Die Nacht hatte es in sich. Der Wind rüttelte am Fahrzeug, zerrte am Dachzelt, pfiff um die Ecken. Unserem Zelt konnten die widrigen Umstände nichts anhaben. Stabil, ruhig, verlässlich und fest am Auto verankert –. Am Morgen packten wir zügig zusammen. Ein paar Handgriffe, vier Schnallen, und wieder war das Dachzelt zusammengeklappt und alle Utensilien verstaut.
Ein letztes Mal ging es Richtung Norden.
Ein letzter Besuch am Nordkap
Die Schranke war offen, kein Konvoi notwendig. Die Straße deutlich besser befahrbar als am Vorabend. Unser Parkticket vom Abend zuvor war noch bis 12 Uhr mittags gültig – also nutzten wir die Gelegenheit für einen zweiten, ruhigeren Besuch.
Der Eintritt in den Nordkap-Hallen-Komplex beträgt rund 33 Euro pro Person. Hunde sind im Innenbereich nicht erlaubt, weshalb Sparky zunächst im Auto wartete.
Die Ausstellung im Besucherzentrum ist modern gestaltet und beleuchtet die Geschichte des Nordkaps als Reiseziel. Seit dem 19. Jahrhundert gilt das Plateau als symbolischer Endpunkt Europas. Expeditionsberichte, historische Fotografien und Informationen zur extremen Lage auf 71°10’21“ nördlicher Breite zeichnen die Entwicklung vom entlegenen Felsen zum internationalen Sehnsuchtsort nach.
Fun Fact: Warum heißt das Nordkap eigentlich „Nordkap“?
Der Name geht auf den englischen Seefahrer Richard Chancellor zurück. Er erreichte im Jahr 1553 auf der Suche nach einer Nordostpassage nach Asien die markante Felsklippe an der Spitze der Insel Magerøya und nannte sie „North Cape“– also „Nördliches Kap“.
Interessant: Das Nordkapp ist zwar das bekannteste Symbol für das „Ende Europas“, geografisch liegt der tatsächlich nördlichste Punkt des europäischen Festlands jedoch etwas westlicher – am Knivskjellodden.
Seit dem 19. Jahrhundert wurde das Nordkap durch Expeditionen, königliche Besuche (u. a. König Oscar II.) und den aufkommenden Tourismus weltberühmt – und gilt bis heute als Sehnsuchtsziel für Reisende aus aller Welt.
Anschließend holten wir uns im Restaurant einen Kaffee und ein Croissant – knapp 10 Euro. Alternativ gäbe es auch Pizzataschen oder Waffeln. Belegte Brötchen kosten schnell 10 Euro oder mehr. Nordkap-Preise eben.
Ein kurzer Abstecher in den Souvenirshop durfte nicht fehlen. Im Sale fanden wir einen Magneten für gut 4 Euro – ein kleines, leichtes Erinnerungsstück.
Am Globus – diesmal im Tageslicht
Dann holten wir Sparky aus dem Auto und gingen gemeinsam hinaus zum berühmten Globus. Ein Pärchen war noch vor uns da, doch danach hatten wir für gut zehn Minuten den Platz fast für uns allein.
Sparky flitzte ein wenig über den Platz, wir ließen den Blick schweifen. Endlose Weite, klarer Himmel, fast surreal. Mit der Insta360 X4 Air hielten wir diese Perspektive ein – 360 Grad Horizont, Wind, Licht. Die Kamera begleitet uns inzwischen selbstverständlich. Filmen, später den perfekten Bildausschnitt wählen. Gerade hier oben lohnt sich das.
Ein paar Schritte weiter steht das Denkmal für Oscar II. Der norwegisch-schwedische König besuchte das Nordkapp 1873 – ein Ereignis, das den Ort zusätzlich bekannt machte. Das Monument erinnert an diese Reise und an die Zeit der Union zwischen Norwegen und Schweden.
Rückfahrt Richtung Süden
Bald machten wir uns wieder auf den Weg. Auf der schmalen Straße vom Nordkapp hinunter kamen uns mehrere Reisebusse entgegen. Ein gutes Gefühl, am Morgen gefahren zu sein.
Wir schlugen Kurs Richtung Finnland ein. Mit jedem Kilometer veränderte sich die Landschaft. Birken tauchten auf, später auch Kiefern und Fichten. Die Natur wirkte wieder belebter, dichter, weniger karg als rund um das Nordkapp. Vereinzelt sahen wir Elche und Rentiere – ruhig, selbstverständlich.
Grenzübertritt nach Finnland
Der Grenzübertritt nach Finnland verlief unkompliziert. Den Hund meldeten wir beim Zoll an – bei Einreise direkt aus Norwegen kein Problem. Formalitäten kurz, freundlich, routiniert.
Auf finnischer Seite zeigte sich schnell ein Unterschied: deutlich mehr Wald, weniger Gebirge. Gleichzeitig wirkten die Straßen schlechter geräumt. Weniger Leitpfosten am Rand, Schnee und Eis lagen stellenweise festgefahren auf der Fahrbahn.
Wir fuhren durch Inari, einen der größeren Orte im finnischen Lappland. Hier trifft samische Kultur auf weite Landschaft, doch wir blieben nur auf der Durchreise.
Nachtlager in Finnland
Am Abend suchten wir uns einen kleinen Parkplatz an einer wenig befahrenen Straße. Kein offizieller Stellplatz, kein Service – einfach nur Raum.
Mit wenigen Handgriffen stand das Naturbummler-Dachzelt wieder. Die Routine sitzt. Auch hier machten wir mit der Insta360 X4 Air noch ein paar Aufnahmen vom verschneiten Wald und der einsamen Straße.
Polarlichter blieben an diesem Abend aus. Zu viele Wolken zogen über den Himmel. Doch nach den vergangenen Tagen war auch ein ruhiger, unspektakulärer Abend willkommen.
Tagesfazit
Tag 11 markierte den Abschied vom Nordkap. Ein letzter Blick vom Globus, Geschichte im Besucherzentrum, dann der Weg zurück in belebtere Landschaften.
Norwegen blieb rau und weit, Finnland empfing uns waldreich und still. Weniger Wind, mehr Bäume, andere Straßen – ein neuer Abschnitt begann.



Tag 10: Alta, Magerøya und der nördlichste Punkt unserer Reise
Tag 9: Von Tromsø nach Alta – ein Roadtrip im Rhythmus des Nordens
Tag 8: Wind, Eis und der Weg nach Tromsø
Tag 7: Von Rentieren, Elchen und einzigartigem Polarhimmel
Skandinavien Roadtrip Tag 6
Von stillen Wäldern bis zur bunten Stadt: Norwegens Straße ruft 
