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Zukunft Stadtmuseum: Mehr als nur ein Ausstellungsort

Wie sieht das Stadtmuseum der Zukunft aus? In Wiesbaden diskutieren Experten, wie ein Museum in der Stadt zum lebendigen Treffpunkt werden kann. Zwischen Kaufhaus-Umbau, Kulturkonzept und Bürgerbeteiligung entsteht die Vision eines offenen Ortes für Geschichte, Gegenwart und Austausch.

Volker Watschounek 6 Tagen vor 0

Wie soll das Stadtmuseum Wiesbaden künftig aussehen? Experten diskutieren, warum ein Museum in der Stadt mehr sein muss als Ausstellung.

Wiesbaden sucht sein Stadtmuseum neu. Und zwar nicht im Verborgenen, sondern mitten im Leben. Beim vierten Design-Dialog im WerkRaum am Mittwochabend wurde deutlich, wie sehr sich das Verständnis von einem Museum in der Stadt verändert hat – und warum genau darin die große Chance für Wiesbaden liegt.

Gleich zur Begrüßung formulierte Museumsleiterin Sabine Philipp den Anspruch klar: Man wolle „Visionen entwickeln, wie ein modernes, zeitgemäßes Stadtmuseum aussehen könnte“. Dabei gehe es nicht nur um Räume, sondern um die Rolle eines Museums für die Stadtgesellschaft.

Ein Ort für die ganze Stadtgesellschaft

Dass Wiesbaden einen solchen Ort braucht, daran ließ Prof. Ute Knippenberger, Geschäftsführerin der SEG-Stadtentwicklungsgesellschaft, keinen Zweifel. Die Stadt verfüge über eine vielschichtige Geschichte – von der Kurtradition über Industriekultur bis zu Nachkriegssiedlungen. Doch diese sei bislang kaum sichtbar. „Ich habe eigentlich in dieser Stadt keinen Ort, wo ich über diese verschiedenen Sachen sprechen kann“, bekannte sie zu Beginn der Veranstaltung. Ein Stadtmuseum müsse genau diese Lücke schließen – als Ort des Austauschs, nicht nur der Darstellung.

Dabei geht es längst nicht mehr um klassische Vitrinen. Moderne Museen verstehen sich als Plattformen. Sie erzählen Geschichte, aber sie holen zugleich die Gegenwart hinein. Sie laden ein, sich zu beteiligen, zu diskutieren, zu hinterfragen.

Vom Kaufhaus zum Kulturort

Die Idee, ein Stadtmuseum in ein ehemaliges Kaufhaus zu integrieren, wirkt dabei keineswegs abwegig – im Gegenteil. Beispiele aus Chemnitz, Hamburg oder Frankfurt zeigen, wie solche Transformationen funktionieren können. Dr. Sabine Wolfram, Prähistorikerin und Direktorin des Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz, berichtete, wie ein früheres Kaufhaus zum archäologischen Landesmuseum wurde. Der Umbau dauerte Jahre, doch das Ergebnis überzeugt: ein offener Ort mit Ausstellungen, Café und Bildungsangeboten.

Auch in Hamburg nutzt man leerstehende Flächen kreativ. Dort zog das Museum kurzerhand in ein ehemaliges Karstadt-Gebäude ein. „Wir haben gesagt, wir haben da eine Idee und helfen, den Leerstand zu beleben“, erklärte Prähistoriker und Museumsdirektor und Landesarchäologe der Freien und Hansestadt Hamburg Prof. Dr. Rainer-Maria Weiß

Der Effekt: Aufmerksamkeit, neue Besuchergruppen – und ein Museum, das sichtbar wird.

Kultur als Motor der Innenstadt

Für Wiesbaden könnte genau das entscheidend sein. Denn Innenstädte stehen unter Druck. Der Einzelhandel verliert an Bedeutung, Leerstände wachsen. Kultur kann hier gegensteuern. Dr. Doreen Mölders vom Historischen Museum Frankfurt brachte es auf den Punkt: „Kultur trägt sehr wohl zur wirtschaftlichen Attraktivität einer Stadt bei.“ Die oft geführte Debatte Gewerbe oder Kultur greife zu kurz. Beides könne sich gegenseitig stärken.

Ein Museum in der Stadt würde nicht nur Geschichte sichtbar machen, sondern auch Frequenz schaffen. Menschen kämen, blieben länger, nutzten Gastronomie und Angebote – und beleben so die Umgebung.

Niedrigschwellig, offen, überraschend

Entscheidend wird sein, wie zugänglich ein neues Stadtmuseum gestaltet wird. Die Experten plädierten für offene Konzepte: kostenfreie Bereiche, Veranstaltungen, Cafés, vielleicht sogar eine Dachterrasse. Die Idee: Menschen sollen nicht bewusst ins Museum gehen müssen – sie sollen hineingezogen werden. Beim Vorbeigehen, beim Kaffeetrinken, beim Blick in eine Ausstellung.

„Man schaut rein, wird neugierig – und kommt beim nächsten Mal wieder“, so die Vision. 

Auch ungewöhnliche Formate spielen dabei eine Rolle. In Hamburg etwa waren Ausstellungen mit Lego- und Playmobilwelten die größten Publikumserfolge. Sie zeigten: Wer Geschichte verständlich und spielerisch vermittelt, erreicht Menschen.

Museum als demokratischer Raum

Ein weiterer Gedanke zieht sich durch die Diskussion: Das Stadtmuseum ist mehr als ein Ort für Vergangenheit. Es wird zum Raum der Demokratie. Museen spiegeln gesellschaftliche Entwicklungen, sammeln Zeugnisse der Gegenwart und eröffnen Perspektiven für die Zukunft. Sie schaffen Räume, in denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen. „Wir sind für die Gesellschaft da“, hieß es auf dem Podium. Deshalb müsse ein Museum sichtbar sein – mitten in der Stadt, nicht im Keller.

Entscheidung steht noch aus

Ob Wiesbaden diesen Weg geht, ist noch offen. Die Machbarkeit ist gegeben, sowohl für eine kulturelle als auch für eine gewerbliche Nutzung. Doch die Diskussion zeigt: Die Chancen eines Stadtmuseums reichen weit über klassische Kulturpolitik hinaus.

Es geht um Identität, um Stadtentwicklung – und um die Frage, wie sich eine Stadt selbst erzählt. Oder, wie es eine Teilnehmerin formulierte: „Identität fußt auf Geschichte.“ 

Diskussion on Demand

https://www.youtube.com/live/_EVHQzER-z4?si=SEgfs16jGpDrY9h1&t=3053

Screenshot Video ©2026 Wiesbaden lebt!

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