentrum steht das ikonische Klassenfoto La Clase. Es zeigt Jugendliche, die lachen, hoffen, leben. Und doch wissen die Betrachtenden: Viele von ihnen verschwinden später, werden deportiert, ermordet. Brodsky greift dieses Bild auf, schreibt hinein, verändert es – und macht es zum Mahnmal.
Seine Arbeiten funktionieren wie offene Archive. Sie sammeln Beweise, erzählen Geschichten und stellen Fragen. Was bleibt von einer Generation? Wer erinnert? Und wer trägt Verantwortung?
Wiesbaden setzt ein Zeichen
Das Kunsthaus Wiesbaden knüpft mit der Ausstellung an seinen Schwerpunkt zur Erinnerungskultur an. Es verbindet lokale Perspektiven mit globalen Erfahrungen und zeigt, wie Kunst politische Räume öffnet. Kooperationen mit dem Jüdischen Museum Frankfurt, der Heinrich-Böll-Stiftung und weiteren Partnern verstärken diesen Anspruch.
Begleitprgramm
Öffentliche Führungen mit Jessica Neugebauer-Boscheck, donnerstags am 9. April und 11. Juni um 18:00 Uhr; sonntags am 26. April um 15:00 Uhr und am 17. Mai um 14:00 und 16:00 Uhr .
Führungen für Schulklassen: Es werden Führungen ab der 9. Klasse angeboten. Anmeldung: bildende.kunst@wiesbaden.de. Führungen für seheingeschränkte und gehörlose Menschen auf Anfrage.
Kurze Nacht der Galerien und Museen am Samstag, 11. April, 19 bis 24 Uhr. Neben der Ausstellung sind auch die Ateliers im historischen Altbau geöffnet.
Lesung und Gespräch: Donnerstag, 21. Mai, 19.30 Uhr, Michael Roth liest aus „Zonen der Angst. Über Leben und Leidenschaft der Politik“, Moderation: Alexandra Eisen
Podiumsdiskussion: „Kampf gegen die Straflosigkeit – Argentiniens Militär vor Gericht“, Mittwoch, 17. Juni, 19 Uhr, Wolfgang Kaleck, Autor des Buches, Rechtsanwalt und Gründer des European Center for Constitutional and Human Rights, im Gespräch mit Michael Alvarez Kalverkamp, Representante Fundación Heinrich Böll Argentina/Uruguay/ Paraguay Oficina regional Buenos Aires (per Live-Zuschaltung).
Kuratoren-Führung: Donnerstag, 28. Mai, 18 Uhr, mit Prof. Dr. Márcio Seligmann-Silva.
Zur Eröffnung am 25. März sprechen Kulturdezernent Dr. Hendrik Schmehl, der Künstler selbst und Kurator Prof. Dr. Márcio Seligmann-Silva. Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen, Lesungen und Diskussionen vertieft die Themen.
Erinnerung, die in Bewegung bleibt
Diese Ausstellung verlangt Aufmerksamkeit. Sie lässt sich nicht nebenbei betrachten. Wer sich auf sie einlässt, verlässt den Raum anders, als er ihn betreten hat. Genau darin liegt ihre Kraft.
Foto – Motion Creativ Design ©2025 Thorsten Greiner
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