„Das Thema ist zu wichtig, als dass man es vom Tisch wischen könnte“, wird Sonja Singer-Posern zum Klimawandel in der Region Wiesbaden/Mainz in der Lokalpresse zitiert. Klimaprax soll es richten. 

Die beiden vergangenen heißen Sommer haben das Thema Hitze in der Stadt zunehmend in den Fokus gerückt. Die Klimaprax-Studie hat sich der Thematik angenommen, doch die Stadtentwicklungsgesellschaft und die Grünen-Fraktionsvorsitzende Christiane Hinninger stellen sie in Frage.Wiesbaden dürfte zu dieser Freude bisher wenig beitragen. Denn sie nutzt die Daten der Klimprax-Studie schlichtweg nicht in dem möglichen Ausmaß. Ausgerechnet die Grünen-Fraktionsvorsitzende stellt die Aussagekraft der Studie in Frage. In der Umweltausschusssitzung zum Thema Ostfeld-Bebauung am 8. September 2020 wiederholte: Klimprax ist zu grobkörnig.

DWD belegt Auswirkungen auf Mainz in Studienergebnissen

Für den Deutschen Wetterdienst (DWD) sind diese von SEG und Hinninger als grobkörnig bemängelten Daten der Klimprax-Studie aufschlussreich genug, um Aussagen über Kaltluftströme vom Ostfeld treffen zu können. Die Bundesoberbehörde ist verantwortlich für die Modellbasierte Analyse der Klimprax-Studie und kommt in der Zusammenfassung ihres Endberichts zu dem Ergebnis, dass vom Ostfeld Kaltluft nach Mainz-Kastel strömt „und teilweise sogar über den Rhein hinweg bis zur Mainzer Innenstadt und nach Weisenau. Das hört sich ganz anders an als die saloppe Aussage des SEG-Projektleiters Joachim Mengden bei der Ortsbeiratssitzung Amöneburg wo er sagte, dass da nichts nach Mainz fließe.

Klimprax für klimatische Belange „übersetzen“

Auch der Behauptung, Klimprax könne zu Bebauungsstrukturen keine Aussagen treffen und nicht als Grundlage für die stadtplanerische Praxis dienen, widerspricht der DWD-Bericht. Auf Seite 7 des Berichts ist nachzulesen, dass bei den Modellrechnungen wird besonderer Wert auf die detaillierte Modellierung der unterschiedlichen Bebauungsstrukturen innerhalb der Stadtgebiete gelegt werde. Die erzielten Ergebnisse sollten in einem nächsten Schritt in Größen oder Parameter ‚übersetzt‘ werden, die eine Berücksichtigung der klimatischen Belange in der stadtplanerischen Praxis erleichtere.

Stadt Wiesbaden umschifft Klimaanpassungs-Themen

Die Stadt Wiesbaden heißt es, müsste diese klaren Ergebnisse also nur noch in ihre Stadtplanung übersetzen, lautet die Botschaft des DWD. Doch gerade das tut sie offenbar nicht. Sie leistet sich stattdessen einen selbst verordneten Klimanotstand, der ohne jede konkrete Handlungsanweisung für die Stadtplanung auskommt. Sie leistet sich einen Klimaschutzbeirat, der das Thema Klimaanpassung nicht anpackt, weil seine vorrangige Aufgabe ja der Klimaschutz ist – nicht die Anpassung. Sie leistet sich ein Klimaschutzmanagement (für das im Haushalt 2020/2021 satte 5 Millionen Euro eingestellt wurden, siehe Pressemeldung der Stadt Wiesbaden vom 14.1.2020) und einen Lenkungskreis unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters, von dem bislang ebenfalls keine Ergebnisse zum Thema Klimaanpassung in der Stadtentwicklung offenkundig wurden.

SEG soll Geld verdienen

Warum eigentlich nicht? Offenbar fürchtet die Stadtpolitik das Aus für eine rein auf Wachstum ausgelegte Stadtplanung, die der SEG im Jahr 2018 einen Sprung von unter 20 auf über 70 Mio. Euro an Umsatzerlösen beschert hat. Und erklärtes Ziel der Wiesbadener Stadtpolitik ist ja gerade: „Die SEG soll Geld verdienen.“ So zum Beispiel mit der massiven Bürobebauung am Klima-Hotspot Schiersteiner Hafen – siehe Klimprax. Zur Erinnerung: Hier wird nicht eine einzige Sozialwohnung geschaffen, aber der SEG viel Geld in die Kasse gespült. Ob das eine Prioritätensetzung mit Weitblick ist, bezweifelt das Bündnis Stadtklima.

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Die offizielle Internetseite des Bündnis Stadtklima finden Sie unter www.buendnis-stadtklima.de.

 

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