Der Frühling kommt nicht auf einmal. Er singt sich heran, er blüht sich durch, er weht durch die Luft.
Bevor ein einziges Schneeglöckchen ins Auge fällt, hört man ihn. Noch liegt Dämmerung über Wiesbaden, doch aus Hecken und Baumwipfeln steigt ein vielstimmiges Konzert. Rotkehlchen beginnen, Amseln antworten, wenig später mischen sich Singdrossel, Zaunkönig und Kohlmeise ein. Wenn die Sonne den Horizont berührt, singen auch Star und Blaumeise.
Dieses morgendliche Zusammenspiel nennt man Dawn Chorus. Es wirkt wie eine Ouvertüre. Der Frühlingsanfang beginnt nicht mit einem Datum, sondern mit Klang. Vögel markieren Reviere, werben um Partner, tauschen Informationen. Kühle Luft trägt ihre Stimmen weit durch die Stadt. Wer um den 1. März das Fenster öffnet, merkt schnell: Der Winter verliert seinen Ton.

Der 1. März setzt den Takt
Meteorologen rechnen dagegen in klaren Abschnitten. Für sie startet der Frühling jedes Jahr am 1. März. Das erleichtert Vergleiche und ordnet das Klima. Während der kalendarische Frühling noch auf die Tag-und-Nacht-Gleiche wartet, setzt der meteorologische Frühlingsanfang jetzt ein Zeichen.
In Parks, auf dem Neroberg oder entlang des Rheins verändert sich das Licht. Es bleibt länger. Es wärmt vorsichtig. Cafés stellen erste Stühle hinaus. Die Stadt probt einen neuen Rhythmus.
Blüten, die den Frost bezwingen
Kurz nach dem Vogelgesang drängt Farbe ins Bild. Schneeglöckchen schieben ihre weißen Köpfe durch den Boden. Ihr Name Galanthus verweist auf Milch und Blume. Zart wirken sie, doch sie halten Kälte aus. Mehr als 20 Arten und Hunderte Sorten wachsen in europäischen Gärten. Manche Liebhaber zahlen für seltene Exemplare vierstellige Summen. Eine einzelne Zwiebel erzielte in England einst über 2.000 Euro.
Auch Krokusse öffnen jetzt ihre Kelche. Gelb, Violett, Weiß setzen sie helle Punkte ins winterliche Grau. Unter der Erde speicherten sie Energie, bis der richtige Moment kam. Dann treiben sie aus.
Der berühmte Safran-Krokus liefert das teuerste Gewürz der Welt. Für ein Gramm Safran braucht es rund 150 Blüten und geduldige Hände. Während er im Herbst blüht, erinnert er im Frühjahr daran, wie viel Wert in einer einzigen Blüte stecken kann.
Unsichtbare Reisende in der Luft
Mit dem Licht kehrt auch Bewegung in die Atmosphäre zurück. Hasel und Erle starten früh, später folgt die Birke. Pollen lösen Niesanfälle aus, selbst wenn kein Baum in Sicht steht. Winde tragen die winzigen Körner über Hunderte Kilometer. Modellrechnungen gehen bei Birkenpollen von Strecken bis zu 1.000 Kilometern aus.
Der Frühlingsanfang zeigt hier seine unsichtbare Seite. Er verbindet Regionen über die Luft. Für Allergiker verlängert sich die Saison oft bis weit ins Frühjahr. Für alle anderen offenbart sich ein Netzwerk aus Blüte und Wind.

Störche zwischen Aufbruch und Bleiben
Und dann sind da noch die Störche. Jahrzehntelang galten sie als verlässliche Boten des Frühlings. Viele kehren aus Spanien oder Ostafrika zurück. Einige jedoch bleiben einige von ihnen inzwischen in Hessen, selbst im Winter. Mildere Temperaturen und gute Nahrungsquellen verändern ihr Zugverhalten.
Wenn die ersten Tiere auf ihren Horsten stehen, wirkt der 1. März plötzlich konkret. Der Frühling sitzt dann hoch oben über den Dächern und klappert.
Foto – Krokusse am Wegesrand ©2026 Volker Watschounek
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Der Frühling kommt nicht auf einmal. Er singt sich heran, er blüht sich durch, er weht durch die Luft. Der Frühlingsanfang am 1. März markiert nur den Moment, in dem wir genauer hinhören. Und genauer hinsehen.



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