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Bernd Fickert, Interventionen - er präsentiert Tapetenwechsel.

Tapetenwechsel: Wenn der Hintergrund die Hauptrolle übernimmt

Seit dem 27. Februar ist im Museum Wiesbaden Bastian Muhrs Intervention „Tapetenwechsel“ zu sehen. Darin verschiebt Muhr Blicke und lädt Räume auf. Und auch im April bleibt sie ein lohnender Anlass, Wahrnehmung neu zu testen – und Kunst anders zu begegnen, – überraschend intensiv.

Volker Watschounek 1 Woche vor 0

Bastian Muhrs Tapeten verändern Räume, irritieren Wahrnehmung und lassen Kunstwerke neu wirken.

Wer in Museum geht, erwartet Bilder an Wänden. Nicht so bei Bastian Muhr. Beim Besuch des Museum Wiesbaden bis zum 28. Juni kehrt sich das Verhältnis um. Die Intervention „Tapetenwechsel“ dreht die Blickrichtung – und stellt die Frage, wer hier eigentlich wen betrachtet.

Museum Wiesbaden, kurz gefasst

SonderausstellungTapetenwechsel
Wann: Freitag, 27. Februar bis zum 28. Juni 2026
Eintritt: 12,00 Euro, ermäßigt 9,00 Euro
Öffnungszeiten:
Mo geschlossen | Di, Mi, Fr 10:00—17:00 Uhr | Do 10:00—21:00 Uhr
Sa, So, Feiertage 10:00—17:00 Uhr
Wo: Museum Wiesbaden – Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur, Friedrich-Ebert-Allee 2, 65185 Wiesbaden

Muhr nutzt Tapeten nicht als Dekor. Er aktiviert sie. Linien wachsen, Muster verschieben sich, Algorithmen treiben Formen voran. Die Wand bleibt nicht ruhig, sie reagiert. Sie pulsiert, sie antwortet, sie fordert heraus.

Im ersten Raum flirrt eine vermeintlich harmlose Blümchentapete so intensiv, dass selbst ein Stillleben von Jawlensky kurz innehält. Es verliert nichts, es gewinnt. Die Zurückhaltung wirkt plötzlich konzentriert. Auch Benno Walldorfs Porträt tritt klarer hervor. Farben verdichten sich, Konturen greifen schärfer.

Dialoge statt Konkurrenz

Muhr inszeniert keinen Wettkampf. Er schafft Begegnungen. Eine Skulptur von Georg Kolbe richtet sich in den Raum, während Jawlenskys Heilandsgesicht nach innen schaut. Dazwischen wandert der Blick – geführt, irritiert, wach gehalten.

Die Tapete wird zur Gesprächspartnerin. Sie kommentiert, widerspricht, verstärkt. Wer hier schaut, sieht nicht nur Kunstwerke, sondern Beziehungen. Der Raum verwandelt sich in ein Geflecht aus Blicken und Reaktionen.

Zwischen System und Zufall

Im zweiten Raum verschiebt sich die Ordnung weiter. K.O. Götz’ „Krakmo“ wirkt plötzlich anders positioniert. Nicht das Bild verändert sich – der Raum tut es. Proportionen kippen, Maßstäbe lösen sich.

Muhr arbeitet präzise und lässt zugleich Zufälle zu. Seine Muster folgen Regeln, brechen sie im nächsten Moment und erzeugen Spannungen, die bleiben. Architektur bleibt erkennbar, aber sie verhält sich anders.

Sehen als Bewegung

Diese Intervention verlangt Bewegung. Wer stehen bleibt, übersieht die Hälfte. Erst im Gehen entfaltet sich die Wirkung. Augen springen, Linien führen, Farben reagieren. Sehen wird körperlich, fast tastend. Bis zum 28. Juni bleibt „Tapetenwechsel“ im Museum Wiesbaden zu erleben. Die Arbeit fordert – und belohnt. Wer sich einlässt, erkennt, dass Kunst nicht nur hängt. Sie antwortet. Und manchmal blickt sie zurück.

Bild – Ausstellungsansicht mit Komodowaran. ©2026 Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

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Mehr vom Museum Wiesbaden finden Sie unter museum-wiesbaden.de.

Erstveröffentlichung: 31.03.2026
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