Der zehnte Reisetag begann in Alta ruhig und klar. Morgens holten wir beim Bäcker Schokobrötchen und Kaffee – pragmatisch, schnell, genau richtig vor einem langen Tag. Um 10 Uhr waren wir mit Freunden im Alta Museum verabredet.
Alta Museum: Steinzeit, Handwerk und Polarlicht
Das Museum kostet rund 13 Euro pro Person und widmet sich vor allem den berühmten Felszeichnungen von Alta, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Die Petroglyphen stammen aus der Steinzeit und zeigen Jagdszenen, Tiere, Boote und Rituale – eindrucksvolle Zeugnisse früher arktischer Besiedlung.
Neben der Felskunst beleuchtet das Museum traditionelles Handwerk sowie die Bedeutung der Region für Polarlichtforschung. Verschiedene Gesteine als Werkzeuge, Messing Utensilien und Fischfang. Es ist anschaulich erklärt, wie Polarlichter entstehen und warum diese von der Sonnenaktivität abhängen. Der Innenbereich ist modern gestaltet – Hunde sind hier nicht erlaubt, sodass Sparky zunächst im Auto warten musste.
Im Anschluss erkundeten wir gemeinsam mit Sparky den Außenbereich. Hier sind Hunde willkommen. Allerdings wird dieser Bereich im Winter nicht geräumt, weshalb nicht alles begehbar ist. Die Felszeichnungen sind nicht sichtbar, sondern von Schnee und Eis bedeckt. Die Sicht klarte etwas auf, was zumindest einen weiten Blick auf das Meer ermöglichte.
Frisch machen und weiter nach Norden
Im Airbnb unserer Freunde konnten wir noch duschen und uns frisch machen – ein kleiner Luxus auf dieser langen Winterreise. Danach hieß es wieder: Norden.
Zunächst auf der E6, später auf der E69. Mehrere Tunnel führen schließlich auf die Insel Magerøya, auf der das Nordkap liegt.
Je weiter wir fuhren, desto karger wurde die Landschaft. Bäume verschwanden, Sträucher wurden seltener, Felsen dominierten. Die Weite nahm zu, das Leben schien sich zurückgezogen zu haben. Der Wind hatte freies Spiel, der Horizont wirkte weiter, offener, rauer.
Honningsvåg: letzte Station vor dem Nordkap
In Honningsvåg hielten wir noch einmal an. Hier befinden sich der letzte Supermarkt und die letzte Tankstelle vor dem Nordkap. Ein kurzer, aber wichtiger Zwischenstopp.
Ein Restaurant zu finden, das Hunde erlaubt, erwies sich erneut als schwierig. Schließlich wurden wir im NOR Café & Bistro fündig. Gemütliches Ambiente, unfassbar nette Bedienung. Der Kellner sprach sogar ein wenig Deutsch – das erste Mal seit wir Deutschland verlassen hatten, konnten wir unser Essen auf Deutsch bestellen. Sparky bekam selbstverständlich Wasser. Für uns gab es frisch gefangenen Fisch – Kabeljau. Eine warme, freundliche Pause vor dem letzten Abschnitt.
40 Minuten bis zum nördlichsten Punkt
Gestärkt fuhren wir weiter. Rund 40 Minuten lagen noch vor uns. Die Schranke war geöffnet – kein Konvoi, kein Warten. Einfach durchfahren.
Mit jedem Kilometer nahm der Wind zu. Schneeverwehungen zogen über die Straße, Sicht und Fahrbahn forderten Aufmerksamkeit. Um 19 Uhr erreichten wir das Nordkap – den nördlichsten Punkt und das heimliche Ziel unserer Reise.
Das Parkticket kostete knapp 15 Euro und gilt bis zum nächsten Mittag. Übernachten darf man hier jedoch nicht; spätestens um 23 Uhr muss man das Gelände wieder verlassen.
Am Globus – allein im Wind
Wir gingen zum berühmten Globus-Monument. Eisiger Wind, völlige Dunkelheit, aber kein Nebel. Und wir waren allein. Kein Bus, keine Gruppe, keine Geräusche außer dem Wind. Auf dem Parklatz standen außer uns nur drei einsame Autos.
Der Himmel blieb leider zu bewölkt für Polarlichter. Trotzdem hatte dieser Moment Gewicht. Hier endet Europa fast sichtbar. Hier oben fühlt sich Weite anders an – fast ein bisschen, wie das Ende der Welt.
Lange hielt es uns bei diesem eisigen Wind nicht. Also zurück ins Auto. Auch Sparky war froh wieder ins windgeschützte Auto zu kommen.
Schlafplatz in Skarsvåg
Wir suchten einen möglichst windgeschützten Platz und fanden in Skarsvåg eine kleine Seitenstraße. Der Wind pfiff weiterhin kräftig, aber besser würde es an diesem Abend wohl nicht mehr werden.
Mit wenigen Handgriffen stand das Naturbummler-Dachzelt. Wegen der Böen fixierten wir die Standheizung zusätzlich mit Spanngurten am Auto. Der Wind zerrte spürbar am Zeltstoff – doch das Setup hielt stand.
Draußen arktische Bedingungen. Drinnen Wärme.
Tagesfazit
Tag 10 war mehr als ein Meilenstein, es war ein Ankommen. Von steinzeitlicher Geschichte in Alta über Tunnel und karge Weite bis hin zum Nordkap – dem nördlichsten Punkt unserer Reise. Kein Polarlicht, kein klarer Sternenhimmel, dafür Wind, Dunkelheit und das Gefühl, wirklich weit oben angekommen zu sein – am Rande der Welt.
Ankommen, durchatmen – das heimliche Reiseziel tatsächlich erreicht.
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3 Wochen Skandinavien: Naturbummler Dachzelt im Wintertest
Polarlichter, Fjorde, Stille, vom Alltag ans Ende Europas
Tag 19: Campingplatz und durch Deutschland nach Hause
Tag 18: Von Schweden über Dänemark nach Deutschland
Tag 17: Schären, Popgeschichte und der Frühling auf dem Vormarsch
Tag 16: Von der Winterlandschaft in die Hauptstadt 
