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Rund 200 Kinder aus evangelischen Kitas in Wiesbaden präsentierten in der Lutherkirche die Ergebnisse des Projekts „Singen macht stark“.

Wenn 200 Kinderstimmen eine Kirche kit Stimmen erfüllen

200 Kinder, 25 Kitas und eine Kirche voller Musik: Beim Projekt „Singen macht stark“ präsentierten Wiesbadener Kita-Kinder in der Lutherkirche ihr Können. Das bundesweit einzigartige Projekt fördert Sprache, Gemeinschaft und Selbstvertrauen durch gemeinsames Singen.

Volker Watschounek 4 Stunden vor 0

200 Kita-Kinder verwandelten die Lutherkirche mit dem Projekt „Singen macht stark“ in eine Arena.

Wer am Dienstagvormittag die Türen der Lutherkirche öffnete, wurde von einem Klang empfangen, der weit über die Kirchenmauern hinauswirkte. Rund 200 Kinder aus etwa 25 evangelischen Kindertagesstätten sangen gemeinsam, lachten, bewegten sich zur Musik und füllten das Gotteshaus mit einer Energie, die selbst erfahrene Musikpädagogen beeindruckte.

Mit einem großen Chorkonzert präsentierten die Mädchen und Jungen, was sie in den vergangenen Monaten im Rahmen des Projekts „Singen macht stark“ gelernt hatten. Eltern, Großeltern und Gäste erlebten dabei nicht nur ein fröhliches Konzert, sondern auch ein Projekt, das bundesweit in dieser Form als einzigartig gilt.

Musik beginnt schon auf der Busfahrt

Die Begeisterung war bereits auf dem Weg zur Lutherkirche spürbar. „Die Kinder haben teilweise schon im Bus gesungen“, berichtete die elementare Musikpädagogin Sophie Seebaß. Auch im Alltag sei die Freude am Singen inzwischen überall zu erleben. „Wenn ich in eine Kita komme, laufen mir singende Kinder entgegen. Es ist wunderbar zu erleben, wie begeisterungsfähig Kinder sind und wie schnell sie lernen.“

Seit Mai 2025 besuchen Musikpädagoginnen und Stimmbildnerinnen der Evangelischen Singakademie Wiesbaden wöchentlich rund 30 Kindertagesstätten des Evangelischen Dekanats Wiesbaden. Dort wird gemeinsam gesungen, musiziert und spielerisch die eigene Stimme entdeckt. Ziel ist es, möglichst allen Kindern einen Zugang zur Musik zu ermöglichen – unabhängig von Herkunft, Sprache oder sozialem Hintergrund.

Ein Projekt für alle Kinder

Entwickelt wurde das Konzept von Lutherkirchenkantor Niklas Sikner und der Mezzosopranistin Lena Naumann. Ausgangspunkt war eine einfache Frage: „Wann singen Kinder heute eigentlich?“ Die Antwort führte zu einem Projekt, das bewusst alle Kinder erreichen möchte. „Uns war wichtig, dass wir Kinder aus allen Milieus erreichen“, erklärte Sikner. Die Kindertagesstätten seien dafür der ideale Ort.

Gerade dort zeigt sich immer wieder, welche Kraft gemeinsames Singen entfalten kann. „Manche Kinder sprechen kaum oder gar nicht, singen aber plötzlich mit“, berichtete Projektleiterin Lena Naumann. Besonders in Gruppen mit vielen Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, werde Musik zu einer Sprache, die jeder verstehe. „Über Musik entsteht Gemeinschaft. Das gesungene Wort bleibt oft besser im Gedächtnis als das gesprochene.“

Mehr als musikalische Früherziehung

Für Musikpädagogin Gabriela Blaudow geht es dabei um weit mehr als das Erlernen von Liedern. Viele Kinder müssten zunächst ihre eigene Singstimme entdecken. Bewegung, Rituale und gezielte Übungen helfen dabei, die natürliche Kopfstimme zu entwickeln.

„Oft singen Kinder zunächst in ihrer gewohnten Sprechstimme oder orientieren sich an der tieferen Tonlage der Erwachsenen“, erklärte Blaudow. Das gemeinsame Singen eröffne ihnen neue Möglichkeiten, ihre Stimme bewusst einzusetzen. Einmal pro Woche kommen die inzwischen sieben Musikpädagoginnen für 30 bis 45 Minuten in die Einrichtungen und arbeiten dort vor allem mit den Vorschulkindern.

Gemeinschaft, Selbstvertrauen und Freude

Finanziert wird „Singen macht stark“ vom Evangelischen Dekanat Wiesbaden, koordiniert wird das Projekt von der Evangelischen Singakademie an der Lutherkirche.

Das Konzert machte eindrucksvoll sichtbar, welche Wirkung musikalische Bildung bereits im frühen Kindesalter entfalten kann. Die Kinder lernen nicht nur Lieder. Sie erleben Gemeinschaft, stärken ihr Selbstvertrauen, entwickeln sprachliche Fähigkeiten und soziale Kompetenzen – und entdecken dabei die Freude am gemeinsamen Musizieren.

Als die letzten Töne in der Lutherkirche verklangen, war deshalb nicht nur ein Konzert zu Ende gegangen. Sichtbar geworden war ein Projekt, das Kindern eine Stimme gibt – und einer ganzen Stadt zeigt, wie verbindend Musik sein kann.

Foto – Eine LKirche voller Kinder @2026 Evangelisches Dekanat

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