Der Countdown läuft. Noch 40 Tage vergehen bis zur finalen Bergung der ältesten im Original erhaltenen Dampflok Deutschlands am 21. Oktober.

Sie ist das älteste Denkmal deutscher Eisenbahngeschichte und ein wertvolles Gut der Industriekultur – die Dampflok „Der Rhein“. 1852 in den Kessler-Werken in Karlsruhe gebaut, fiel sie im selben Jahr auf dem Weg zu ihrem Einsatzort auf der Bahnstrecke Düsseldorf-Elberfeld bei Germersheim in den Rhein. Dort liegt dieser „Schatz“ nun seit mehr als 165 Jahren begraben.

Zusammenfügen

Viele kleine und große Maßnahmen sind nötig, um die historisch und industriekulturell bedeutsame Lok mit dem schicksalhaften Namen Rhein zu bergen. Zunächst wurde Ende August bereits eine Buhne, also ein zwei Meter hoher Steinwall, im Rhein abgetragen, unter der die Fundstelle der Lok liegt. 50 Meter vor dem Rheinufer haben die Lok-Jäger Horst Müller, Uwe Breitemeier, Volker Jenderny und der Geophysiker Prof. Dr. Bernhard Forkmann den sechs Meter langen Eisenkörper mittels Magnetmessungen gefunden.

„Wir wissen noch nicht, was wir bei den Baggerarbeiten genau finden. Es besteht die Gefahr, dass große Steine, Bäume oder Ähnliches das Vordringen zur Lok erschweren.“ – Wolfhard Neu, Bergungsunternehmen.

Anfang September wurde ein Ponton, also eine Plattform, im Rhein verankert. Auf diesem Ponton steht der Spezialbagger, der die Aushubarbeiten vornimmt und die Spundwände in den Flussboden geschlagen hat. 21-Meter-lange Eisenbalken hat das Bergungsunternehmen OHF dafür zunächst in den Rheinboden gerammt, um anschließend die 30 Meter langen Spundwände zu errichten. 200 Tonnen Stahl kommen hier zum Einsatz. So wird der Fundort während der Bergung vor der Strömung des Rheins geschützt. Rund  3.000 Tonnen Kies, Sand und Geröll wird der Spezialbagger bis Ende September aus dem Weg schaffen. Mitte September werden die Baggerarbeiten bereits eine Tiefe von vier Metern erreicht haben. „

„So ein Projekt macht man einmal in seinem Leben, ich bin gespannt wie Bolle, was wir da nun wirklich aus dem Wasser holen werden.“ – Volker Jenderny, Mitinitiator der Bergung

Ende September geht es dann an die Feinarbeit: Industrietaucher legen die Lok mit Kiessaugern behutsam frei, um sie nicht zu beschädigen. Weiteren 2.000 Tonnen Material werden sie mit ihren Saugern zu Leibe rücken. Anfang Oktober steht ein besonders spannender und spektakulärer Moment bevor: Der erste Sichtkontakt mit der Lok wird aller Voraussicht nach die eindeutige Identifikation ermöglichen. „Aktuell basiert die Annahme, dass es sich tatsächlich um die Lok ‚Rhein‘ handelt, allein auf den Magnetresonanzbildern. Eine Überraschung beim Freilegen ist also noch möglich“, sagt Tobias Bartenbach, Leiter des Projektbüros „Jäger der versunkenen Lok“

Die Lok gilt als Sie ist das älteste Denkmal deutscher Eisenbahngeschichte und ein wertvolles Gut der Industriekultur. ©2018 Projektbüro „Jäger der versunkenen Lok“

Die Lok gilt als Sie ist das älteste Denkmal deutscher Eisenbahngeschichte und ein wertvolles Gut der Industriekultur. ©2018 Projektbüro „Jäger der versunkenen Lok“

Bergung mit Gurten

Nach der Identifikation muss das Bergungsunternehmen entscheiden, wie der massige Metallkörper unbeschädigt aus dem Wasser gehoben werden kann. Nach aktuellen Planungen soll die Lok mit Gurten angehoben werden und dann eine Palette darunter geschoben werden. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Lok nicht abrutscht und zurück in den Rhein fällt.

Sie möchten keinen Beitrag mehr verpassen und stets aktuell informiert sein? Dann bestellen Sie doch gleich unseren Newsletter oder folgen uns auf Twitter, Instagram und werden Sie Fan von Wiesbaden lebt!