Die Skateanlage unter der Schiersteiner Brücke ist eröffnet – vorerst bis August und mit viel Street-Flow.
Der Beton hallt dumpf unter den Rollen, Metall kratzt über Rails, irgendwo klackt ein Scooter auf die Kante. Unter der Schiersteiner Brücke hat Wiesbaden einen Ort geöffnet, der lange nach Baustelle aussah – und jetzt nach Bewegung klingt.
Die neue Skateanlage ist vorerst freigegeben. Bis August können Skater, BMX-Fahrer und Scooter-Fans die Fläche nutzen, bevor die nächsten Bauarbeiten beginnen. Damit verwandelt sich ein Ort, der während des Neubaus der Brücke vor allem aus Logistik, Absperrungen und schweren Maschinen bestand, Schritt für Schritt in einen öffentlichen Bewegungsraum.
Das Projekt gehört zum Rhein-Main-Ufer-Konzept und wird gemeinsam vom Grünflächenamt und dem Stadtplanungsamt umgesetzt. Die Stadt verfolgt damit ein Ziel, das weit über ein paar Rampen hinausgeht: Unter der Brücke soll ein urbaner Aufenthaltsort entstehen, offen, sportlich und bewusst rau gestaltet.
Kein Hochglanzpark – sondern Street-Kultur
Die Anlage wirkt nicht geschniegelt. Genau das macht ihren Reiz aus. Schräge Betonpfeiler durchziehen den Raum, Graffiti können Farbflecken an die Wände setzen, darüber rauscht der Verkehr. Wer hier fährt, steht nicht auf einer klassischen Freizeitfläche, sondern mitten in einer urbanen Kulisse.
Die Skateanlage setzt dabei klar auf Street-Elemente statt auf riesige Halfpipes. Eine Quarterpipe mit Metall-Coping erlaubt kleine Airs und technische Tricks. Dazwischen ziehen sich Flat Rails durch die Fläche, ergänzt von Ledges, Manual Pads und flachen Banks, die Geschwindigkeit aufnehmen und flüssige Linien ermöglichen.
Besonders markant wirkt der sogenannte Volcano – eine runde, kuppelförmige Betonfläche, auf der Manuals, Spins und schnelle Richtungswechsel gefahren werden können. Große freie Flatground-Bereiche schaffen Platz für Anfänger, technische Tricks und spontane Sessions.
Die Anlage richtet sich bewusst an unterschiedliche Gruppen: Skateboards, BMX-Räder und Scooter sollen hier gleichermaßen fahren können. Der Fokus liegt weniger auf spektakulären Höhenflügen als auf Rhythmus, Technik und Flow.

Die Szene durfte mitreden
Die Stadt entwickelte die Anlage nicht am Reißbrett allein. In mehreren Workshops brachte die lokale Skate-Szene ihre Erfahrungen und Wünsche ein. Skater diskutierten über Obstacles, Abstände und Fahrgefühl – also über Details, die Außenstehende oft übersehen, für die Szene aber entscheidend sind.
Bürgermeisterin Christiane Hinninger betonte bei der Freigabe, man habe sich bewusst für eine vorübergehende Öffnung entschieden. Die Fläche solle nicht ungenutzt bleiben, während rundherum weitergebaut werde. Gerade in den Sommermonaten wolle die Stadt den Menschen bereits Bewegung und Freizeit ermöglichen.
Noch ist nicht alles fertig
Die aktuelle Freigabe bleibt allerdings nur ein Zwischenschritt. Ab August wird die Fläche erneut gesperrt, damit die nächsten Bauabschnitte starten können. Geplant sind zusätzliche Aufenthaltsbereiche, weitere befestigte Flächen sowie ein Pumptrack und ein Streetballfeld.
Fast schon wie ein kleiner Gruß an die urbane Jugendkultur wirkt dabei eine Idee, die es in Wiesbaden bislang noch nicht gibt: Ein fest installiertes DJ-Pult soll künftig Musik direkt per Smartphone ermöglichen. Während einige ihre Boards über Rails ziehen, könnten andere daneben Beats mischen. Skatepark trifft Straßenfestival.
Die vollständige Fertigstellung erwartet die Stadt derzeit für den Spätherbst 2026. Bis dahin bleibt die Anlage ein Vorgeschmack darauf, wie sich der Raum unter der Brücke verändern soll: weg von der grauen Restfläche – hin zu einem Ort, an dem Wiesbaden rollt.
Foto – Skateanlage ©2026 Volker Watschounek
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Eine Übersicht verschiedener Skate-Anlagen in Wiesbaden finden Sie unter www.wiesbaden.de.



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